Bandengewalt zwingt mehr als 53.000 Menschen in Haiti zur Flucht

Männer rennen in Deckung, während die Polizei Tränengas einsetzt, um Menschen in der Nähe des Nationalpalastes auseinanderzutreiben.
Männer rennen in Deckung, während die Polizei Tränengas einsetzt, um Menschen in der Nähe des Nationalpalastes auseinanderzutreiben. Copyright Odelyn Joseph/Copyright 2024 The AP. All rights reserved
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Von Heilika Leinus
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Einem neuen EU-Bericht zufolge sind in weniger als drei Wochen mehr als 53.000 Haitianer vor der Bandengewalt geflüchtet.

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Bandengewalt stürzt Haiti weiterhin ins Chaos. Hundertausende Menschen sind deshalb auf der Flucht. Laut einem am Dienstag veröffentlichten UN-Bericht hat die extreme Gewalt weitere 53.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Sie sind in weniger als drei Wochen aus Haitis Hauptstadt Port-au-Prince geflüchtet.

Ländliche Gebiete überlastet

Mehr als 60 Prozent von den Flüchtlingen sind auf dem Weg in die ländlichen Regionen im Süden des Landes. Dort leben bereits 116.000 aus der Hauptstadt geflüchtete Haitianer. Dass immer mehr Menschen im Süden des Landes ankommen, beunruhigt die UN-Beamten.

Dem UN-Sprecher Stephane Dujarric zufolge überlastet die hohe Zahl der Einwanderer die örtliche Infrastruktur im Süden Haitis. Es seien nicht ausreichend Ressourcen vorhanden, um die große Zahl der Flüchtlinge zu bewältigen.

Straßenhändler flüchten von der Nähe des Nationalpalastes in Port-au-Prince, wo sie Brot verkauften.
Straßenhändler flüchten von der Nähe des Nationalpalastes in Port-au-Prince, wo sie Brot verkauften.Odelyn Joseph/Copyright 2024 The AP. All rights reserved

Mexikaner evakuiert

Unterdessen hat die mexikanische Regierung Duzende ihrer Staatsangehörigen aus Haiti evakuiert. Insgesamt haben 24 Männer und zehn Frauen mit Hilfe des meikanischen Außenministeriums und der Marine das Land verlassen, darunter befanden sich sieben Kinder. Aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage hatten sie nach Hilfe gebeten, um Haitis Hauptstadt Port-au-Prince verlassen zu können.

Eskalierung der Gewalt im Februar

In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince und deren Ballungsraum leben insgesamt rund vier Millionen Menschen. Ihre Abwanderung in die ländlichen Gebiete des Landes begann Ende Februar, nachdem mächtige Banden eine Reihe von Angriffen auf Regierungsinstitutionen verübt hatten. Bewaffnete Männer haben Polizeistationen niedergebrannt, das Feuer am weiterhin geschlossenen internationalen Flughafen eröffnet und die beiden größten Gefängnisse Haitis gestürmt. Dabei haben sie mehr als 4.000 Insassen freigelassen.

Haitianer versuchen verzweifelt, ihren Alltag wieder aufzunehmen, aber die Schießerei geht weiter, und auf dem Weg zum Markt gehört es zum Alltag, auf Leichen zu stoßen, die auf der Straße liegen. Ab und zu muss man auch den Kugeln ausweichen.

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