Gewalt und Chaos eskalieren in Haiti: UN plant Luftbrücke

Kinder stellen sich in einer Unterkunft für von Bandengewalt vertriebene Familien in Port-au-Prince, Haiti, am Donnerstag, dem 14. März 2024, an, um Essen zu erhalten.
Kinder stellen sich in einer Unterkunft für von Bandengewalt vertriebene Familien in Port-au-Prince, Haiti, am Donnerstag, dem 14. März 2024, an, um Essen zu erhalten. Copyright Odelyn Joseph/Copyright 2024 The AP. All rights reserved
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Von Johanna Urbancik mit AP
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Die Situation in Haiti bleibt äußerst besorgniserregend. Kriminelle Banden kontrollieren nun einen großen Teil der Hauptstadt und weitere Teile des Landes.

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Gewalt und Chaos eskalieren in Haiti. Schwer bewaffnete Banden versuchten am Montag, die Kontrolle über den wichtigsten internationalen Flughafen Haitis zu übernehmen. Dabei kam es zu Schusswechseln mit Polizei und Soldaten, was den jüngsten Angriff auf wichtige Regierungsstandorte darstellt. 

Diese Welle an Gewalt umfasst auch eine Massenflucht aus den beiden größten Gefängnissen des Landes, nachdem Banden Anfang des Monats einen Brand verursacht haben. Rund 3.800 Häftlinge sollen befreit worden sein in einem scheinbar koordinierten Versuch, Ministerpräsidenten Ariel Henry zu stürzen.

Henry tritt zurück

Henry hatte nach einem Notfalltreffen am Montag zugestimmt, zurückzutreten. An dem Treffen nahmen Parteien einschließlich der USA, der UN und Vertreter der Karibik teil, was zu einem Plan führte, dass Haitianer einen Übergangspräsidentschaftsrat bilden sollen, bis Wahlen abgehalten werden können.

Am Mittwoch gab der Bandenführer Jimmy "Barbecue" Cherizier an, weiterzukämpfen, obwohl Henry zugestimmt hatte, zurückzutreten, wie es die bewaffneten Gruppen gefordert hatten. "Wir werden den Kampf für die Befreiung Haitis fortsetzen", sagte der ehemalige Polizist dem kolumbianischen Radiosender W Radio.

Banden kontrollieren Teile der Hauptstadt und des Landes

Momentan kontrollieren Banden rund 80 % der Hauptstadt Port-au-Prince und weitere Teile des Landes. Nach Angaben von Al Jazeera gibt es etwa 200 bewaffnete Banden in Haiti, wovon etwa die Hälfte in Port-au-Prince tätig sind. 

Zwei Banden dominieren die Hauptstadt. Die erste, G9 Family and Allies oder einfach G9, wird von Jimmy "Barbecue" Cherizier geführt, einem ehemaligen haitianischen Polizisten unter UN- und US-Sanktionen. Die zweite ist GPep, geleitet von Gabriel Jean-Pierre, bekannt als Ti Gabriel. Beide Gruppen rivalisieren um die Kontrolle von Stadtteilen und sind für Massenmorde und sexuelle Gewalt bekannt.

UN plant Luftbrücke

Das UN-Büro in Haiti reagiert auf logistische Herausforderungen mit einer Luftbrücke zur Unterstützung von Ein- und Ausreisen sowie der humanitären Hilfe. Die Umsiedlung einiger Mitarbeiter und verstärkte Präsenz sind zudem Teil der Maßnahmen. Die Sicherheit des Personals hat höchste Priorität, während die Situation weiter überwacht wird, so die UN in einer Pressemitteilung.

Kenia plant, mindestens 1.000 Polizisten nach Haiti zu schicken

Kenia hat die Pläne, mindestens 1.000 Polizisten nach Haiti zu entsenden, aufgrund der Gewalt vorerst auf Eis gelegt. Das Land hatte letzten Oktober zugestimmt, eine von den Vereinten Nationen autorisierte internationale Polizeitruppe nach Haiti zu führen. Doch Haitis oberstes Gericht erklärte dies im Januar für verfassungswidrig, unter anderem wegen fehlender gegenseitiger Abkommen zwischen den Ländern. 

Trotzdem wurden am 1. März entsprechende Abkommen unterzeichnet. Der geplante Einsatz sollte der UN unterstützten multinationalen Polizei, angeführt von kenianischen Beamten, dabei helfen, die langjährige Bandengewalt in Haiti einzudämmen.

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