Wegen der Massenproteste rät das Auswärtige Amt von Reisen in den Iran ab. Deutsche Staatsbürger können bis dato nicht mit Hilfe der Botschaft in Teheran rechnen.
Derzeit hält sich eine mittlere dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger im Iran auf. Zahlreicheeuropäische Länder, neben Deutschland auch Italien, Polen und Spanien, haben ihre Staatsbürger aufgefordert, das Land zu verlassen.
Das Auswärtige Amt (AA) rät seit Dienstag dringend von Reisen in den Iran ab und fordert deutsche Staatsbürger, die sich bereits im Land aufhalten, zur Ausreise auf. Es besteht die Gefahr willkürlicher Festnahmen, und, so heißt es,die deutsche Botschaft kann derzeit nur eingeschränkte konsularische Hilfe vor Ort anbieten.
Unter normalen Umständen würde die Botschaft bei Bedarf den deutschen Staatsbürgern in verschiedenen Angelegenheiten helfen, wie etwa bei der Ausstellung von Reisepässen, der Unterstützung in Notfällen oder der rechtlichen Beratung. Aufgrund der aktuellen politischen und sicherheitsrelevanten Situation sind die deutschen Behörden jedoch stark eingeschränkt.
Konkrete Hilfe, wie etwa die Bereitstellung von Evakuierungsflügen oder die Unterstützung bei der schnellen Ausreise, ist nicht garantiert. Es wird stattdessen geraten, dass sich Deutsche, die sich im Iran aufhalten, über die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts (ELEFAND) registrieren und Notfallbenachrichtigungen zu aktivieren. Auch diejenigen, die den Iran bereits verlassen haben, sollten dies in der ELEFAND Liste vermerken, damit das AA über die tatsächliche Zahl deutscher Staatsbürger, die sich derzeit im Iran aufhalten, informiert bleibt.
In Notfällen wird empfohlen, die Notfallnummer der Botschaft zu kontaktieren. Dennoch ist die Situation volatil, und viele Dienstleistungen sind wegen der eingeschränkten Ressourcen und der Sicherheitslage nur begrenzt verfügbar.
AA: Keine Fotos machen, zurückhaltend verhalten
Das AA schließt eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage in der Region sowie zusätzliche militärische Konflikte nicht aus. "Die Situation in der gesamten Region bleibt instabil und hochgradig angespannt",heißt es auf der offiziellen Website.
Wer trotz der Reisewarnung im Iran bleibt, sollte sich besonders vorsichtig verhalten.
Es wird dringend empfohlen, Demonstrationen und andere Menschenansammlungen zu meiden.
Es ist nach Angaben des Auswärtigen Amts wichtig, stets den Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte zu folgen und sich kontinuierlich über die Entwicklungen in den Medien auf dem Laufenden zu halten. Das Fotografieren oder Filmen von durch Bomben, Raketen oder Drohnen beschädigten Gebäuden sollte vermieden werden, da dies zu Verhaftungen durch iranische Sicherheitskräfte führen kann. Zudem wird geraten, ausreichend Vorräte wie Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff und mobile Kommunikationsmittel zu Hause bereitzuhalten.
EU-Politiker Weber fordert: Botschaften als Schutzräume öffnen
Der Vorsitzende der Konservativen im EU-Parlament, der CSU-Vize Manfred Weber hat indes alle EU-Botschaften im Iran aufgefordert, ihre Türen umgehend für jene zu öffnen, die vor den Verfolgern des brutal agierenden Mullah-Regimes Schutz suchen.
Weber sagte der Bild: "Europa steht solidarisch an der Seite der Menschen im Iran. Die tödliche Gewalt des Mullah-Regimes gegen friedliche Demonstranten ist völlig unvertretbar. Die tapfere Opposition im Iran verdient unsere uneingeschränkte Unterstützung."
Warum wären Verfolgte in den EU-Botschaften relativ sicher? Das Gelände diplomatischer Vertretungen ist gemäß dem Völkerrecht unverletzlich und unterliegt daher nicht der Kontrolle der Sicherheitskräfte des Gastlandes. Diese Unverletzlichkeit schützt die Botschaften, weshalb zum Beispiel während der Flüchtlingswelle aus der DDR im Jahr 1989 Tausende von Ostdeutschen Zuflucht in der deutschen Botschaft in Prag suchten.
Iran schloss Luftraum über Stunden hinweg
Der Iran hat indes am frühen Donnerstag seinen Luftraum für kommerzielle Flüge für mehrere Stunden ohne Erklärung geschlossen, berichtet Associated Press (AP).
Die Sperrung dauerte laut Anweisungen für Piloten, die vom Iran ausgegeben wurden, über vier Stunden. Der Iran liegt an einer wichtigen Ost-West-Flugroute. Internationale Fluggesellschaften umflogen das Land nach Norden und Süden. Nach einer Verlängerung schien die Sperre jedoch abgelaufen zu sein, und mehrere Inlandsflüge waren kurz nach 7 Uhr in der Luft.
**"**Mehrere Fluggesellschaften haben bereits ihre Dienste reduziert oder ausgesetzt, und die meisten Fluggesellschaften vermeiden den iranischen Luftraum", heißt es auf der Website SafeAirspace, die Informationen über Konfliktgebiete und den Luftverkehr bereitstellt. "Die Situation könnte auf weitere sicherheits- oder militärische Aktivitäten hindeuten, einschließlich des Risikos von Raketenabschüssen oder erhöhter Luftverteidigung, was das Risiko der Fehlidentifikation von Zivilflugverkehr erhöht."
Zahl der bisherigen Toten unklar
Das iranische Regime hat inzwischen bestätigt, dass im Zuge des harten Vorgehens gegen die seit Ende Dezember 2025 andauernden Proteste im Iran bereits mehrere Tausend Menschen ums Leben gekommen sind. Ein iranischer Beamter spricht von etwa 2000 Toten, darunter auch Sicherheitskräfte. Menschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer inzwischen auf mehr als 6000. Rund 10.000 Menschen sollen bereits festgenommen worden sein.
Irans Justiz bezeichnet die Festgenommenen als "Randalierer" und wirft ihnen vor, "Krieg gegen Gott" zu führen – ein Vergehen, das nach islamischem Recht mit der Todesstrafe bestraft werden kann.
In Äußerungen gegenüber Journalisten sagte Trump, ihm sei mitgeteilt worden, dass die Pläne für Hinrichtungen im Iran gestoppt wurden, ohne viele Details zu nennen. Diese Wendung erfolgte einen Tag, nachdem Trump den Protestierenden im Iran versprochen hatte, dass "Hilfe unterwegs ist" und seine Regierung "entsprechend handeln" werde, um auf die tödliche Repression der Islamischen Republik zu reagieren.
Auch Irans Außenminister Abbas Araghchi versuchte, die Rhetorik abzuschwächen und rief die USA dazu auf, eine Lösung durch Verhandlungen zu finden.
Die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat indes ein schnelles Handeln gegen das iranische Regime gefordert, das "in den letzten Zügen" liegt. 2026 sei das Jahr, in dem Diktaturen enden. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte sie Euronews.