Elon Musk ist der reichste Mann der Welt, doch die Milliardäre weltweit nehmen zu. Und ihr Vermögen vermehrt sich immer rasanter, wie ein aktueller Oxfam-Bericht zeigt. Wie betrifft das die Demokratie?
Wer über mehrere Milliarden verfügt, macht im kommenden Jahr vermutlich so viel zusätzlichen Gewinn, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung derzeit besitzt. Außerdem haben Superreiche mehr politische Entscheidungsmacht und sitzen häufiger an den wichtigen Stellschrauben, die sie zu ihrem Vorteil nutzen können.
Diese Thesen entstammen dem neuesten Oxfam-Bericht, der im Vorlauf zum Weltwirtschaftsforum in Davos zeigt, dass die Reichen immer reicher werden - und das immer schneller.
Das Milliardärsvermögen erreiche damit einen historischen Rekordwert, titelt Oxfam. Mit einem Wachstum von rund 16 Prozent habe das Vermögen der Milliardäre 2025 dreimal so schnell zugenommen wie in den fünf Jahren davor.
Deutschland hat am viertmeisten Milliardäre weltweit
Die Zahl der Milliardäre in Deutschland ist 2025 um ein Drittel auf 172 gestiegen. Damit leben in Deutschland nach den USA, China und Indien am viertmeisten Milliardäre weltweit. Direkt danach folgt Russland.
Diese würden in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland verdienen. Das Median-Gehalt in Deutschland belief sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 52.159 Euro - die Hälfte der Deutschen verdient mehr, die andere Hälfte weniger.
Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardäre hingegen beläuft sich auf 840 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Jahr ist es inflationsbereinigt um 30 Prozent gestiegen, d.h. das Vermögen von Milliardären wächst drei mal so schnell wie in den Jahren davor.
Gegenüber stellt Oxfam, ein Verband aus verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die Zahl der Menschen in Armut. In Deutschland ist das rund ein Fünftel der Bevölkerung. Laut Statista erwirtschafteten Alleinlebende in Armut etwa 16.533 Euro im Jahr, zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren gelten mit einem Netto-Jahreseinkommen von 34.720 Euro an der Armutsgefährdungsschwelle.
Druck auf die Demokratie steigt
Die politische Macht von Superreichen setze nach Einschätzung von Oxfam die Demokratie zunehmend unter Druck. Superreiche würden mit ihren beispiellosen Ressourcen politische Macht sichern und die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen, heißt es in der Pressemitteilung.
Daher würden die Regeln von Wirtschaft und Gesellschaft zu ihrem eigenen Vorteil gestaltet. Die Organisation Oxfam sieht darin eine Gefahr für die Demokratie.
"Was uns besonders besorgt: Die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlägt sich immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhlt die Demokratie immer weiter aus", sagte Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland. Als Beispiel nennt sie die "reichenfreundliche Agenda" von Donald Trump. Diese würde die Ungleichheit mit weltweiten Folgen immer weiter anfachen.
Nach Berechnungen der Ungleichheitsstudie würde Elon Musk sogar in vier Sekunden so viel verdienen wie der Durchschnittsmensch im gesamten Jahr. Für Becker ist die Ära der Milliardäre "keine gute Nachricht für die Welt". Während sich Reichtum an der Spitze in noch nie dagewesenem Tempo konzentriere, kämpfe fast die Hälfte der Menschheit ums Überleben.
Auch der Paritätische Gesamtverband legte im Oktober 2025 einen Bericht vor, in dem er vor der ungleichen Vermögensverteilung warnte. "Diese soziale Spaltung ist Sprengstoff für unsere Demokratie", fasst Joachim Rock zusammen, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.
Wer sozial ungleich benachteiligt ist, der hat auch weniger politische Mitsprache, zeigt auch dieser Bericht. Die Ungleichheit münde in ungleicher politischer Teilhabe und würde so Demokratie und Zusammenhalt gefährden.
"Was fehlt, ist der politische Wille zu einer Umverteilung von oben nach unten", mahnt Rock. "Armut ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Der Bericht liefert die Daten – nun ist es Aufgabe der Politik, endlich entschlossen zu handeln."
Oxfam fordert Steuermaßnahmen
"Um die Demokratie zu schützen, muss die Bundesregierung endlich entschieden gegensteuern und eklatante Gerechtigkeitslücken schließen", erklärt auch Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.
"Während Durchschnittsverdienende ordentlich Steuern und Abgaben zahlen, tragen Milliardär*innen oft zu wenig zum Gemeinwohl bei. Das ist Gift für die Demokratie", sagt er weiter. Oxfam fordert die Bundesregierung auf, Superreiche mit einer Milliardärssteuer in die Pflicht zu nehmen.
Die Organisation erwartet mehr Investitionen in soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Demokratiestärkung - sowohl in Deutschland als auch weltweit.
Jährliches Klimabudget der Superreichen bereits erschöpft
Die Ungleichheit schlägt sich nicht nur in der Wirtschaft nieder. Bereits am 10. Januar haben Superreiche ihr CO2-Budget für das gesamte Jahr verbraucht, wie eine andere Untersuchung von Oxfam zeigte. Denn sie tragen in außerordentlichem Maße zum Klimawandel bei - durch Luxusjachten und Privatjets.
Die Superreichen seien insgesamt für mehr als doppelt so viel Treibhausgas-Emissionen verantwortlich wie die ärmere Hälfte der Menschheit, erklärte die Organisation. Die reichsten ein Prozent müssten ihre Emissionen bis 2030 um 97 Prozent senken, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen.
"Die Reichen und Superreichen müssen viel stärker für den globalen Klimaschutz in die Pflicht genommen werden. Über Steuern auf Vermögen und exzessiven Konsum könnten die Reichen und Superreichen angemessener zum Gemeinwohl beitragen, inklusive zur Finanzierung einer sozialverträglichen globalen Energiewende", fordert auch Jan Kowalzig, Referent für Klimapolitik bei Oxfam Deutschland.