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München: Tusk warnt vor einem Europa, das seine Werte verramscht

Donald Tusk hielt eine Laudatio auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Donald Tusk hielt eine Laudatio auf der Münchner Sicherheitskonferenz Copyright  Sven Hoppe
Copyright  Sven Hoppe
Von Jan Bolanowski
Zuerst veröffentlicht am
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Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz eindringlich vor einem Politikstil gewarnt, der Werte gegen Deals eintauscht. In seiner Laudatio auf das ukrainische Volk machte er klar: Europas Einheit und die Freiheit der Ukraine stehen auf dem Spiel.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Polens Ministerpräsident Donald Tusk eine feierliche Laudatio zur Verleihung des Ewald-von-Kleist-Preises an das ukrainische Volk gehalten. Ausgezeichnet wurde es für seine Verteidigung von Souveränität und Freiheit angesichts der russischen Invasion.

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Der polnische Regierungschef unterstrich die Bedeutung der Ehrung und sagte:

"Es gibt keine Auszeichnung, die gut genug ist. Selbst der Nobelpreis wäre nicht gut genug. Ich bin der festen Überzeugung, dass Sie mehr verdient haben."

Tusk bezeichnete die Ukraine als Beispiel für Mut und Entschlossenheit. Er würdigte die Tapferkeit der Verteidiger ebenso wie das Leid der Zivilbevölkerung:

"Das ukrainische Volk verdient den höchsten Respekt der gesamten freien Welt ... für seine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit angesichts des unmenschlichen Leidens der Zivilbevölkerung."

Tusk weist Zweifel an NATO und Westen zurück

Ein zentraler Punkt seiner Rede war die klare Zurückweisung von Behauptungen über einen angeblichen Zusammenbruch des Westens oder der NATO. Tusk wandte sich entschieden gegen Stimmen, die das Bündnis für überholt erklären:

"Ich höre Meinungen, dass Europa am Rande des Zusammenbruchs steht, dass die NATO obsolet ist... Das ist Unsinn."

Zugleich warnte der Ministerspräsident vor einem politischen Realismus, der sich allein an Interessen und Deals orientiert. Eine solche Haltung, so Tusk, untergrabe die Grundlagen der Zivilisation:

"Diejenigen, die denken, dass alles käuflich ist, sollten sich auch daran erinnern, dass nach dieser Philosophie jeder verkauft werden kann."

Es lebe ein starkes und geeintes Europa

In seiner Rede verwies Tusk auf die Erfahrungen Polens und der Ukraine als Beleg dafür, dass westliche Werte – Freiheit, Demokratie, Menschenrechte – mehr sind als abstrakte Prinzipien. Sie hätten eine konkrete Bedeutung und könnten Gesellschaften mobilisieren:

"Was für den Westen zu einer langweiligen Alltagsrealität geworden ist - Rechte und Freiheiten, Verfassungen und Demokratien ... dass SIE bereit sind, dafür zu kämpfen."

Tusk betonte, ein geeinter Westen mit seinen Werten und Institutionen sei "die beste politische Erfindung in der Geschichte der Menschheit". Diese Ordnung dürfe nicht zerstört werden – weder von außen noch von innen.

"Wir müssen stark sein. Wir dürfen nicht aufhören, gut zu sein. Dies ist eine ukrainische Lektion für uns alle. Lang lebe eine freie und unabhängige Ukraine. Lang lebe ein starkes und geeintes Europa", schloss Tusk.

Die Münchner Sicherheitskonferenz zählt zu den wichtigsten internationalen Treffen von Staats- und Regierungschefs sowie Sicherheitsexperten. Im Jahr 2026 steht die Veranstaltung im Zeichen der Herausforderungen für die regelbasierte Ordnung und wachsender geopolitischer Spannungen – ein Thema, das sich auch in den Reden der deutschen Bundeskanzlerin und weiterer Spitzenpolitiker in München widerspiegelte.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der den Preis gemeinsam mit Vertretern des ukrainischen Volkes entgegennahm, betonte die Bedeutung verlässlicher Unterstützung durch Verbündete. Zugleich bekräftigte er den Anspruch, Freiheit und territoriale Integrität des Landes weiter zu verteidigen.

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