Drei Tage lang wird Nürnberg zum Mittelpunkt der Rüstungs- und Sicherheitsbranche - unter Schirmherrschaft des Bundeskanzlers Friedrich Merz. Neue Panzer, Abwehrsysteme und Drohnen werden vorgestellt, rund 20.000 Fachbesucher erwartet.
Rund 1.200 Aussteller sind dabei auf der Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung: Die Enforce Tac in Nürnberg hat am Montag begonnen und erwartet bis zum Ende am Mittwoch etwa 20.000 Fachbesucher.
Die Enforce Tac beschreibt sich selbst als "Zukunftslabor für Europas Sicherheit und zentralen Innovationstreiber der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsbranche. Vertreten sind Größen wie Rheinmetall und Diehl, aber auch viele Startups wie etwa Quantum Systems.
Schirmherr der Messe ist Bundeskanzler Friedrich Merz selbst. "Zeitpunkt und Leitmotiv der Messe, 'Vernetzte Sicherheit', könnten treffender nicht sein", sagte der Kanzler in seinem Grußwort. Denn am 24. Februar jährt sich der großangelegte Angriffskriegs Russlands in der Ukraine zum vierten Mal.
Merz: "Sicherheit unmittelbar bedroht"
"Das erste Mal seit Jahrzehnten ist unsere Sicherheit wieder unmittelbar bedroht", ruft Merz in seinem Grußwort ins Gedächtnis. Neben der Ukraine sehe der Kanzler "auch Deutschland im Fadenkreuz hybrider Operationen und Cyberattacken" durch Russland. Gezielte Angriffe auf Infrastruktur und Unternehmen nähmen zu und würden Souveränität, Freiheit und Wohlstand bedrohen.
Für die Bundesregierung gehe es bei der Verteidigung lediglich um den Grundsatz: "Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen", stellte der Kanzler klar. Nur so könne Abschreckung durch Stärke erreicht werden - ein laut Merz' "zeitgemäßer" Grundsatz.
Der "ganzheitlichen und integrierten Sicherheitsansatz" sei auch Kernprogramm der Messe in Nürnberg. Hier würden Behörden, Streitkräfte, Politik, Wissenschaft und Industrie zusammenkommen.
Die Bundesregierung reformiert seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine im Jahr 2022 die Sicherheitsarchitektur Deutschlands. Im Jahr 2024 hat Deutschland nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) 90,6 Milliarden Euro ausgegeben, so viel wie kein anderes EU-Land. Darauf folgen Frankreich und Italien, insgesamt haben die EU-Staaten 343,2 Milliarden Euro für Verteidigung ausgegeben.
Auch Projekte wie die Brigade Litauen oder die Multinational Battle Group im Baltikum sollen beweisen, dass Europa gegen die russische Bedrohung zusammensteht und das Deutschland eine Führungsrolle innerhalb der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsstrategie einnehme.
Beim Thema Sicherheit geht es inzwischen nicht mehr nur um militärische Stärke, sondern auch um den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Verteidigung gegenüber hybriden Angriffen.
Drohnen, Waffen, Roboter, Panzer
Nicht mehr nur Pistolen und beispielsweise Nachtsichtgeräte für Polizei und Spezialeinheiten werden präsentiert, inzwischen werden auch Drohnen, unbemannte kleine Panzer sowie größere Fahrzeuge vorgeführt.
Arx Robotics aus München präsentiert dabei die neueste Variante seines Fahrzeugs Gereon, ausgestattet mit dem Panzerabwehrsystem Enforcer von MBDA Deutschland. Die Systeme von Arx Robotics kommen auch bei der Bundeswehr zur Drohnenabwehr in Einsatz. Nach eigenen Angaben sind sie der wichtigste westliche Lieferant der Ukraine für unbemannte Landsysteme.
Gezeigt wird auch schweres Militärgerät. Der Rüstungskonzern Rheinmetall kündigt auf seiner Webseite unter anderem an, in Nürnberg einen neuen Raketenpanzer zu präsentieren: Erstmals werde in Deutschland der "Fuchs JAGM" auf einer Fachmesse zu sehen sein.
Dieser muss zwischen mehreren Bedrohungen nicht mehr nachladen und kann so nach Unternehmensangeben bis zu 24 Panzer oder Luftziele hintereinanderweg bekämpfen. Viele der Geräte werden an ihrer Fähigkeit zur Zerstörung gemessen - Panzer, Drohnen und Waffen sollen im Verteidigungsfall töten können.
Unter dem Leitmotiv "Vernetzte Sicherheit" will die Messe jedoch auch die Verzahnung staatlicher, militärischer und industrieller Strukturen in den Mittelpunkt stellen. Sicherheit werde als Zusammenspiel von Verteidigung, innerer Sicherheit, Cyberfähigkeit, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und technologischer Souveränität betrachtet.
Insbesondere Start-Ups bekommen in Nürnberg eine Bühne. Die Universität der Bundeswehr München präsentiert beispielsweise den Palladion Defence Accelerator. Das System soll den technologischen Vorsprung der Bundeswehr halten und ausbauen.
Aber auch Themen wie KI-gestützte Gefechtsunterstützung (sogenanntes "GhostPlay"), Desinformationsanalyse oder auch quantensichere Kommunikation sollen Wissenschaft in die Verteidigung hineinbringen. Auf der Messe können sie Förderer, Investoren und zukünftige Partner finden.
Deutschland als "Drehscheibe der NATO"
Die Strategie des Gastgeber-Landes wurde im sogenannten Operationsplan Deutschland vorgestellt. Er führt nach Angaben der Bundeswehr zentrale militärische Bestandteile der Landes- und Bündnisverteidigung mit den notwendigen zivilen Unterstützungsleistungen zusammen.
Das rund 1.400 Seiten lange Dokument ist im Detail geheim. Die erste Fassung wurde Anfang 2024 vorgelegt, eine zweite wird für Mitte 2026 erwartet. Zugriff und Entscheidungsmacht hat das Operative Führungskommando der Bundeswehr in Berlin und Schwielowsee. Auch Bundesinnenmisterium und Landesinnenministerien haben an dem Plan mitgearbeitet.
Im Operationsplan ist auch Deutschlands Rolle als "Drehscheibe der NATO" festgelegt, ausgehend von der geostrategischen Lage in der Mitte Europas. Im Ernstfall sollen etwa 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Fahrzeuge das Land binnen sechs Monaten durchkreuzen können.
Dabei betont die Bundeswehr jedoch selbst, dass der Operationsplan Deutschland nicht "der Vorbereitung, sondern der Verhinderung einer möglichen, gegnerischen Aggression" gelte. Es sei kein Kriegs-, sondern ein Kriegsverhinderungsplan, heißt es auf der Webseite der Bundeswehr.
In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Besucher als auch der Aussteller der Enforce Tac bedeutend gewachsen. Allein im Vergleich zum Vorjahr ist die Branchenschau der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie noch einmal um rund 30 Prozent angestiegen.
Die Messe dauert noch bis 25. Februar an und ist nur für Fachbesucher zugänglich. Damit soll sie einen geschützten Raum zum Austausch für Innovatoren und Investoren bieten. Besucher aus Ländern mit EU- oder deutschen Waffenembargos – darunter Russland, Belarus, Iran, Nordkorea und China - dürfen nach Angabe der Messe-Verantwortlichen nicht teilnehmen.