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Schockierende Zahlen: Jeder fünfte junge Deutsche will auswandern

Wenn weder Arbeits- noch Wohnungsmarkt offen stehen, ist eine weitere Alternative, sich anderswo niederzulassen.
Wenn weder Arbeits- noch Wohnungsmarkt offen stehen, ist eine weitere Alternative, sich anderswo niederzulassen. Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Keine Zukunft in Deutschland? Jobs, Wohnungen, Finanzen - vom Ausland erhoffen sich 20% der jungen Deutschen bessere Lebensbedingungen. Langfristig betrachtet interessiert das Auswandern sogar 41% der 14- bis 29Jährigen Deutschen, so eine aktuelle Studie.

Die Lage der jungen Menschen in Deutschland ist alles andere als gut, wie die Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026" zeigt. "Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen" sagt Autor Kilian Hampel, Universität Konstanz. Im Ausland erhoffen sich die jungen Deutschen bessere Lebensbedingungen.

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Langfristig betrachtet interessiert das Auswandern sogar 41 Prozent der Befragten in der Studie, sie sind zwischen 14 und 29 Jahre alt. "Die Studie unterstreicht, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen", so Hampel.

23 Prozent der jungen Deutschen haben Schulden

Denn in all diesen Aspekten ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, Fuß zu fassen. Insbesondere die Perspektiven für die Arbeitswelt lassen für junge Menschen zu wünschen übrig. Die seit über zwei Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft schlägt sich auch in den Jobchancen für Berufseinsteiger nieder.

Im Dezember meldete die Agentur für Arbeit mehr arbeitslose Akademiker. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Quote um 25 Prozent höher. Eine fundierte Ausbildung ist somit kein Garant mehr für den Einstieg in die Arbeitswelt.

Unter anderem aufgrund dieser wirtschaftlichen Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von künstlicher Intelligenz (KI)bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen schlechter als zuvor, stellt die Trendstudie weiter fest. Zusätzlich ist der Anteil der jungen Menschen, die Schulden haben, mit 23 Prozent auf einem neuen Höchststand. Eine sichere finanzielle Ausgangslage fehlt so etwa einen Viertel der jungen Menschen in Deutschland.

So psychisch belastet wie noch nie

Die Unsicherheiten im Berufsleben und hohe Belastungen beim Thema Wohnen wirken für viele überfordernd, wie die Studie belegt. "Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit", betont Studienleiter Simon Schnetzer.

Der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, erreicht zudem mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. Besonders betroffen von der psychischen Belastung sind demnach Frauen mit 34 Prozent und Studierende mit 32 Prozent. 42 Prozent der jungen Deutschen, die keinen Job haben, stützen sich ebenso auf psychologische Hilfsangebote.

Gleichzeitig müssen die gesetzlichen Krankenkassen aufgrund der wirtschaftlichen Lage sparen und setzen auch bei Psychotherapeuten an. Anfang März hat der Erweiterte Bewertungsausschuss der Krankenkassen eine Kürzung der Honorare um 4,5 Prozent beschlossen. Für viele praktizierende Psychotherapeuten sei das "ein völlig falsches Signal", wie die Psychotherapeutenkammer Berlin kommentiert. Der Bedarf an Psychotherapie wachse seit Jahren kontinuierlich.

Die Krankenkassen begründen den Schritt damit, dass das Honorar von Psychotherapeuten in den vergangenen Jahren überproportional zu anderen Berufsgruppen gestiegen sei, konkret seit 2013 um durchschnittlich 52 Prozent. Das liegt deutlich über dem Anstieg anderer ärztlicher Fachgruppen (etwa 33 Prozent) und soll somit ausgeglichen werden.

Das Aktionsbündnis Psychotherapie plant mehrere Demonstrationen, unter anderem direkt vor dem Gesundheitsministerium. Auch eine Petition an den Bundestag sei derzeit in der Vorbereitung.

Junge Menschen wünschen sich Stabilität

Der seit Jahren anhaltende Krisenmodus scheint sich indes mit dem Iran-Krieg der USA und Israel weiter zu verschärfen. Die Lebensrealität deutscher junger Menschen ist seit Jahren geprägt von Inflation und steigenden Wohnkosten.

Auffällig ist nach Ermessen der Studie auch, dass rund 60 Prozent der jungen Menschen eine suchtähnliche Smartphone-Nutzung aufweisen. Viele wenden sich mit persönlichen Ergebnissen teilweise auch an KI-gestützte Beratungsangebote. Letztendlich wird insbesondere der Wunsch nach Stabilität größer.

Denn die Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt, werden der Studie zufolge größer. Und das, obwohl die große Mehrheit demnach bereit sei, zu arbeiten und auch Verantwortung zu übernehmen. Folglich geht es auch darum, dass junge Menschen sich von den Mehrheitsparteien kaum mehr angesprochen, geschweige denn beteiligt fühlen.

Es findet hingegen eine Verschiebung zu den politischen Rändern statt. Beliebteste Partei ist derzeit laut der Sonntagsumfrage die Linke unter jungen Wählern. Doch insbesondere zwischen den Geschlechtern bleibt eine große Lücke. Während junge Frauen mehrheitlich für die Linke stimmen, stimmen junge Männer zunehmend der AfD zu.

"Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann", erklärt Studienautorin Nina Kolleck von der Universität Potsdam.

Im Jahr 2024 haben sich die meisten Deutschen unabhängig vom Alter in der Schweiz niedergelassen, dort gab es rund 324.000 Deutsche. Darauf folgen rund 233.000 Deutsche in Österreich, 128.000 in Spanien und 91.000 in Frankreich.

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