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Klimakrise und Tonböden: sind zwölf Millionen Häuser in Frankreich gefährdet?

Setzungsrisse im Haus durch quellenden und schrumpfenden Tonboden
Setzungsrisse in einem Haus durch das Quellen und Schwinden von Tonboden Copyright  BRGM - P.Burchi
Copyright  BRGM - P.Burchi
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Mehr als die Hälfte der Einfamilienhäuser in Frankreich gilt wegen steigender Temperaturen als gefährdet, die Regierung startet Gegenmaßnahmen.

Rohrbrüche, verzogene Türen und Fenster, breite Risse in der Hauswand.

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Mit solchen Schäden müssen mehr als zwölf Millionen Gebäude in Frankreich rechnen, denn Treibhausgase heizen den Planeten weiter auf und verstärken Extremwetter-Ereignisse.

Der menschengemachte Klimawandel verstärkt ein Phänomen namens Schrumpfen und Quellen von Tonböden, in Frankreich als RGA (Retrait-Gonflement des Argiles) bekannt. Es kann bei freistehenden Einfamilienhäusern schwere Bauschäden auslösen.

Die französische Regierung geht davon aus, dass inzwischen mehr als die Hälfte des Festlands einem mittleren oder hohen RGA-Risiko ausgesetzt ist. Besonders betroffen sind Häuser aus Betonsteinen, die seit den siebziger Jahren gebaut wurden.

Frankreichs Häuser: Warum sie schrumpfen und sich ausdehnen

In Trockenzeiten verlieren tonige Böden Feuchtigkeit und ziehen sich zusammen. Damit geraten Hausfundamente unter Druck und können absacken. Setzt danach Starkregen ein, quillt der Ton wieder auf und saugt überschüssiges Wasser auf.

Solche Wechsel von sehr trockenen und sehr nassen Phasen wiederholen sich über Jahre. Nach und nach schwächen sie den Untergrund und die Fundamente. Schlechte Entwässerung und Baumwurzeln, die zu nah an Gebäuden liegen, verschärfen das Problem zusätzlich.

„Dieses Phänomen betrifft vierundfünfzig Prozent der Einfamilienhäuser in Frankreich“, erklärt ein Sprecher des Ministeriums für den ökologischen Wandel gegenüber Euronews Earth.

„Im Schnitt verursacht das Schrumpfen und Quellen von Tonböden jedes Jahr Entschädigungszahlungen von rund einer Milliarde Euro aus dem Naturkatastrophen-Regelwerk.“

Die jüngste Karte der Regierung zeigt folgende Départements als besonders gefährdet: Allier, Alpes-de-Haute-Provence, Dordogne, Gers, Indre, Lot-et-Garonne, Meurthe-et-Moselle, Nord, Puy-de-Dôme, Tarn und Tarn-et-Garonne. In diesen Regionen gelten rund drei Millionen Häuser als „Hochrisiko“.

Klimawandel: Macht er die Lage noch gefährlicher?

Die Erderwärmung verschärft das Problem. Höhere Temperaturen lassen Hitzewellen und Überschwemmungen häufiger und intensiver auftreten.

Mit jedem Grad zusätzlicher Lufttemperatur kann die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit speichern. Das begünstigt heftigere und ergiebigere Regenfälle.

Im vergangenen Jahr litt Frankreich unter extremer Hitze, große Teile des Landes rutschten in eine Dürre. Eine intensive Hitzewelle im August trieb die Temperaturen auf bis zu 43,4 Grad und trug dazu bei, dass der Sommer 2025 der drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen wurde.

Forschende am Imperial College London und an der London School of Hygiene and Tropical Medicine schätzen, dass der Klimawandel für achtundsechzig Prozent der rund 24.400 Hitzetodesfälle im Sommer 2025 verantwortlich war. Der Temperaturanstieg lag bei bis zu 3,6 Grad. In Frankreich starben 1.444 Menschen an den Folgen der Hitze.

Zu Beginn dieses Jahres erlebte Frankreich seine bislang längste Serie ununterbrochener Regenfälle: vom 14. Januar bis zum 22. Februar. Die starken Niederschläge lösten im Westen des Landes schwere Überschwemmungen aus, rund 4.000 Menschen mussten in Notunterkünfte ausweichen.

Mitte Februar begannen in mehreren Regionen Evakuierungen. Die Behörden meldeten dort Schäden an Hunderten Häusern und Gebäuden.

Der britische Wetterdienst Met Office warnt, dass 2026 erneut ein Jahr werden dürfte, in dem die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Durch den vom Klimawandel angeheizten Extremwetter drohen Frankreich wiederholte Phasen extremer Trockenheit und Nässe, die die Bausubstanz vieler Häuser angreifen.

Um gegenzusteuern, testet die Regierung derzeit den Fonds Prévention Argile. Er soll Gefährdungsanalysen finanzieren und sicherstellen, dass vorbeugende Arbeiten an Häusern auf Tonboden erfolgen, bevor Schäden eintreten.

Wer sich wegen Tonboden-Schrumpfung sorgt, kann hier (Quelle auf Englisch) prüfen, ob Anspruch auf finanzielle Unterstützung besteht.

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