Europa erwärmt sich weltweit am schnellsten. Forschende warnen vor wachsender Klimagefahr und drängen auf weniger Emissionen und mehr Schutzmaßnahmen.
Hauptstädte in Nord- und Osteuropa gelten laut einer der größten Datenbanken zur Klimaanpassung als widerstandsfähiger gegen extreme Folgen des Klimawandels als andere Städte in Europa.
Europa ist der am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde. Das begünstigt immer extremere Wetterereignisse wie tödliche Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen.
Laut einem Bericht des Copernicus Climate Change Service (C3S) herrschten im vergangenen Jahr auf mindestens 95 Prozent der Landfläche Europas milde Bedingungen und überdurchschnittliche Temperaturen.
Die Europäische Union betont, der Bericht unterstreiche die Dringlichkeit, die Treibhausgasemissionen des Blocks auf Netto-null zu senken und seine Widerstandskraft gegen Klimafolgen zu stärken.
Klimaresiliente Hauptstädte Europas: aktuelles Ranking
Ein neuer Index der polnisch geführten Initiative COOLCITY (Quelle auf Englisch) hat mehr als 11 000 europäische Stadtgebiete ausgewertet. Er zeigt, welche Orte physisch am besten mit den Herausforderungen der Erderhitzung zurechtkommen.
Federführend ist MGGP Aero, ein auf Luftvermessung und Fernerkundung spezialisiertes Unternehmen. Der COOLCITY Index (CCI) kombiniert Satellitendaten, Laserscans aus der Luft und künstliche Intelligenz, um Stadtlandschaften zu analysieren.
Der CCI betrachtet natürliche und gebaute Strukturen, die Städte gegen Hitze, Überschwemmungen und Dürre abschirmen. Er bewertet jede Stadt auf einer Skala von null bis 10 anhand von fünf zentralen Anpassungsbereichen: Bodenversickerung, Zustand der Vegetation, Biodiversität, Wasserhaushalt und thermische Bedingungen.
Unter den europäischen Hauptstädten liegt Stockholm in Schweden mit einem CCI-Wert von 6,7 an der Spitze. Das ist ein Plus von null Komma drei Punkten gegenüber dem Vorjahr und verdrängt Vilnius in Litauen von Platz eins.
Das sind die zehn klimaresilientesten Hauptstädte Europas und ihre Bewertungen:
- Stockholm, Schweden: 6,7
- Vilnius, Litauen: 6,4
- Riga, Lettland: 6,3
- Tallinn, Estland: 5,9
- Helsinki, Finnland: 5,8
- Zagreb, Kroatien: 5,8
- Bratislava, Slowakei: 5,7
- Warschau, Polen: 5,7
- Berlin, Deutschland: 5,6
- Prag, Tschechien: 5,5
Stockholm an der Spitze: Darum gilt die Stadt als klimaresilienteste Hauptstadt Europas
Stockholm erzielt beim Kriterium Bodenversickerung hohe Werte: 8,4 von 10 Punkten. Viel Regenwasser kann dort im Boden versickern, statt sofort Überschwemmungen auszulösen.
Die geografische Lage spielt eine große Rolle: Stockholm ist von Wäldern und Naturschutzgebieten umgeben. Die Stadt investiert aber auch, um diesen Vorteil zu sichern. Seit sie im Jahr 2001 erstmals eine Art städtische Baumbeauftragte oder Baumbeauftragten einsetzte, gedeihen die Stadtbäume deutlich besser. Möglich machen das die sogenannten „Stockholm tree pits“ – spezielle Baumgruben, die unter gepflasterten Flächen waldähnliche Bodenbedingungen schaffen. Sie versorgen die Wurzeln mit Nährstoffen und nehmen gleichzeitig Regenwasser auf.
Wenig überraschend schneidet Stockholm auch beim Zustand der Vegetation gut ab und erreicht 6,2 Punkte. Dieser Wert beschreibt, wie gesund und dicht Bäume und Grünflächen sind, die Städte kühlen und Wasser aufnehmen.
Hinzu kommt der besondere Aufbau der Stadt aus vierzehn Inseln, an denen der Süßwassersee Mälaren in die Ostsee übergeht. Dadurch schneidet Stockholm auch bei den thermischen Bedingungen gut ab und erreicht 6,7 Punkte. Viele Stadtoberflächen verfügen dort über natürliche Kühlmechanismen.
Das dichte Netz an Wasserwegen beschert Stockholm zudem einen guten Wert von 6,4 Punkten beim Kriterium Wasserhaushalt. Es spiegelt den Zustand und die Verfügbarkeit der Gewässer wider. Bei der Biodiversität kommt die Stadt auf 5,6 Punkte.