Die UN-Klimakonferenz hat zwar manche Zusage verwässert, doch sie sendet vor COP31 dennoch einige vorsichtige Hoffnungszeichen.
Die Bonner Klimakonferenz (SB64) ist heute, am 18. Juni, zu Ende gegangen. Sie legt die Grundlage für die COP31 im November in Türkiye.
Die Treffen bieten den Regierungen, die die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) unterzeichnet haben, ein zentrales Forum. Dort vereinbaren sie politische Maßnahmen zum Klimaschutz, setzen Ziele, entwerfen Abkommen und überprüfen, wie weit sie mit bestehenden Zusagen gekommen sind.
Zum Abschluss der Verhandlungen am Donnerstag sagte der Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell: „Es gibt nach wie vor große Gräben und viel Arbeit für die Zeit zwischen den Konferenzen. Aber wir haben gesehen, dass die Staaten die Schlüsselthemen ernsthaft angehen und entschlossen nach Lösungen suchen.“
Globales Elektrifizierungsziel: Hilft es beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen?
Die letztjährige COP30 in Brasilien musste sich Kritik anhören. Das Abschlusspapier blieb vage und legte keinen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern fest.
Abseits der formellen Gespräche in Bonn tauchte jedoch eine neue Idee auf, die die laufende Arbeit an nationalen Ausstiegsplänen ergänzen könnte. Türkiye, das gemeinsam mit Australien die COP31 ausrichtet, schlug ein globales Ziel für Elektrifizierung vor. Demnach soll der Anteil des Endenergieverbrauchs, der durch Strom gedeckt wird, von derzeit etwas mehr als 20 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2035 steigen.
Das Climate Action Network (CAN) Europe reagierte vorsichtig positiv auf den Vorschlag. Das Ziel müsse jedoch auf erneuerbaren Energien und Effizienzgewinnen beruhen, „nicht auf der Verlängerung der Nutzung fossiler Brennstoffe durch neue Infrastruktur oder Scheinlösungen“, so Özlem Katısöz, Klimaexpertin von CAN Europe für Türkiye.
Stiell bestätigte, dass die COP31-Präsidentschaft die Bonner Gespräche genutzt hat, um im Rahmen ihrer umfassenden „Action Agenda“ neue Ziele zu verkünden – unter anderem für Elektrifizierung, widerstandsfähige Städte, Effizienz und Abfallwirtschaft. Diese Agenda laufe parallel zu den formellen Verhandlungen und sei genauso wichtig, betonte er.
Vor dem Hintergrund der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs richten sich nun alle Blicke auf die COP. Dort soll es nicht nur um die Klimarisiken fossiler Energieträger gehen, sondern auch um ihre wirtschaftlichen und nationale Sicherheitsrisiken.
Gerechter Übergang als Schlüssel für wirksamen Klimaschutz
Ein weiterer Hoffnungsfunken: Beim sogenannten „Just Transition“-Thema gab es deutlich Fortschritte.
Es geht darum, die Vorteile des Abschieds von fossilen Energieträgern gerecht zu verteilen. Die Kosten sollen nicht vor allem jene treffen, deren Beschäftigte, Gemeinden und Länder am wenigsten gerüstet sind, sie zu tragen.
Die Verhandler machten Fortschritte bei der Umsetzung des Belém-Antalya-Mechanismus (BAM). Dieser Rahmen soll Ländern helfen, Grundsätze einer gerechten Transformation in ihre nationalen Klimapläne zu integrieren – von der Umschulung von Beschäftigten über wirtschaftliche Diversifizierung bis hin zur praktischen Ausgestaltung von Klimafinanzierung vor Ort. BAM gilt als einer der erwarteten großen Beschlüsse auf der COP31 im November.
„Bonn hat gezeigt: Eine Just Transition ist kein Randthema. Sie entscheidet darüber, ob Klimaschutz schnell und im nötigen Umfang gelingt, ohne dass jemand zurückbleibt“, sagt James Trinder, Koordinator für internationale Klimapolitik bei CAN Europe.
Er fordert die EU auf, bei der COP31 einen starken Mechanismus für eine Just Transition mit auf den Weg zu bringen. Es gehe nicht um einen neuen Klimafonds, sondern darum, dass bestehende Finanzmittel dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Stillstand bei Verhandlungen über Klimaanpassungsfinanzierung
Die Gespräche über die auf der COP30 vereinbarte Verdreifachung der internationalen Finanzmittel für Klimaanpassung sind in Bonn dagegen ins Stocken geraten. Das erhöht das Risiko, dass ungelöste politische Konflikte in die COP31 hineintragen.
Nach Einschätzung von CAN Europe hat die Abwesenheit der USA aus den Verhandlungsräumen offenbar andere wohlhabende Staaten ermutigt, ihre eigenen finanziellen Zusagen zurückzufahren.
„Klimafinanzierung ist keine freiwillige Geste des guten Willens. Sie bildet die Grundlage der globalen Klimazusammenarbeit“, sagt Sven Harmeling, Leiter des Bereichs Klima bei CAN Europe. „Kürzungen bei Klima- und Entwicklungsgeldern, wie wir sie in einigen EU-Mitgliedstaaten sehen, senden genau das falsche Signal.“
Stiell warnte ebenfalls vor einem Rückfall hinter bereits gegebene Zusagen. „Alle Vertragsstaaten müssen bereit sein, unsere bestehenden globalen Verpflichtungen zu bekräftigen, ohne sich selektiv jene herauszupicken, die ihnen im Moment taktisch passen“, sagte er. Er verwies ausdrücklich auf Zusagen zu Schäden und Verluste, Klimafinanzierung und die Verdreifachung der Anpassungsmittel.
Er mahnte die Regierungen zudem, nicht auf die nächste formelle Verhandlungsrunde zu warten, um gemeinsame Positionen zu finden. „Ich bitte Sie, Ihre Ministerinnen und Minister so früh wie möglich in den kommenden Wochen und Monaten einzubinden“, sagte er, „vor allem bei den schwierigsten Themen.“