Eine neue große Studie zeigt: In Teilen Europas gibt es heute bis zu 40 zusätzliche Tage mit starker Hitzebelastung im Vergleich zu den 1970er-Jahren.
Die Welt kämpft mit einem starken Anstieg gefährlicher Hitzebelastung. Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen heizt den Planeten weiter auf.
Nach Angaben des Copernicus-Klimadienstes der EU (C3S) sind die Temperaturen in Europa seit vorindustrieller Zeit um schätzungsweise 2,5 °C gestiegen, trotz aller Bemühungen gegen die Erderwärmung. Europa ist damit der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde.
Forschende betrachten inzwischen nicht mehr nur die gemessene Lufttemperatur. Sie untersuchen auch sogenannte gefühlte Temperaturen, um die Auswirkungen der Hitze auf Menschen besser zu verstehen.
Gefühlte Temperaturen beschreiben, wie warm oder kalt sich das Wetter auf unbedeckter Haut anfühlt. Anders als die Lufttemperatur, die meist in Wetterberichten steht, berücksichtigen sie Umweltfaktoren wie Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und das Wissen darüber, wie der menschliche Körper Wärme verliert.
Eine neue Studie im Fachjournal „Nature“ warnt, dass extreme gefühlte Temperaturen, Tage mit hoher Hitzebelastung und tropische Nächte – wenn die Temperatur innerhalb von vierundzwanzig Stunden nicht unter 20 °C sinkt – inzwischen deutlich häufiger auftreten.
Selbst Regionen, die bisher kaum Hitzestress kannten, sind nun betroffen.
Was bedeutet Hitzestress?
Hitzestress bezeichnet die Ansammlung von Körperwärme, die entweder durch Muskelarbeit im Inneren oder durch die Umgebung entsteht. Er tritt auf, wenn der Körper mehr Wärme aus der Umgebung aufnimmt, als er wieder abgeben kann.
„Hitzestress entsteht in der Regel durch eine Kombination von Faktoren wie hohe Umgebungstemperaturen, Luftfeuchtigkeit, körperliche Anstrengung und eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr“, erklärt der C3S (Quelle auf Englisch).
„Verschiedene Faktoren beeinflussen die Fähigkeit des menschlichen Körpers, seine Kerntemperatur in einem bestimmten Bereich zu halten.“
Die vom Körper erzeugte Wärme lässt sich über unser Thermoregulationssystem mit der Wärmeabgabe an die Umgebung ins Gleichgewicht bringen – deshalb schwitzen wir, wenn uns heiß ist. Auch Verhalten spielt eine Rolle, etwa ausreichend zu trinken, lockere Kleidung zu tragen und auf Sport während der heißesten Tageszeit zu verzichten.
Gelingt diesem System der Ausgleich nicht, drohen zahlreiche Beschwerden: Die Körperkerntemperatur steigt, Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, der Körper schwitzt stark, dazu können Übelkeit und Schwindel kommen.
In schweren Fällen können hitzebedingte Erkrankungen wie Hitzerschöpfung oder Hitzschlag tödlich enden.
Wo Hitzestress Europa besonders hart trifft
Die Forschenden untersuchten Hitzestress in drei Stufen: stark (Indextemperaturen von mindestens 32 °C), sehr stark (ab 38 °C) und extrem (ab 46 °C).
Sie stellten fest, dass es im Süden von Spanien, in Italien, Griechenland und der Türkei Regionen gibt, die im Vergleich zu den 1970er-Jahren bis zu 40 zusätzliche Tage mit starkem Hitzestress erleben. In weiten Teilen Südeuropas kommt fast ein voller zusätzlicher Monat mit starker Hitzebelastung hinzu.
Die Hauptautorin der Studie, Rebecca Emerton, sagt, es sei bemerkenswert, „dass sich der Hitzestress nicht nur in Regionen verstärkt, die wir ohnehin als heiß kennen oder in denen Hitzewellen üblich sind, sondern dass sich sein Fußabdruck auch in Gebiete ausbreitet, in denen solche Belastungen historisch selten oder gar nicht auftraten“.
Rund 50 zusätzliche Tage pro Jahr mit mindestens starkem Hitzestress im Vergleich zu den 1970er-Jahren könnten Teile des südlichen Afrikas treffen, etwa in Namibia und Angola. Betroffen sind zudem Regionen in Ostafrika, darunter Teile von Tansania, Kenia und Uganda, ebenso wie Teile Mexikos und Mittelamerikas.
Gefühlte Temperaturen nehmen zu
Nach der Studie sind die gefühlten Temperaturen in den zehn wärmsten Nächten jedes Jahres schneller gestiegen – um 0,32 °C pro Jahrzehnt – als in den zehn wärmsten Tagen, dort um 0,27 °C pro Jahrzehnt.
Hohe Nachttemperaturen können die menschliche Gesundheit stark belasten. Der Körper braucht kühlere Nächte, um seine Kerntemperatur zu regulieren und sich von der Tageshitze zu erholen. Bleibt es warm, steigen die Belastung für Herz und Kreislauf und der Schlaf wird gestört.
„Nachthitze wird oft unterschätzt, kann aber besonders gefährlich sein, weil die Menschen meist zu Hause sind und womöglich keinen Zugang zu kühlen, klimatisierten Räumen haben“, sagt Ruth Engel, Datenwissenschaftlerin für Umweltgesundheit und Extremhitze am World Resources Institute (WRI), gegenüber Euronews Earth.
„In Europa, wo Klimaanlagen noch relativ selten sind und die Temperaturen schneller steigen als in jeder anderen Region, werden tropische Nächte zu einem großen Thema für den Gesundheitsschutz.“
Studien zeigen, dass hohe Nachttemperaturen mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergehen, besonders bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen.
Es gibt viele Möglichkeiten, die eigene Wohnung auch ohne Klimaanlage zu kühlen.