Nachdem am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff präparierte Drohne gefunden wurde, sprach Innenminister Dobrindt von einer "neuen Gefahrenqualität" und von einem "hybriden Anschlagsszenario".
Nachdem am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne gefunden wurde, an der Sprengstoff und ein Zünder befestigt waren, hat Bundesinnenminister Alexande Dobrindt seinen Italien-Urlaub unterbrochen und ist an den Tatort gereist. Zusammen mit dem Innenminister des Bundeslandes Sachsen gab er am Mittwochabend eine Pressekonferenz.
Dobrindt sagte: "Wir müssen von einem sicherheitsrelevanten Vorfall ausgehen", und der Innenminister sprach von einem "hybriden Anschlagsszenario". Da es bisher in Deutschland nur Drohnensichtungen gegeben hatte, erklärte Alexander Dobrindt nach einer Lagebesprechung mit den ermittelnden Behörden: "Das ist eine neue Gefahrenqualität."
Bei dem Sprengsatz soll es sich Medienberichten zufolge um ein hochexplosives Gemisch handeln. Die Drohne war wohl nur deshalb nicht explodiert, weil der Zünder offenbar abgerissen war.
Laut Dobrindt waren keine Amateure am Werk, er sagte auch, dass "fremde Mächte" involviert sein könnten - ohne ein Land beim Namen zu nennen.
Dem ZDF heute-journal zufolge hatte der Leiter einer Touristengruppe die mit Sprengstoff präparierte Drohne gefunden und "zu Boden gedrückt". Gleichzeitig erklärte Sachsens Innenminister Armin Schuster, es gebe bereits ein funktionierendes System zur Drohnenabwehr am Airport in Leipzig, aber es sei auch im Bereich der Drohnen "ein Wettrüsten" im Gang.
Inzwischen ermitteln die Generalstaatsanwaltschaft Dresden sowie das dortige Landeskriminalamt. Auch das polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) ist an den Ermittlungen beteiligt.
Drohne offenbar mit Plastiksprengstoff präpariert
Eine Drohne mit Sprengsatz und Zünder am Flughafen Leipzig hatte die Sicherheitsbehörden in der Nacht zu Mittwoch in Alarmbereitschaft versetzt. Wie BILD unter Verweis auf Sicherheitskreise berichtet, soll es sich bei dem gefundenen Sprengstoff um Semtex handeln, einen formbaren und hochexplosiven Plastiksprengstoff.
Nach Informationen von SZ, NDR und WDR enthielt das Päckchen an der Drohne Nitrate sowie Spuren vom PETN und Semtex. Diese werden im militärischen Bereich genutzt.
Gegen Mitternacht war die Polizei im Großeinsatz, nachdem in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet worden war. Auch ein Sprengstoffroboter wurde eingesetzt. Später stellte sich heraus, dass in der Nähe einer Transportmaschine der ukrainischen Antonov Airlines eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder gefunden worden war. Das teilte ein NATO-Sprecher mit.
Nach Informationen des Kyiv Independent wurde der verdächtige Gegenstand kontrolliert gesprengt. Die Polizei selbst sprach zunächst lediglich von einem sicherheitsrelevanten Vorfall und bestätigte keine weiteren Details zu dem Fund.
Leipzig ist wichtige Drehscheibe im Ukraine-Krieg
Der Sprecher der Polizei Sachsen, Olaf Hoppe, bestätigte im Gespräch mit Euronews, dass zeitgleich mit der Sichtung ein Objekt im Bereich der Südpiste des Flughafens gefunden worden sei, das die Bundespolizei untersuchte. Röntgenaufnahmen hätten ergeben, dass es sich um eine Drohne handelte.
Offenbar gab es noch eine zweite Drohne in der Nähe des Flughafens: Eine Transportmaschine war dort mit einem Objekt zusammengeprallt. Nach der Landung in Hannover wurden Einschlagsspuren an dem Flugzeug festgestellt.
Mehrere Flüge – darunter auch eine Passagiermaschine – mussten nach Polizeiangaben an andere Flughäfen umgeleitet werden, weil der Flugbetrieb zeitweise vollständig eingestellt wurde. Ein aus Mallorca kommender Airbus der Fluggesellschaft Marabu wurde wegen der Sperrung nach Nürnberg umgeleitet.
Die Südpiste des Flughafens war am Mittwoch weiterhin gesperrt. Im Nordbereich wurde der Flugbetrieb jedoch wieder aufgenommen. Die Polizei Sachsen teilte in den sozialen Medien mit, dass die Ermittlungen gemeinsam mit der Bundespolizei fortgesetzt würden.
Der Polizeisprecher hatte Euronews am Mittwochmittag erklärt, die Arbeit der Bundespolizei sei nahezu abgeschlossen. Die Landesbehörden hätten den Drohnenvorfall übernommen.
Vorfall bei ukrainischen Antonovs
Der Vorfall ereignete sich in der Nähe von Transportmaschinen der ukrainischen Antonov Airlines. Nach Angaben der Leipziger Volkszeitung hat die Fluggesellschaft einen großen Teil ihres Betriebs nach Leipzig/Halle verlagert.
Leipzig/Halle dient Antonov Airlines seit Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine als wichtiger Stützpunkt. Nach Angaben der Bild, auf die sich der Kyiv Independent beruft, befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls vier ukrainische Frachtmaschinen am Flughafen.
Die Airline hat in Leipzig Transportflugzeuge vom Typ An-124 stationiert und baut einen neuen Wartungshangar, der 2027 fertiggestellt werden soll. Hostomel, der ursprüngliche Heimatflughafen von Antonov Airlines, war durch russische Angriffe im Ukraine-Krieg zerstört worden. Deshalb verlagerte die Fluggesellschaft Teile ihres Betriebs nach Leipzig/Halle.
Kampf gegen Drohnen in Deutschland
Seit mehr als einem Jahr hatte es immer wieder Drohnenüberflüge in Deutschland gegeben. So hatte Innenminister Dobrindt im vergangenen September gefordert, dass Drohnen von der Bundeswehr aufgespürt, abgefangen, und abgeschossen werden sollten. Seit Oktober 2025 darf die Bundespolizei Drohnen abschießen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte bei einem Besuch in Vilnius Ende Mai, Russland teste mit Drohnen im Luftraum der Europäischen Union die Sicherheit. "Dies ist eine bewusste Strategie Russlands, die darauf abzielt, unsere demokratischen Gesellschaften zu destabilisieren", sagte von der Leyen.