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Luftballons verrotten langsam: britische Forscher entwickeln umweltfreundlichen „Bioloon“

Bioloon-Mitgründerinnen Charlotte Melia und Juliana Cumming
Die Bioloon-Mitgründerinnen Charlotte Melia und Juliana Cumming Copyright  Bioloon
Copyright Bioloon
Von Ruth Wright mit AFP
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Weggeworfene Luftballons „geben giftige Chemikalien in die Umwelt ab“ und werden von Tieren leicht verschluckt.

Eine britische Doktorandin könnte die Lösung für ein weltweites Problem gefunden haben: weggeworfene Luftballons werden für Wildtiere zur tödlichen Gefahr.

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Luftballons stehen zwar für Freude und Feiern, doch sie können Meerestiere und Vögel schwer schädigen oder sogar töten, wenn sie auf Müllhalden, an Stränden oder im Meer landen.

Eine Studie der University of Tasmania aus dem Jahr 2019 kam zu dem Ergebnis, dass Luftballons das „riskanteste Kunststoffabfallprodukt“ für Seevögel sind – 32-mal tödlicher als harte Plastikteile, die verschluckt werden.

Der „Bioloon“ soll dieses Problem lösen. Die Neuentwicklung besteht aus einem Material, das innerhalb von neun Monaten biologisch abgebaut wird.

Die Erfinderinnen und Erfinder wollen den Ballon bis 2028 auf den Markt bringen – und für alle, die eine Party planen, gibt es einen zusätzlichen Vorteil: Er lässt sich genauso leicht aufblasen wie ein herkömmlicher Luftballon.

Rosafarbene und violette Bioloons
Rosafarbene und violette Bioloons Bioloon

Bioloon: Ballon aus zu 100 Prozent abbaubarem Material

„Wir haben Hunderte Versuche gemacht, und sehr vieles ist schiefgegangen“, räumt Juliana Cumming ein, Doktorandin am Imperial College London (Quelle auf Englisch) und Mitentwicklerin des „Bioloon“.

In einem Hochschullabor zeigt die 29-Jährige der Nachrichtenagentur AFP stolz einen Kolben mit einer kostbaren gelben Flüssigkeit. Wenn sie aushärtet, entsteht ein weiches, elastisches Material, das sich ähnlich anfühlt wie ein gewöhnlicher Luftballon.

Doch ein entscheidender Unterschied bleibt: Im Gegensatz zu herkömmlichen Ballons zersetzt sich das Material laut Cumming innerhalb von neun Monaten vollständig.

Der Bioloon ist das Ergebnis einer öffentlich-privaten Partnerschaft, initiiert von der Event-Unternehmerin Charlotte Melia, die sich selbst als umweltbewusst beschreibt. „Ich habe über zehn Jahre Partys organisiert und war sehr auf Nachhaltigkeit bedacht“, sagt sie AFP. „Das letzte große Hindernis war für mich der Ballonmüll. Jede Woche haben wir Tausende Partyballons aufgepustet, nur um sie nach wenigen Stunden platzen zu lassen und in den Müll zu werfen.“

Den Ausschlag gab, dass sie merkte, „Ballons sind nicht biologisch abbaubar“, obwohl auf der Verpackung stand, sie würden sich „in der Geschwindigkeit eines Eichenblatts“ zersetzen.

Überzeugt, dass es eine nachhaltige Alternative geben muss, stellte Melia gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin rund 30.000 Pfund (35.000 Euro) bereit, um Cummings Promotionsprojekt teilweise zu finanzieren.

Luftballons geben giftige Chemikalien an die Umwelt ab

Die Fakultät für Chemieingenieurwesen des Imperial College schätzt, dass weltweit jedes Jahr zwischen 20 und 25 Milliarden Luftballons verkauft werden. Den meisten Käuferinnen und Käufern ist die Umweltwirkung jedoch nicht bewusst: Trotz der Versprechen in der Werbung zersetzen sich herkömmliche Ballons nicht. Mehrere Studien haben die Risiken beschrieben, die von Ballons ausgehen, sobald sie in der Natur landen – vor allem für Meerestiere und Vögel.

Cumming hat drei Jahre an ihrer Rezeptur gearbeitet. Ausgangspunkt ist wie bei einem herkömmlichen Ballon natürlicher Latex aus dem Saft des Kautschukbaums, der im Amazonasgebiet heimisch ist – eine Grundlage, die sich seit der Erfindung des Luftballons im Jahr 1824 kaum verändert hat.

„Um den natürlichen Latex in das zu verwandeln, was wir Gummi nennen, durchläuft er einen Prozess namens Schwefelvulkanisation“, erklärt sie. Dabei werden „Schwefelbeschleuniger, Antioxidantien und Aktivatoren in das Material eingebracht“. Das verhindere „die biologische Zersetzung von Ballons“ und setze zugleich „giftige Chemikalien in die Umwelt frei“.

Bioloon-Technik: Bald auch für Kleidung und Kondome?

Genau diese Phase der Herstellung stand im Zentrum von Cummings Forschung.

„Unser Ballon besteht weiterhin aus natürlichem Latex, aber wir mischen ihn mit einem anderen biologisch abbaubaren Polymer und verzichten vollständig auf die Zusatzstoffe, die in herkömmlichen Ballons stecken“, sagt sie.

„Dadurch bleibt die biologische Abbaubarkeit erhalten“, ergänzt sie, ohne weitere Details des patentierten Verfahrens zu verraten.

Nach Angaben der Entwicklerinnen und Entwickler zersetzt sich der Bioloon unabhängig davon, wo er landet. Die Forschenden „haben ihn in Erde, Meerwasser und deionisiertem Wasser getestet“.

„In allen diesen Umgebungen hat er sich zersetzt … und wir gehen davon aus, dass er innerhalb von etwa neun Monaten biologisch abgebaut wird“, erläutert Cumming.

Für Melia reicht das Potenzial der Technologie weit über Partydekorationen hinaus. Sie könnte auf Alltags- und Medizinprodukte übertragen werden – von Haushaltshandschuhen über OP-Handschuhe und Latexkleidung bis hin zu Kondomen.

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