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Inflation im Euroraum sinkt auf EZB-Ziel von zwei Prozent, Preisdruck lässt nach

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde lächelt bei einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main, Deutschland. Donnerstag, 18. Dezember 2025.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde lächelt bei der Pressekonferenz nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main, Deutschland, am Donnerstag, 18. Dezember 2025. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Die Inflation im Euroraum lag im Dezember wieder beim EZB-Ziel von zwei Prozent. Das beruhigt die Geldpolitiker. Der Preisdruck nimmt weiter ab.

Die Inflation im Euroraum sank im Dezember auf zwei Prozent. Damit erfüllt sie das Preisstabilitätsziel der Europäischen Zentralbank und bestätigt, dass der starke Preisschub der vergangenen Jahre weiter abklingt.

Vorabdaten von Eurostat vom Mittwoch zeigen: Die jährliche Teuerung verlangsamte sich von zwei Komma eins Prozent im November auf zwei Komma null Prozent im Dezember. Das entspricht den Erwartungen der Märkte.

Auch der zugrunde liegende Preisdruck ließ nach. Die Kerninflation, ohne die volatilen Komponenten für Lebensmittel und Energie und von der Geldpolitik genau beobachtet, sank im Jahresvergleich von zwei Komma vier auf zwei Komma drei Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit August.

Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Dezember um null Komma zwei Prozent. Zuvor waren sie im November um null Komma drei Prozent gesunken.

Die Aufschlüsselung der Inflation zeigt ein vertrautes Muster. Dienstleistungen verzeichneten erneut den stärksten Jahresanstieg mit drei Komma vier Prozent, leicht weniger als im November.

Bei Lebensmitteln, Alkohol und Tabak erhöhte sich die Teuerung auf zwei Komma sechs Prozent. Nichtenergetische Industriegüter verteuerten sich dagegen nur um null Komma vier Prozent.

Energiepreise blieben klar im negativen Bereich und lagen ein Komma neun Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das ist ein wesentlicher Treiber der Abschwächung der Gesamtinflation.

Die Geldpolitik der EZB ist gut aufgestellt

Da sich Gesamt- und Kerninflation stabilisieren, erwarten die Finanzmärkte vorerst kaum Schritte der EZB.

Nach Angaben der Wettplattform Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit bei 97 Prozent, dass die Zinsen bei der nächsten Sitzung des EZB-Rats im Februar unverändert bleiben.

Die Chance auf eine Zinssenkung im Jahr 2026 liegt bei 45 Prozent. Eine Erhöhung gilt als noch unwahrscheinlicher, mit elf Prozent.

„Die wichtigste Botschaft: Der Preisdruck normalisiert sich nach mehreren turbulenten Jahren“, sagte Professor emeritus Joe Nellis, Wirtschaftsberater bei MHA, in einer per E-Mail übermittelten Stellungnahme.

„Gesamt- und Kerninflation bewegen sich nun in einer relativ engen Spanne. Das deutet darauf hin, dass die extreme Volatilität der jüngeren Vergangenheit vorbei ist – auch wenn die Risiken nicht verschwunden sind“, fügte er hinzu.

Nellis rechnet damit, dass Vorsicht das Leitmotiv bleibt.

„Die Verantwortlichen zögern verständlicherweise, zu früh Entwarnung zu geben“, sagte er.

„Lohnentwicklung, Veränderungen auf den globalen Energiemärkten und eine uneinheitliche Nachfrage in den Mitgliedstaaten bleiben Risiken für den Ausblick. Die EZB dürfte die Finanzierungskosten daher eher stabil halten, solange sich die wirtschaftliche Lage nicht deutlich verschlechtert.“

Was die Inflationsrate für Haushalte und Unternehmen bedeutet

Die nachlassende Inflation verschafft Haushalten etwas Luft. Ihre Kaufkraft wurde durch Jahre rascher Preisanstiege geschmälert.

Stabile Preise geben auch Unternehmen mehr Planungssicherheit bei Investitionen und Personal. Gleichzeitig bleibt die Konjunktur verhalten, obwohl die Inflation das Ziel wieder erreicht.

In mehreren Ländern bleibt der Konsum gedämpft. Die Industrieproduktion findet nur langsam wieder Tritt. Der grenzüberschreitende Handel zeigt Trägheit.

Nellis warnte, diese Kombination stelle die Politik vor eine heikle Aufgabe. „Die Preisstabilität kehrt zurück, doch das Wachstum bleibt fragil“, sagte er.

„Die Aufgabe der EZB ist nun, die Erholung zu unterstützen, ohne die Inflation neu zu entfachen. Dieser Balanceakt wird die Debatte in den kommenden Monaten prägen.“

DAX auf Rekordkurs

An den Aktienmärkten setzte der deutsche Leitindex DAX seine Rally fort. Er stieg um null Komma fünf Prozent auf 25.150 Punkte. Das ist ein neuer Rekord. Zugleich peilt der DAX den siebten Tag in Folge mit Gewinnen an.

Siemens und Siemens Energy führten den Anstieg an, mit plus zwei Komma zwei Prozent beziehungsweise plus ein Komma acht Prozent.

Andere große europäische Indizes zeigten ein gemischtes Bild. In Frankreich und Italien gaben die Märkte leicht nach.

Der Euro hielt sich bei ein Komma eins sechs acht fünf US-Dollar. Die Renditen von Staatsanleihen im Euroraum gaben leicht nach.

Die Renditen deutscher Bundesanleihen sanken um fünf Basispunkte auf zwei Komma achtundsiebzig Prozent. Das spiegelt das Vertrauen der Anleger wider, dass die Inflation unter Kontrolle bleibt und die EZB vorerst an ihrem Kurs festhält.

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