Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Immobilienpreise in Großbritannien stabil: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Kauf?

ARCHIV - Blick auf Wohnhäuser in Stanley in England am 14. Juni 2011.
ARCHIV - Blick auf Wohnhäuser in Stanley in England am 14. Juni 2011. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Angebotspreise stabilisieren sich, Inserate erreichen den höchsten Stand seit elf Jahren – doch höhere Grunderwerbsteuer schmälert die Rendite europäischer Anleger.

Die Angebotspreise für Wohnimmobilien im Vereinigten Königreich haben sich im Februar nach einem starken Jahresauftakt kaum bewegt. Nach Angaben des Immobilienportals Rightmove sehen Analysten darin ein mögliches Zeitfenster der Stabilität für Käuferinnen und Käufer im In- und Ausland.

WERBUNG
WERBUNG

Diese Entwicklung ist wichtig, denn Angebotspreise gehören zu den frühesten Signalen für die Richtung des Marktes. Die Verschnaufpause im Februar folgt auf einen ungewöhnlich starken Januar. Das deutet darauf hin, dass Verkäufer den Markt austesten und Käufer zugleich wieder etwas mehr Verhandlungsmacht bekommen.

„Trotz des Stillstands der Preise im Februar sorgt der Rekordanstieg der Angebotspreise im Januar für die Jahreszeit dafür, dass es weiterhin der stärkste Jahresauftakt seit 2020 ist“, hieß es im jüngsten Rightmove-Bericht.

Der Markt zeigte erste Anzeichen einer Stabilisierung. Das Angebot nahm zu, die Nachfrage der Käufer ließ etwas nach. Der durchschnittliche Angebotspreis für neu inserierte Häuser sank im Februar lediglich um zwölf Pfund (13,80 Euro) auf 368.019 Pfund (423.571 Euro).

Trotz der Verschnaufpause liegen die Preise weiterhin über dem Niveau vom Jahresende.

Der Schwung zu Jahresbeginn spiegelt ein wachsendes Vertrauen der Verkäuferinnen und Verkäufer wider, nachdem Ende 2025 politische Unsicherheit auf dem Markt geherrscht hatte.

Laut dem Bericht bringen deutlich mehr Eigentümer ihre Objekte auf den Markt. Die Zahl der zum Verkauf stehenden Häuser erreicht damit den höchsten Stand für diese Jahreszeit seit mehr als einem Jahrzehnt.

„Die Zahl der zum Verkauf stehenden Häuser liegt für diese Jahreszeit auf dem höchsten Stand seit elf Jahren und verschafft Käuferinnen und Käufern mehr Auswahl und Verhandlungsmacht“, hieß es weiter.

Da mehr Objekte auf dem Markt sind und sich die Hypothekenzinsen von den Höchstständen des vergangenen Jahres etwas entfernt haben, verschiebt sich das Kräfteverhältnis leicht zugunsten der Käuferseite.

Entscheidend ist, dass das Lohnwachstum in den vergangenen drei Jahren schneller war als der Anstieg der Immobilienpreise. Die relative Erschwinglichkeit hat dadurch zugenommen, weshalb „2026 ... ein gutes Jahr zum Kaufen“ sei.

Käuferinnen und Käufer von der anderen Seite des Ärmelkanals?

Anlegerinnen und Anleger aus der EU interessieren sich seit Langem aus verschiedenen Gründen für britische Immobilien. Dazu zählen Londons Rolle als globale Metropole, eine starke Mietnachfrage in Universitätsstädten und Arbeitszentren sowie der Ruf Großbritanniens als vergleichsweise transparenter, regelbasierter Markt für Immobilieneigentum.

Der Weg zum eigenen Objekt im Vereinigten Königreich ist für europäische Investoren allerdings nicht ganz einfach. Auch wenn der übergeordnete Preistrend stabil wirkt, bleiben die Transaktionskosten hoch, vor allem für Käufer ohne Wohnsitz im Land.

Für europäische Anleger geht die scheinbare Preisstabilität zudem mit einer Reihe steuerlicher und finanzieller Fallstricke einher, die die Vorteile trotz der jüngsten Beruhigung der Preise schnell auffressen können.

Ausländische Käufer müssen beim Erwerb von Immobilien in England einen zusätzlichen Aufschlag auf die Grunderwerbsteuer zahlen. Wer bereits anderswo Wohneigentum besitzt, fällt zudem in höhere Steuersätze.

Die sogenannte Stamp Duty Land Tax ist eine Steuer an den Staat, die beim Kauf einer Immobilie im Vereinigten Königreich fällig wird. Sie wird nach Preisstufen ("Bands") berechnet. Die Steuer ist kurz nach Abschluss des Kaufs zu zahlen. Käuferinnen und Käufer müssen das Geld also zusätzlich zu Anzahlung und Anwaltskosten frühzeitig in bar bereithalten.

In der Summe kann das die anfänglichen Kosten eines Kaufs deutlich in die Höhe treiben, vor allem in teuren oder stark nachgefragten Lagen.

Käufer ohne Wohnsitz im Vereinigten Königreich sehen sich zudem oft strengeren Kreditbedingungen gegenüber. Banken verlangen höhere Eigenkapitalquoten und bieten weniger Hypothekenprodukte an. Wechselkursschwankungen sorgen bei in Euro rechnenden Anlegern für zusätzliche Unsicherheit.

So kann etwa eine französische Käuferin oder ein französischer Käufer, die beziehungsweise der eine Wohnung in London für 400.000 Pfund (460.380 Euro) als Kapitalanlage erwirbt, am Ende eine ganz andere Rechnung präsentiert bekommen als ein lokaler Ersterwerber.

Als nicht ansässige Person und Zweitwohnungs-Käuferin beziehungsweise -Käufer müsste sie oder er voraussichtlich sowohl den Zuschlag für höhere Sätze als auch den zusätzlichen Aufschlag für Auslandsinvestoren zahlen, zusätzlich zu den regulären Stamp-Duty-Stufen.

Wenn dann noch Anwaltskosten, eine höhere Anzahlung und Gebühren für den Währungstausch hinzukommen, liegt der tatsächlich benötigte Barbetrag zum Abschluss des Kaufs deutlich über dem reinen Kaufpreis. Viele der Vorteile scheinbar stabiler oder leicht sinkender Angebotspreise lösen sich damit auf.

ARCHIV - Ein Schild weist auf ein zum Verkauf stehendes Haus in London hin, am 3. November 2022.
ARCHIV - Ein Schild weist auf ein zum Verkauf stehendes Haus in London hin, am 3. November 2022. AP Photo

Mehr Konkurrenz

Die aktuellen Marktbedingungen spiegeln auch ein wettbewerbsintensiveres Umfeld unter Verkäuferinnen und Verkäufern wider. Es gibt weniger Kaufinteressenten als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

„Der Wettbewerb unter den Verkäuferinnen und Verkäufern liegt weiterhin auf dem höchsten Niveau seit elf Jahren, und die Kauflust ist geringer als zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2025“, hieß es weiter in dem Bericht.

Die Abkühlung folgt auf einen besonders lebhaften Jahresauftakt 2025, als viele Käufer ihre Abschlüsse noch vor Änderungen bei der Stamp Duty unter Dach und Fach bringen wollten. Ohne vergleichbare Steuerfristen in diesem Jahr hat sich die Nachfrage wieder auf ein eher typisches Niveau eingependelt.

Verkäuferinnen und Verkäufer reagieren offenbar darauf, indem sie die Preise stabil halten, statt weitere Aufschläge durchzusetzen.

„Die Anbieter gehen zurückhaltender vor und sichern sich lieber die Zugewinne aus dem Januar, statt die Preise weiter anzuheben, in einer Phase mit hoher Konkurrenz und einem Markt, der weiterhin äußerst preissensibel ist“, fasste der Bericht zusammen.

Für einheimische Käuferinnen und Käufer könnte die Mischung aus größerem Angebot, stabileren Preisen und besseren Finanzierungskonditionen bessere Chancen eröffnen als in den vergangenen Jahren.

Für europäische Anleger bleibt der Einstieg in den Markt jedoch vor allem von Steuern und Finanzierungsauflagen geprägt, nicht nur vom ausgeschriebenen Kaufpreis.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Großbritannien: Weniger Aufstiegschancen ohne Immobilie der Eltern?

UK-Immobilienmarkt kühlt ab: Verkäufer senken zum zweiten Monat in Folge Preise

Immobilienpreise in Großbritannien stabil: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Kauf?