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Spektakuläre Fotos: Wehrmachtmotorrad aus der Donau – beinahe wie "neu"

Das Wehrmachtsmotorrad aus der Donau, eine DKW NZ 350-1
Das Wehrmachtsmotorrad aus der Donau, eine DKW NZ 350-1 Copyright  Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid
Copyright  Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Fund eines Motorradwracks und der sterblichen Überreste zweier deutscher Soldaten erregt weltweit Aufmerksamkeit. Der niedrige Wasserstand der Donau in Budapest hatte ein Motorrad aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Jetzt wurde die Maschine gesäubert: sie ist erstaunlich gut erhalten.

Das Foto des in Budapest geborgenen Wehrmachtsmotorrads geht um die Welt: Von der „Times of India“ und „Vietnam.VN“ über britische Medien wie den „Daily Mirror“ bis hin zu US-amerikanischen Plattformen wie Yahoo Autos wird über den spektakulären Fund berichtet.

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Bei dem geborgenen Motorrad handelt es sich laut dem ungarischen Institut und Museum für Militärgeschichte um eine DKW NZ 350-1.

Die DKW-Modelle NZ 250 und NZ 350 galten unter Motorradfahrern damals als besonders robust und zuverlässig. Ab 1944 wurde daher mit der NZ 350-1 eine speziell für den Kriegseinsatz entwickelte Variante eingeführt.

Das Motorrad aus dem Zweiten Weltkrieg wird im Hangar des Museum für Militärgeschichte in Budapest gesäubert und restauriert.
Das Motorrad aus dem Zweiten Weltkrieg wird im Hangar des Museum für Militärgeschichte in Budapest gesäubert und restauriert. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

Das ungarische Museum hat die Maschine am 2. August am Batthyány-Platz gegenüber dem Parlament geborgen. Das Motorrad ist nahezu vollständig erhalten. Da es bei der Bergung mit Wasser und Schlamm vollgesogen war, brachte es mehr als 200 Kilogramm auf die Waage. Derzeit wird die Maschine im Hangar des Museums in Budapest gereinigt und konserviert.

Die NZ 350-1 ab 1944 erhielt im Unterschied zu den früheren NZ-Modellen serienmäßig seitliche Packkoffer aus Metall.
Die NZ 350-1 ab 1944 erhielt im Unterschied zu den früheren NZ-Modellen serienmäßig seitliche Packkoffer aus Metall. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

Die DKW NZ 350-1 wurde zwischen 1944 und 1945 produziert, bis zum Kriegsende entstanden insgesamt knapp 12.000 Exemplare.

Interessant ist unter anderem ein kleines, heute leicht zu übersehendes Detail: Am hinteren Rahmen gab es eine Art „Flosse“ bzw. Schmutz- und Schneekratzer. Sie sollte verhindern, dass sich Matsch und Schnee am Reifen festsetzten und anschließend in den Kettenantrieb gelangten. Diese Änderung ging offenbar auf die Erfahrungen im russischen Winter zurück.

Auffällig war auch der Motorblock aus Grauguss, einer Gusseisenlegierung mit einem hohen Graphitanteil. Der Grund war unter anderem der kriegsbedingte Mangel an Aluminium. Das konkrete Fundstück lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Informationen allerdings noch nicht auf einen bestimmten Produktionstag oder -monat datieren.

DKW, der Hersteller der NZ 350-1

Das Unternehmen DKW geht auf den dänischen Ingenieur Jørgen Skafte Rasmussen zurück. Er gründete 1907 im sächsischen Zschopau zunächst ein Unternehmen für Maschinenbau und Dampftechnik. Der Markenname DKW entstand später und stand ursprünglich für „Dampfkraftwagen“. 1922 wurde in Zschopau der erste DKW-Zweitaktmotor produziert. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einem der bedeutendsten deutschen Motorradhersteller.

Schon jetzt lässt sich erahnen, wie beeindruckend die Maschine nach ihrer Restaurierung aussehen wird.
Schon jetzt lässt sich erahnen, wie beeindruckend die Maschine nach ihrer Restaurierung aussehen wird. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

1932 schloss sich DKW mit Audi, Horch und Wanderer zur Auto Union AG zusammen. Das DKW-Werk in Zschopau blieb innerhalb des neuen Konzerns das Zentrum des Motorrad- und Motorenbaus.

In den 1930er-Jahren wurde DKW zunehmend in die deutsche Aufrüstung einbezogen. Auch die NZ 350 wurde in großen Stückzahlen für die Wehrmacht produziert.

Die Bedeutung des Zschopauer Werks zeigt sich an den Produktionszahlen: Bereits 1934 lief das 350.000. DKW-Motorrad vom Band, 1939 folgte das 500.000. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die zivile Motorradproduktion zunehmend zurückgefahren und die Fertigung stärker auf den militärischen Bedarf ausgerichtet.

Die DKW NZ 350-1, wie sie nun aus der Donau geborgen wurde, stammt aus dieser späten Kriegsphase.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Zschopauer DKW-Werk von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert. Maschinen und Anlagen wurden in die Sowjetunion gebracht. Auch DKW-Ingenieure aus Zschopau wurden nach Ischewsk verbracht, um dort beim Wiederaufbau der Motorradproduktion zu helfen. Die Geschichte der NZ 350 endete damit nicht: Ab 1946 wurde in der Sowjetunion die IZh-350 produziert, die technisch weitgehend auf der DKW NZ 350 basierte. Bis 1951 entstanden davon mehr als 127.000 Exemplare.

Der Sattel, einst aus Leder gefertigt, ist erstaunlich gut erhalten.
Der Sattel, einst aus Leder gefertigt, ist erstaunlich gut erhalten. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

In den letzten Tagen wurden zusammen mit dem Wehrmachtsmotorrad im ausgetrockneten Donaubett auch Teile der ursprünglichen Ausrüstung gefunden, darunter ein Benzinkanister, ein Y-Riemen und ein Bajonettschuh.

Ein Y-Riemen war ein Tragegestell aus Leder, das über die Schultern getragen wurde und vorne bzw. hinten mit weiteren Riemen verbunden war. Es diente dazu, Ausrüstung am Körper zu befestigen,etwa Brotbeutel, Patronentaschen oder Feldflasche. Die Bezeichnung „Y“ kommt von der Form der Schulterriemen.

Unter Bajonett-Schuh versteht man die Halterung für ein Bajonett, die am Koppel bzw. an der Ausrüstung befestigt wird. Darin wird das Bajonett getragen, wenn es nicht auf dem Gewehr aufgepflanzt ist.

Ein Blick auf das Tachometer der alten Wehrmachtsmaschine.
Ein Blick auf das Tachometer der alten Wehrmachtsmaschine. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

Unter dem Motorrad wurden die sterblichen Überreste zweier deutscher Soldaten entdeckt. Ihre vollständig erhaltenen Erkennungsmarken könnten nun erstmals nach mehr als 80 Jahren Aufschluss über ihre Identität und ihr Schicksal geben. Es wurde auch ein sogenanntes „Kuban“-Ärmelschild entdeckt.

Das Kuban-Schild wurde 1943 an deutsche Soldaten verliehen, die am Kuban-Brückenkopf gekämpft hatten.
Das Kuban-Schild wurde 1943 an deutsche Soldaten verliehen, die am Kuban-Brückenkopf gekämpft hatten. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. / Simone Schmid

Dieses Abzeichen könnte darauf hindeuten, dass der damalige Träger zuvor am Kuban-Brückenkopf im Kaukasus eingesetzt war.

Derzeit wird angenommen, dass es sich bei den Überresten der beiden Männer um die Überreste des Fahrers und Beifahrers des Motorrads handelt. Allerdings gibt es eine mögliche alternative Erklärung: Das Ungarische Militärhistorische Institut (Quelle auf Ungarisch) geht davon aus, dass es sich an dieser Stelle um eine nach dem Ende der Belagerung entstandene Kriegsschutt- bzw. Abfallgrube handeln könnte. Offenbar wurden dort unter anderem Munition und Ausrüstungsgegenstände entsorgt.

Die Fundlage allein lässt daher noch keinen eindeutigen Schluss darauf zu, dass sich die beiden Männer zum Zeitpunkt ihres Todes auf der DKW befanden.

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