Die Forschende fanden heraus, dass Menschen mit einer schwächeren oder unregelmäßigen inneren Uhr ein höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken.
Menschen mit einer weniger robusten und unregelmäßigeren inneren Uhr könnten einer neuen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für eine Demenz-Erkrankung haben.
Die in Neurology, der medizinischen Fachzeitschrift der American Academy of Neurology, veröffentlichten Forschungsergebnisse zeigen, dass gestörte zirkadiane Rhythmen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Demenz einhergehen. So besteht offenbar ein Anstieg des Risikos von 45 Prozent bei Menschen, deren Tagesaktivität ihren Höhepunkt später am Tag erreicht.
Der zirkadiane Rhythmus ist die innere Uhr des Körpers, die die 24-Stunden-Zyklen körperlicher, geistiger und verhaltensbezogener Veränderungen wie Schlaf-Wach-Rhythmus, Hormonausschüttung, Verdauung und Körpertemperatur regelt. Sie wird vom Gehirn gesteuert und stark von der Lichtexposition beeinflusst.
Wenn der zirkadiane Rhythmus stabil ist, passt sich die Körperuhr gut an den 24-Stunden-Tag an und sendet klare Signale für wichtige Körperfunktionen. Menschen mit ausgeprägten Rhythmen neigen dazu, regelmäßige Schlaf- und Tageszeiten einzuhalten, auch wenn sich ihr Tagesablauf oder die Jahreszeiten ändern.
Bei schwachen Rhythmen hingegen ist es wahrscheinlicher, dass Licht- und Routineänderungen die Körperuhr aus dem Takt bringen. Menschen mit weniger stabilen Rhythmen neigen eher dazu, ihre Schlaf- und Aktivitätszeiten zu verschieben.
Innere Uhr verändert sich mit dem Alter
Vorübergehende Veränderungen wie Jetlag und Schichtarbeit können sich negativ auf den Schlaf, die Stimmung und die allgemeine Gesundheit auswirken, wenn sie wiederholt oder über einen längeren Zeitraum auftreten.
Mit zunehmendem Alter werden die zirkadianen Rhythmen schwächer und unregelmäßiger. Ältere Menschen neigen dazu, früher zu Bett zu gehen und aufzuwachen, und schlafen häufiger unregelmäßig.
"Es gibt Hinweise darauf, dass Störungen des zirkadianen Rhythmus ein Risikofaktor für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz sein können", sagt Studienautorin Wendy Wang, Assistenzprofessorin für Epidemiologie und Innere Medizin am UT Southwestern in Dallas.
"Unsere Studie hat diese Ruhe-Aktivitäts-Rhythmen gemessen und festgestellt, dass Menschen mit schwächeren und fragmentierteren Rhythmen und Menschen mit einem Aktivitätsniveau, das später am Tag seinen Höhepunkt erreicht, ein erhöhtes Demenzrisiko haben", erklärt Wendy Wang.
Die Studie untersuchte mehr als 2.000 Personen aus den USA mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren, von denen zu Beginn der Studie niemand an Demenz erkrankt war. Die Teilnehmenden trugen etwa zwei Wochen lang kleine Herzmonitore, die es den Wissenschaftlern ermöglichten, die Ruhe- und Aktivitätsmuster zu verfolgen und die Stärke des zirkadianen Rhythmus der einzelnen Personen zu bewerten.
Anschließend verfolgten die Forscher die Menschen drei Jahre lang, in denen 176 Personen an Demenz erkrankten.
Sie teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein, die sich an der Stärke des Rhythmus orientierten, gemessen an den Unterschieden zwischen den aktivsten und den am wenigsten aktiven Phasen einer Person pro Tag.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Menschen in der Gruppe mit dem schwächsten Rhythmus ein fast 2,5-mal höheres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken, als die Personen in der Gruppe mit dem stärksten Rhythmus.
Außerdem stellten sie fest, dass Menschen, deren Aktivität ihren Höhepunkt später am Nachmittag - ab 14.15 Uhr - erreichte, ein 45 Prozent höheres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken als diejenigen mit einem früheren Höhepunkt der Aktivität.
Diese Art von verspätetem Zeitplan kann zu einer Fehlanpassung der Körperuhr an Umweltreize wie spätere Stunden und Dunkelheit führen.
Notwendigkeit, Demenz zu bekämpfen
Nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur waren 2019 weltweit 55 Millionen Menschen von Demenz betroffen, in Europa etwa 11 Millionen. Angesichts der alternden Bevölkerung in Europa wird diese Zahl im Jahr 2050 schätzungsweise 19 Millionen erreichen.
Die Autorinnen und Autoren der Studie hoffen, dass die Ergebnisse zu weiteren Forschungen darüber anregen, wie die Anpassung der Körperuhr den Ausbruch von Demenz verhindern kann.
"Unsere Ergebnisse bilden auch die Grundlage für künftige Forschungen, die die mögliche Rolle von Interventionen in den zirkadianen Rhythmus, wie Lichttherapie, Melatonin oder Änderungen des Lebensstils, bei der Vorbeugung von Demenz untersuchen", schreibt das Forschungsteam.
Ein regelmäßiger Schlafrhythmus sowie sportliche Betätigung und natürliche Lichteinwirkung, insbesondere am Morgen, haben sich als wirksame, nicht-invasive Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des zirkadianen Rhythmus erwiesen.