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Sex im All: Forscher fordern klare Regeln zur Fortpflanzung

Ein Paar trägt Raumanzüge.
Ein Paar in Raumanzügen Copyright  Credit: Pexels
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Von Theo Farrant
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine neue internationale Studie warnt: Die Frage von menschlicher Fortpflanzung im All ist nicht mehr nur Theorie. Die Tücken der Fortpfanzung im All.

Mit dem Vormarsch kommerzieller Raumflüge verbringen Astronautinnen und Astronauten immer mehr Zeit im Erdorbit, und Pläne für eine spätere Besiedlung des Planeten Mars werden immer konkreter. Fachleute betonen, dass Fragen zu Sex und Fortpflanzung im All jetzt dringend geklärt werden müssen.

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In der Fachzeitschrift Reproductive Biomedicine Online gibt es dazu einen neuen internationalen Bericht. Er bringt Expertinnen und Experten aus Reproduktionsmedizin, Raumfahrtforschung und Bioethik zusammen, die warnen, dass die Zeit drängt. Durch die schnelle Ausweitung menschlicher Aktivitäten im All brauche es Regeln zum Schutz der reproduktiven Gesundheit.

Vor mehr als fünfzig Jahren haben laut Forschenden "zwei wissenschaftliche Durchbrüche das Verständnis dessen verändert, was biologisch und physikalisch möglich ist – die erste Mondlandung und der erste Nachweis einer Befruchtung des Menschen in vitro", meint der Embryologe Giles Palmer von der International IVF Initiative.

"Jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, argumentieren wir in diesem Bericht, dass diese einst getrennten Revolutionen in einer praktischen und bisher kaum erforschten Realität aufeinanderprallen: Der Weltraum wird immer mehr zum Arbeitsplatz und zum Reiseziel, während assistierte Reproduktionstechnologien hochentwickelt, zunehmend automatisiert und weit verbreitet verfügbar sind“, so Palmer weiter.

Die Tücken der Fortpflanzung im All

Trotz großer Fortschritte bei assistierten Reproduktionstechnologien (ART) wie der IVF (In vitro Befruchtung) und der ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) gibt es bis heute keine allgemein akzeptierten Standards, wie sich Risiken für die Fortpflanzungsgesundheit im Weltraum steuern lassen.

Zu den Risiken zählen ungewollte frühe Schwangerschaften während Missionen, die Folgen von Strahlung und Schwerelosigkeit auf die Fruchtbarkeit sowie die Frage, wo bei künftiger fortpflanzungsbezogener Forschung im All die ethischen Grenzen verlaufen.

Laborstudien und die wenigen verfügbaren Daten von Menschen deuten darauf hin, dass der Weltraum – im Bericht als "immer alltäglicherer Arbeitsplatz" beschrieben – für den menschlichen Körper dennoch ein "feindliches Umfeld" bleibt.

"Schwerelosigkeit, kosmische Strahlung, Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, Druckunterschiede und extreme Temperaturen im Orbit" seien Faktoren, die gesunde Fortpflanzungsprozesse bei Frauen und Männern beeinträchtigen können.

Tierstudien zeigen, dass schon kurzzeitige Strahlenbelastung Menstruationszyklen durcheinanderbringen und das Krebsrisiko erhöhen können. Zugleich weist die Studie darauf hin, dass verlässliche Langzeitdaten zu Astronautinnen und Astronauten nach längeren Missionen fehlen.

Fortpflanzungsgewebe ist laut Studie besonders anfällig für DNA-Schäden. Welche Folgen eine kumulative Strahlenbelastung auf die männliche Fruchtbarkeit bei langen Missionen hat, bleibt nach Ansicht der Autorinnen und Autoren eine „zentrale Wissenslücke“.

Könnte künstliche Befruchtung im All funktionieren?

Bisher hat noch kein Mensch im Weltraum ein Kind gezeugt oder zur Welt gebracht, und Schwangere werden von Reisen über die Erde hinaus bisher strikt ausgeschlossen.

Gleichzeitig hält die Studie fest, dass automatisierte Befruchtungs- und Kryokonservierungstechnologien "gut zu den praktischen Anforderungen von fortpflanzungsbezogener Forschung und Anwendung im All passen könnten“.

"Entwicklungen bei der assistierten Reproduktion entstehen oft unter extremen oder randständigen Bedingungen, breiten sich aber schnell darüber hinaus aus“, sagte Palmer.

"Assistierte Reproduktione lässt sich gut übertragen, weil sie Situationen adressiert, in denen Fortpflanzung biologisch möglich ist, aber durch Umwelt, Gesundheit, Timing oder soziale Umstände strukturell eingeschränkt wird – Bedingungen, die wir bereits vielerorts auf der Erde sehen.“

Die Autorinnen und Autoren des Berichts betonen, dass sich die ethischen Fragen rund um menschliche Fortpflanzung im All nicht länger aufschieben lassen.

"Mit der wachsenden Präsenz des Menschen im Weltraum darf reproduktive Gesundheit kein blinder Fleck der Politik mehr bleiben“, sagt Studienmitautor Fathi Karouia, Forschungswissenschaftler bei der NASA.

"Wir brauchen dringend internationale Zusammenarbeit, um die größten Wissenslücken zu schließen und ethische Leitlinien zu entwickeln, die sowohl professionelle Astronautinnen und Astronauten als auch private Weltraumreisende schützen – und damit letztlich die Menschheit, wenn wir auf eine dauerhafte Präsenz jenseits der Erde zusteuern.“

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