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Wissenschaftler lösen das Rätsel, warum die Osterinsel-Ureinwohner Meerwasser trinken konnten

Wissenschaftler lösen das Rätsel, warum die Osterinsel-Ureinwohner Meerwasser trinken konnten
Copyright  Karen Schwartz/AP
Von Parisa Hashempour, Sabine Sans
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Als Europäer zum ersten Mal auf die Osterinsel kamen, waren sie überrascht, dass die Ureinwohner direkt aus dem Meer tranken. Zusammen mit den berühmten riesigen Moai-Statuen der Insel wurde diese Eigenart in die Liste der lokalen Mysterien aufgenommen.

Später erkannten die Forscher, dass die Trinkwasserversorgung aus Süßwasserquellen an der Küste stammte. Doch vor Kurzem entdeckten sie noch mehr.

Mithilfe von Drohnen konnten die Forscher ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, wie die Bewohner von Rapa Nui - wie die Insel in der Sprache der Einheimischen heißt - in der Vergangenheit die Wasserversorgung nutzten, um die lokalen Gemeinschaften zu ernähren. Diese Forschung könnte sogar den Weg für künftige Studien über Wasser, Dürre und Dürre-Prävention ebnen.

Mit Technologie nach Süßwasser im Meer suchen

Laut Robert DiNapoli, einem Postdoktoranden für Umweltstudien und Anthropologie an der Universität Binghamton, sinkt das Regenwasser auf der Osterinsel direkt durch poröses Grundgestein in einen unterirdischen Aquifer (ein Körper aus porösem Gestein oder Sediment, in dem sich das Wasser konzentriert).

Dieses Wasser tritt dann entlang der Küstenlinie als sogenannte "coastal seeps" an die Oberfläche - Süßwassertaschen, die ins Meer sickern.

Mlenny/Alexander Hafemann/Getty
Da es auf der Osterinsel keine Süßwasserquellen gibt, war es ein Rätsel, wie die früheren Bewohner der Insel überleben konnten.Mlenny/Alexander Hafemann/Getty

In der von DiNapoli und anderen Forschern der Universität Binghamton durchgeführten Studie wurden moderne Technologien eingesetzt, um diese Küstensickergruben zu lokalisieren. Das ermöglicht eine systematische Vorgehensweise bei der Suche nach Süßwasser.

Die Forscher setzten Drohnen mit Wärmebildkameras ein, um die Küstenseen aufzuspüren. Eine Praxis, die bereits bei ähnlichen Studien in Ländern wie Hawaii angewandt wurde.

DiNapoli erklärt, dass an einigen dieser Stellen an der Küste so viel Wasser aus den Sickergruben austritt, dass es im Grunde frisch ist. "Es ist etwas salzig, aber nicht ungenießbar salzig. Es ist einfach nicht das am besten schmeckende Wasser."

Historische Wasserwege entdeckt

Anthropologen fanden heraus, dass die Rapanui nicht nur Süßwasser aus den Sickergruben an der Küste gewannen, sondern auch Unterwasserdämme im Meer bauten, um Süß- und Meerwasser voneinander zu trennen sowie Brunnen errichteten, die das Wasser aus dem Aquifer umleiteten, bevor es ins Meer gelangte.

Auf der Insel gibt es keine Flüsse oder Bäche und nur drei kleine Kraterseen, die in Dürreperioden austrocknen können. Das bedeutet, dass Süßwasser auf der Insel ein knappes Gut ist.

"Sie sahen sich mit einem sehr schwierigen Lebensraum konfrontiert und entwickelten diese interessanten Überlebensstrategien", sagt DiNapoli. Dies sei ein interessantes Beispiel dafür, wie die Menschen auf der Insel auf Einschränkungen reagierten, fügt er hinzu.

Wegbereiter für die künftige Dürre-Forschung

Orte wie die Osterinsel sind aufgrund der begrenzten Süßwasservorräte bereits anfällig für Dürreperioden. Daher gehören sie zu den Gegenden, die am stärksten von Wasserknappheit bedroht sind, da der Klimawandel solche Naturphänomene noch verschärft.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie werden als Grundlage für ein von National Geographic finanziertes Forschungsprojekt dienen, das die Funktionsweise von Sickergruben an der Küste während längerer Dürreperioden untersuchen soll.

Die Forscher der Binghamton University führten ihre frühere Studie während einer mehrjährigen Dürre durch, die zwei der drei Kraterseen auf Rapa Nui austrocknen ließ.

Erlantz Pérez Rodríguez/Getty
Die Forscher dachten bisher, dass die Statuen möglicherweise den Ort markierten, an dem sich Süßwasser befand.Erlantz Pérez Rodríguez/Getty

"Wir haben diese küstennahen Quellen überall auf der Insel gefunden. Das deutet darauf hin, dass die Sickergruben eine der letzten Wasserquellen sind, die von Dürre-Perioden betroffen sind", so DiNapoli.

Da die Quellen an der Küste trotz der Trockenheit immer noch vorhanden waren, haben die Forscher Grund zu der Annahme, dass das Wasser für längere Zeit in den unterirdischen Grundwasserspeichern verbleibt, bevor es in den Ozean versickert.

Jährlich sind 55 Millionen Menschen von Dürre betroffen, und vier Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Wasserknappheit. Die UNO hat ein Ziel für nachhaltige Entwicklung festgelegt, das besagt, dass alle Menschen bis 2030 Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen haben müssen.