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Polen, Belgien und Dänemark machen Fortschritte im Kampf gegen die Luftverschmutzung

Polen, Belgien und Dänemark machen Fortschritte im Kampf gegen die Luftverschmutzung
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Von Cyril Fourneris
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Luftqualität in Europa: Luftverschmutzung beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen. Das Europäische Parlament kämpft für strengere Vorschriften zur Regulierung der Verschmutzung.

Wenn wir uns fortbewegen, unsere Häuser heizen und Lebensmittel anbauen, stoßen wir schädliche Moleküle aus, die wir jeden Tag einatmen. Diese Verschmutzung führt dazu, dass jedes Jahr Tausende Menschen in Europa krank werden.

Aber es werden Fortschritte gemacht. Unsere Luft wird immer sauberer, und die Technologie ermöglicht es uns, die Luftqualität in Echtzeit zu überwachen und sogar zu verbessern.

Warschau: Veränderte Wahrnehmung der Luftverschmutzung

In Polen überschreiten die Feinstaubwerte regelmäßig die europäischen Grenzwerte. Warschau ist ein typisches Beispiel dafür. Im Winter kommt es in der Hauptstadt immer wieder zu Smog.

"Wenn der Winter kommt und die Leute anfangen, ihre Häuser zu heizen, ist es einfach schrecklich", erzählt eine Einwohnerin.

Dort ist die Kohleheizung die Hauptquelle der Umweltverschmutzung. Doch Warschau hat sich auf den Weg gemacht, um diese Öfen, die von den Einheimischen "Stinker" genannt werden, zu ersetzen. Die Stadt hat sie sogar verboten.

"In den vergangenen Jahren hat sich viel getan. Sogar dieses 100 Jahre alte Haus wurde mit Gas ausgestattet", so ein Warschauer Einwohner.

"Wir haben eine spezielle 'Polizei', die die Situation kontrolliert. Die Nachbarn fangen an, die Situation zu kontrollieren. Die Menschen lernen eine Menge."

Die Luftqualität in der Stadt hat sich den Daten der nahe gelegenen Messstation zufolge weiter verbessert.

Man schätzt, dass die Zahl der "Stinker" in Warschau in nur wenigen Jahren von 17.000 auf 4.000 gesunken ist. Aber das sind immer noch zu viele, meint Piotr Siergiej, der Sprecher von Polish Smog Alert.

"Wir versuchen, die Daten zu nutzen", so Piotr Siergiej. "Wenn man mit den Leuten spricht, sagen sie: 'Nein, es gibt keine Luftverschmutzung, wovon reden Sie? Ich rieche nichts.'"

Piotr Siergiej misst die Luftverschmutzung in Warschau
Piotr Siergiej misst die Luftverschmutzung in Warschaueuronews

"Wenn man vor zehn Jahren jemanden gefragt hätte, was die Hauptquelle der Umweltverschmutzung ist, hätte er Autos gesagt. Und heute sagen sie: Kohleöfen natürlich! Es ist uns also gelungen, die Wahrnehmung der polnischen Gesellschaft in Bezug auf die Luftverschmutzung zu verändern. Und dann gehen wir von den Menschen zu den Politikern."

Termin im Warschauer Rathaus mit Jacek Kisiel, einem ehemaligen Umweltaktivisten, der jetzt für die Luftqualität in der Stadt zuständig ist.

"Beliebte Radio-Programme senden jeden Tag Informationen über die Luftqualität in Polen", sagte er gegenüber The Road to Green. "Wir haben auch Apps für unsere Mobiltelefone. Wir hatten eine Menge Smogwarnungen, also haben die Leute angefangen, diese Anwendungen zu benutzen."

Jacek Kisiel, ein ehemaliger Umweltaktivist, ist jetzt für die Luftqualität in der Stadt zuständig
Jacek Kisiel, ein ehemaliger Umweltaktivist, ist jetzt für die Luftqualität in der Stadt zuständigeuronews

Die Hauptstadt steht an der Spitze des Kampfes gegen Smog in Polen. Das ist auch einem umfangreichen Netz von Sensoren und offiziellen Messstationen zu verdanken.

"Die Beseitigung von 70 % der Kohleöfen hat die Luftqualität wirklich verbessert. Aber die Situation ist nicht perfekt", verriet Jacek Kisiel. "Es gibt zum Beispiel immer noch viele Autos. Und wenn man alle Kohleöfen in Warschau loswird und es noch welche außerhalb Warschaus gibt, wird die verschmutzte Luft auch nach Warschau ziehen. Es gibt also eine Menge zu tun."

Brüssel: Anwohner engagieren sich für saubere Luft

Polen ist noch weit davon entfernt, das Ziel des Green Deal, bis 2050 keine Umweltverschmutzung zu verursachen, zu erreichen.

Aber der Wandel hat angefangen und die Menschen engagieren sich, wie zum Beispiel in Belgien. Brüssel ist eine der am stärksten mit Stickoxiden belasteten Städte in Europa. Zwei Drittel der Emissionen entfallen auf den Straßenverkehr.

Im Gegensatz zu Warschau ist hier das Stadtzentrum die am stärksten verschmutzte Zone, wie mehrere Citizen-Science-Projekte zeigen. Brüssel hat daher Dutzende von sogenannten "Schulstraßen" eingerichtet, in denen der Verkehr eingeschränkt oder verboten ist.

Der Verein Les chercheurs d'air von Pierre Dornier hat Freiwillige gebeten, die Luftverschmutzung in ihren Häusern mit speziellen Röhrchen zu messen.

"Wir wissen, dass die durchschnittliche Luftverschmutzung hier bei 50 mg pro Kubikmeter liegt, fünfmal höher als die WHO-Empfehlung", erklärt Pierre Dornier und fügt hinzu, dass Kinder besonders gefährdet sind.

"Aufgrund ihrer Größe sind sie näher an den Auspuffrohren. Deshalb ist es vorrangig, sie vor Luftverschmutzung zu schützen."

Pierre Dornier, Direktor von Les chercheurs d'air, hat Freiwillige gebeten, die Luftverschmutzung in ihren Wohnungen mit diesen Röhrchen zu messen.
Pierre Dornier, Direktor von Les chercheurs d'air, hat Freiwillige gebeten, die Luftverschmutzung in ihren Wohnungen mit diesen Röhrchen zu messen.euronews

Auch in Bezug auf die Umweltverschmutzung gibt es soziale Ungleichheiten. Quentin Askajef, der in einem der ärmeren Viertel Brüssels wohnt, hat sich freiwillig für die Studie gemeldet.

"Wir leben in einer der schlimmsten Gegenden Brüssels, was die Verschmutzung und den Lärm angeht. Hier ist es dunkelviolett. Es geht also von grün zu schwarz. Es ist schlimm hier", so Quentin.

"Jeden Monat musste ich zwei Röhrchen am Haus anbringen. Und jeden Monat habe ich die Röhrchen zurück ins Labor geschickt."

Um herauszufinden, wie das genau funktioniert, besuchten wir die Universität Antwerpen und trafen dort Professor Filip Meysman, einen Koordinator von CurieuzenAir und einen Star der Citizen Science.

Sein Verein hat 20.000 Freiwillige zusammengebracht, um die Luft in ganz Flandern und Brüssel zu messen. Die Ergebnisse schafften es auf die Titelseite der belgischen Presse.

Professor Filip Meysman, Koordinator von CurieuzenAir
Professor Filip Meysman, Koordinator von CurieuzenAireuronews

"Wir verwenden diese Daten, um unsere Computermodelle zu verbessern, und auf diese Weise können die Bürger direkt zu einer besseren Politik beitragen. Und das sehen wir an den Daten. Die Luftqualität verbessert sich. Die Luftqualitätspolitik funktioniert also", erklärte Filip Meysman.

Diese Politik wird sich in Europa noch weiterentwickeln: Die Richtlinien über die Luftqualität werden derzeit überarbeitet. Die Schadstoffgrenzwerte sollen gesenkt werden.

Kopenhagen: Die Situation hat sich bei fast allen Schadstoffen verbessert

Kopenhagen ist der Sitz der Europäischen Umweltagentur. Dort erklärte sich der Experte für Luftqualität Alberto González Ortiz bereit, uns die von seiner Agentur eingeführte Anwendung "European Air Quality Index" zu zeigen, die Daten von rund 4.000 Messstationen in der EU zusammenstellt.

"Hier in Kopenhagen kann man sehen, dass die Situation gut ist, weil wir viel Wind haben, der die Schadstoffe abtransportiert", so der Experte.

"Man kann die Situation an dieser Station auch mit anderen vergleichen. Wenn Sie also zum Beispiel heute Nachmittag joggen gehen wollen, können Sie die richtige Zeit wählen, wenn die Luftverschmutzung nicht so hoch ist, und auch die Straße wählen, die Sie nehmen wollen."

Der Experte für Luftqualität Alberto González Ortiz
Der Experte für Luftqualität Alberto González Ortizeuronews

"Wir haben eine Vielzahl von Gesetzen, zum Beispiel für die Industrie. Es gibt die Richtlinie über Industrieemissionen. Wir haben die Euro-Normen, die für Fahrzeuge gelten. Und natürlich haben wir auch die Rechtsvorschriften zur Luftqualität.

Der Experte glaubt auch, dass "die Luft, die wir heute atmen, viel sauberer" ist als früher.

"Wir sehen, dass sich die Situation bei fast allen Schadstoffen verbessert hat. Das heißt aber nicht, dass die Situation optimal ist, denn wir wissen auch, dass es, sagen wir mal, keine sicheren Grenzwerte gibt. Das Ziel sollte sein, sich den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für diese Konzentrationen so weit wie möglich anzunähern. Wenn wir diese Konzentrationen senken, verbessern wir die Situation weiter und schützen die Bürger besser."

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