Der Fall erhöht den Druck. Schon im November hatten EU-Vertreter sich geweigert, der Barroso-Mine den Status als „strategisches“ Projekt zu entziehen.
Ein seit Langem schwelender Streit um den Lithiumabbau im Norden Portugals beschäftigt nun den Europäischen Gerichtshof.
Umwelt- und Bürgerinitiativen haben beim Europäischen Gerichtshof Klage gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission eingereicht, dem Lithiumprojekt Barroso den Status eines „strategischen“ Vorhabens zu verleihen.
Der Anwohnerverband Associação Unidos em Defesa de Covas do Barroso (UDCB) und die Umweltrechtsorganisation ClientEarth brachten die Klage am Donnerstag, dem fünften Februar, ein. Sie werfen der Kommission vor, das Projekt nicht erneut geprüft zu haben, obwohl neue Hinweise auf mögliche Umwelt-, Sozial- und Sicherheitsrisiken vorlagen.
Im Zentrum steht das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe von 2024, der Critical Raw Materials Act. Projekte mit „strategischem“ Status erhalten schnellere Genehmigungsverfahren, leichteren Zugang zu Finanzierung und weniger Hürden, um Rohstoffe für grüne Produkte wie Elektrofahrzeuge und Batterien zu sichern.
Versorgungssicherheit gegen lokale Folgen
Das geplante Bergwerk liegt bei Boticas in der abgelegenen Region Trás-os-Montes („hinter den Bergen“). Unter dem Gelände befindet sich nach bisherigen Erkenntnissen das größte bekannte Spodumen-Vorkommen Europas – ein wichtiger Lithiumträger für Batterien und Bauteile von Mobiltelefonen.
Gleichzeitig liegt das Areal in einer Kulturlandschaft, die die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen als „Globally Important Agricultural Heritage System“ anerkannt hat.
Umweltverbände kritisieren seit Langem, der strategische Status blende belegte Risiken für Wasserressourcen, Artenvielfalt und die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung aus.
Dennoch nahm die Europäische Kommission Barroso im März 2025 in eine Liste von 47 „strategischen“ Projekten in der EU auf.
Im Juni vergangenen Jahres forderten Aktivistinnen und Aktivisten die Kommission auf, das Projekt von der Liste zu streichen. Die Kommission wies diesen Antrag im November zurück und argumentierte, die Überprüfung der Einhaltung des EU-Umweltrechts liege bei den portugiesischen Behörden.
Im Dezember erklärten EU-Beamtinnen und -Beamte dann, das Projekt behalte seinen Status. Sie verwiesen auf Bewertungen, nach denen Minderungs- und Überwachungsmaßnahmen den Druck auf die lokalen Wasserressourcen begrenzen sollen – trotz Widerstand von Umweltgruppen.
In einer gemeinsamen Erklärung warfen UDCB und ClientEarth der EU vor, sie stelle das Projekt als im öffentlichen Interesse dar und ignoriere zugleich seine Risiken. Das untergrabe grundlegende Prinzipien des EU-Rechts und könne ländliche Regionen wie diese in „Opferzonen“ der Energiewende verwandeln.
Europa im Wettlauf um Batterierohstoffe
Der Streit fällt in eine Phase, in der die EU ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringern will – allen voran von China – bei Rohstoffen, die sie für ihre Klima- und Industrieziele als unverzichtbar ansieht.
Die portugiesische Regierung stellt sich hinter das Projekt und hat dem Entwickler Savannah Resources Fördermittel in Höhe von 110 Millionen Euro zugesagt.
Laut dem Unternehmen könnte die Mine jedes Jahr genug Lithium liefern, um Batteriepacks für mehrere Hunderttausend – und möglicherweise bis zu einer Million – Elektrofahrzeuge auszustatten und so zu einer der bedeutendsten geplanten Quellen des Metalls im Binnenmarkt werden.
Dennoch bleiben erhebliche Umweltbedenken.
Lithium ist für Batterien essenziell. Sein Abbau und die Verarbeitung können sehr wasserintensiv sein und bergen das Risiko von Verunreinigungen. Der Lithiumabbau bleibt umstritten.
Savannah betont, geänderte Planungen und zusätzliche Überwachungsmaßnahmen hätten die Risiken für Oberflächen- und Grundwasser deutlich reduziert und stellten die Einhaltung der EU-Regeln zum Gewässerschutz sicher.
Das Barroso-Projekt wird nun zum Prüfstein für Europas oberstes Gericht. Das Urteil könnte auch andere Bergbauprojekte betreffen, die nach dem Critical Raw Materials Act als strategisch gelten – und entscheiden, ob Bergbau- und Geschäftsinteressen letztlich schwerer wiegen als der Widerstand der Bevölkerung vor Ort.