Berg Athos - Klöster überlebten dank osmanischer Toleranz

Osmanische Handschrift
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Von Ioannis Giagkinis

Der Berg Athos – Heimat von über 1800 orthodoxen Mönchen und kirchliche Republik mit 20 Großklöstern auf griechischem Territorium.

Das Pantokrator Kloster beherbergt einen Schatz: Die Bibliotheken der selbstverwalteten Gemeinschaft, die vor mehr als 1.000 Jahren gegründet wurde, sind eine Fundgrube für seltene, jahrhundertealte Werke in mehreren Sprachen. Jetzt werden sie zum ersten Mal von Wissenschaftlern gesichtet: Tausende Manuskripte aus der osmanischen Zeit, darunter die ältesten ihrer Art weltweit.

Es gibt etwa 1.300 byzantinische Originaldokumente, mehr als irgendwo sonst. Und wir haben die ältesten osmanischen Dokumente - vor dem Fall von Konstantinopel - die in den Klöstern des Berges Athos aufbewahrt werden.
Pater Theophilos
Mönch im Pantokrator-Kloster

Die Dokumente sind Produkte der osmanischen Besatzungsbürokratie, die Nordgriechenland noch vor dem Fall der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel 1453 bis Anfang des 20. Jahrhunderts beherrschte. Sie sind ein Schlüssel zum Verständnis des Leben der Mönche unter muslimischer Herrschaft.

Die Sultane liessen den Berg Athos als letztes Überbleibsel von Byzanz halb unabhängig, sie rührten ihn nicht an, nicht einmal Truppen waren hier stationiert.
Yiannis Niehoff-Panagiotidis
Byzanz-Experte
Die kleine, demokratischen Republik der Mönche war von allen Mächten um sie herum respektiert, weil der Berg Athos von allen als Stätte des Friedens und der Kultur gesehen wurde, wo Völker und Zivilisationen friedlich koexistierten.
Anastasios Nikopoulos
Freie Universität Berlin

Die Manuskripte erzählen eine Geschichte der Toleranz, die heute viele verwundert: Die osmanischen Eroberer stellten die Mönche unter ihren Schutz, sie bewahrten ihre Autonomie und schützten sie vor Einmischung von außen. So konnte die friedliche Gemeinschaft mehr als 1000 Jahre überleben - bis heute.