Deutschland ist bestrebt, "das richtige Gleichgewicht der Zusammenarbeit" mit China zu finden. Der Besuch kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für die deutschen Automobilhersteller, die sich der zunehmenden chinesischen Konkurrenz stellen müssen.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz wird nächste Woche, wenige Tage nach Beginn des chinesischen Neujahrsfestes, seinen ersten Besuch in China abstatten.
"Möge das Jahr des Pferdes den deutsch-chinesischen Beziehungen Kraft und neuen Schwung verleihen", schrieb Merz auf X und fügte hinzu, er freue sich darauf, bald nach China zu reisen.
Der seit Mai amtierende Bundeskanzler kündigte seine China-Reise auf dem Parteitag seiner konservativen Partei CDU in Stuttgart an.
"Wir brauchen Wirtschaftsbeziehungen mit der ganzen Welt, und dazu gehört natürlich auch ein Land wie China", sagte er und betonte, er werde "mit einer großen Wirtschaftsdelegation" reisen.
"Außenpolitik ist heute auch Außenwirtschaftspolitik, und Außenwirtschaftspolitik ist ein wesentlicher Teil unserer Wirtschaftspolitik", fügte er hinzu.
Richtige Balance der Zusammenarbeit
Friedrich Merz wird am Mittwoch in Peking von Ministerpräsident Li Qiang empfangen und trifft anschließend mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen.
Der deutsche Bundeskanzler wird die Verbotene Stadt in Peking und den deutschen Automobilhersteller Mercedes-Benz besuchen. Anschließend reist er nach Hangzhou, um das chinesische Robotikunternehmen Unitree und den deutschen Turbinenhersteller Siemens Energy zu besuchen.
Im Mittelpunkt des zweitägigen Besuchs stehen der "Wettbewerb" und die "richtige Balance der Zusammenarbeit", so ein Regierungssprecher.
Der Besuch findet zu einem kritischen Zeitpunkt für Deutschland statt, dessen Automobilhersteller mit der starken chinesischen Konkurrenz konfrontiert sind.
Deutschland hat versucht, trotz der Weigerung Pekings, die russische Invasion in der Ukraine zu kritisieren, solide Beziehungen zu China aufrechtzuerhalten, und gleichzeitig versucht, eine zu starke Abhängigkeit vom chinesischen Handel zu vermeiden.
Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, wurde China im vergangenen Jahr mit Exporten und Importen in Höhe von insgesamt 251,8 Milliarden Euro (297 Milliarden US-Dollar) wieder zum größten Handelspartner Deutschlands.
China hatte diesen Titel bereits von 2016 bis 2023 inne, wurde aber 2024 von den Vereinigten Staaten abgelöst. Während der Handel mit China im vergangenen Jahr zunahm, sank der Handel mit den USA auf 240,5 Milliarden Euro.
Neue globale Ordnung
"Heute distanziert sich China bewusst von den Vereinigten Staaten und erhebt den Anspruch, eine neue multilaterale Ordnung nach seinen eigenen Regeln zu definieren. Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit haben in diesem Verständnis keinen Platz. Bemühungen um ein universelles Bekenntnis zu den Menschenrechten werden dort als Einmischung in innere Angelegenheiten abgelehnt", so Merz.
In seiner Rede stellte Bundeskanzler Merz auch fest, dass das traditionelle, auf Regeln basierende internationale System nicht mehr existiert und durch eine sich rasch entwickelnde, von Großmächten dominierte globale Ordnung ersetzt wird. Um diesen Wandel zu bewältigen, müsse Europa seine wirtschaftlichen und militärischen Fähigkeiten stärken und gleichzeitig weltweit neue Handelspartnerschaften anstreben.