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China-Schock 2.0: Peking greift nach Deutschlands Industrie – und Berlin schaut zu

Arbeiterin in chinesischer Fabrik, Archiv
Arbeiterin in chinesischer Fabrik, Archiv Copyright  Copyright 2007 AP. All rights reserved.
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine neue Studie sieht die Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche nicht nur im Inland. Ökonomen warnen vor einem „China-Schock 2.0“. Doch die Bundesregierung reagiert zögerlich.

Die deutsche Wirtschaft kämpft seit Jahren mit schwachem Wachstum. In der wirtschaftspolitischen Debatte stecken dahinter insbeondere hohe Kosten sowie fehlende Innovationen und über Jahre gewachsene strukturelle Probleme.

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Viele Ökonomen sehen den Reformbedarf vor allem im Inland. Ifo-Präsident Clemens Fuest etwa fordert von der Bundesregierung, wie er im Gespräch mit Capital erklärt_,_ tiefgreifende Veränderungen, um Investitionen anzuregen, Innovation zu fördern und neue Wachstumsimpulse zu schaffen. Es brauche "einen umfassenden Ansatz, wie langfristig mehr Wachstum in Deutschland entsteht", so Fuest.

Eine neue Studie stellt diese verbreitete Sichtweise zumindest teilweise infrage. Unter dem Titel "China shock 2.0 – the cost of Germany’s complacency" argumentieren die Ökonomen Sander Tordoir und Brad Setser vom britischen Think Tank "Centre for European Reform", dass Deutschlands wirtschaftliche Schwäche primär auf den Druck durch die chinesische Industrie zurückgeht. Diese werde in zentralen Märkten zunehmend dominanter und könne so europäische Wettbewerber verdrängen.

Besonders in Bereichen wie Rohstoffen, seltenen Erden und chemischen Grundstoffen für die Pharmaindustrie habe China sich in den vergangenen Jahren stark etabliert. Gleiches gelte für Zukunftsbranchen wie Chips, Robotik, Batterien und Elektroautos. Nach Einschätzung der Autoren dominiere China viele dieser Märkte inzwischen sowohl technologisch als auch wirtschaftlich.

Sichtbar sei diese Entwicklung vor allem in der Automobilindustrie. Seit dem Ende der Corona-Pandemie hätten chinesische Hersteller ihre Position auf dem Weltmarkt erheblich ausgebaut. Für Tordoir und Setser ist das ein Hinweis darauf, wie schnell sich industrielle Machtverhältnisse verschieben können – mit potenziell gravierenden Folgen für traditionelle Industriestandorte.

Chinas Exporte steigen

Die Autoren gehen davon aus, dass europäische Unternehmen in den kommenden Jahren weiter Marktanteile verlieren könnten – nicht nur auf internationalen Märkten, sondern auch in Europa selbst. Als Beispiel verweisen sie auf die deutsche Solarindustrie, die einst als internationale Vorzeigebranche galt und heute kaum noch existiere. Auch der Niedergang industrieller Zentren in den USA in den 2000er Jahren dient ihnen als Warnung vor möglichen Entwicklungen in deutschen Industrieregionen.

Während viele Ökonomen vor allem hohe Lohnkosten, Bürokratie und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit kritisieren, sehen Tordoir und Setser den Hauptgrund für die Probleme in einer gezielten chinesischen Wirtschafts- und Industriepolitik. Durch Marktbarrieren, umfangreiche staatliche Unterstützung, strategische Kontrolle von Rohstoffen und wirtschaftspolitische Eingriffe habe China seinen Unternehmen erhebliche Vorteile verschafft.

Nach Darstellung der Studie zeigen sich die Folgen bereits deutlich. Chinas Exporte seien zuletzt deutlich stärker gewachsen als der Welthandel insgesamt, während Deutschland seit 2023 vor allem im Chinageschäft Rückgänge verzeichne. Dies habe laut den Autoren erhebliche Auswirkungen auf die industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung.

Aus ihrer Analyse leiten Tordoir und Setser konkrete politische Konsequenzen ab. Sie sprechen sich für stärkere Schutzmaßnahmen gegenüber chinesischer Konkurrenz aus. Dazu zählen höhere Importzölle in sensiblen Industriebereichen, eine stärkere Berücksichtigung europäischer Produkte und strengere Vorgaben für chinesische Unternehmen, die in Europa produzieren wollen. Auch Joint-Venture-Regelungen nach chinesischem Vorbild halten sie für denkbar.

Deutschland bremst bei härterem China-Kurs

Deutschland reagiert auf solche Vorschläge bislang eher zurückhaltend. Gründe dafür sind unter anderem die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China sowie die Sorge vor Gegenmaßnahmen. Gleichzeitig bleibt Europa in zentralen Bereichen auf chinesische Lieferungen angewiesen, etwa bei wichtigen Rohstoffen und industriellen Vorprodukten.

Um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Peking zu stärken, reist Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) diese Woche selbst nach China. Im Gepäck hat sie eine Delegation von rund 40 Unternehmensvertretern, die mögliche Kooperationen vorantreiben wollen.

Gleichzeitig wächst in der Europäischen Union der Unmut: Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande sowie Litauen fordern in einem informellen Positionspapier entschiedener gegen Chinas Handelspraktiken vorzugehen. Deutschland schloss sich dem Vorstoß nicht an. Im März forderte Bundeskanzler Friedrich März (CDU) ein Handelsabkommen mit Peking abzuschließen. Brüssel wies das zurück.

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