Das als Gastgeber für das Treffen im nächsten Jahr vorgesehene Albanien kommt beim neuen Bündnisziel von fünf Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben kaum voran. Nun werfen die USA und andere Partner einen kritischen Blick nach Tirana.
Albanien könnte den Zuschlag als Gastgeber des NATO-Gipfels im kommenden Jahr verlieren. Tirana hat zentrale Ausgabenziele der Allianz bislang verfehlt.
Wie Euronews bereits berichtete, enthält der Entwurf für die Abschlusserklärung des NATO-Gipfels in Ankara in der kommenden Woche keinen Hinweis mehr auf einen Gipfel in Albanien. Dabei hatte die Allianz den Austragungsort bereits bekannt gegeben.
Dass die Erklärung diesen Verweis streicht, ist kein Versehen. Nach Angaben aus Bündniskreisen wollen NATO-Verantwortliche Albanien damit unter Druck setzen.
Druck auf Tirana wächst
Eine NATO-Quelle bestätigte am Mittwoch, dass sich an der Lage nichts geändert hat. Das Bündnis sende eine "starke Botschaft" an Tirana, Albanien könne seine Gastgeberrolle verlieren, falls die Regierung nicht "nachlegt und mehr Geld ausgibt".
Die NATO-Staaten hatten sich beim Gipfel im vergangenen Jahr in Den Haag darauf verständigt, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 deutlich auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Albanien liegt mit derzeit rund 1,49 Prozent allerdings noch weit vom ursprünglichen NATO-Ziel von zwei Prozent entfernt.
Albanien steht mit dem Problem nicht allein da. Auch Slowenien und Tschechien gelten in der Allianz als Länder, die beim Ausbau der gemeinsamen Verteidigung zu wenig beitragen. Im NATO-Bericht zu den Verteidigungsausgaben der einzelnen Staaten für 2025 tauchen beide zwar mit einem Anteil von zwei Prozent auf. Nach Angaben von NATO-Quellen gegenüber Euronews spiegeln diese Zahlen die Lage jedoch nicht korrekt wider.
Die USA kritisieren Bündnispartner, die sie als Nachzügler bei den Verteidigungsausgaben sehen, und verlangen Belege, dass diese Staaten einen "glaubwürdigen" Plan haben, um das Ziel von 5 Prozent im vereinbarten Zeitraum zu erreichen.
Trittbrettfahrer in der NATO?
Europäische Staaten könnten sich nicht länger "auf Kosten anderer durch die Sicherheitsarchitektur tragen lassen", sagte der US-Botschafter bei der NATO, Mathew Whitaker, am Mittwoch vor Journalistinnen und Journalisten. Einige Partner hätten "auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler Trittbrett gefahren – und genau das ist im NATO-Bündnis vorgekommen", so Whittaker.
Alle 32 Bündnispartner kommen vom 7. bis 9. Juli in Ankara zum jährlichen Gipfel zusammen, den die Türkei ausrichtet. US-Präsident Trump hat seine Teilnahme in der vergangenen Woche bestätigt. Auch US-Außenminister Marco Rubio wird anreisen.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird erwartet, ebenso die Staats- und Regierungschefs von Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.