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Starke oder plötzliche Blutungen: Verändern Covid-19-Impfungen die Menstruation?

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Von Alexandra Leistner
Eine Frau lässt sich während einer Impfkampagne in Sao Joao de Meriti, Brasilien, am Mittwoch, 11. August 2021, gegen COVID-19 impfen.
Eine Frau lässt sich während einer Impfkampagne in Sao Joao de Meriti, Brasilien, am Mittwoch, 11. August 2021, gegen COVID-19 impfen.   -   Copyright  Bruna Prado/AP
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Verspätete, unregelmäßige Menstruation oder besonders starke Schmerzen: Zahlreiche - vor allem junge - Frauen haben eine Veränderung ihres Zyklus im Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung festgestellt. Berichte über eine Auswirkung auf die Regelblutungen hatten sich gerade in den Sozialen Netzwerken gehäuft, und das Vorkommen wird mittlerweile von Gesundheitsexpert:innen bestätigt. Allerdings wird darauf verwiesen, dass es sich bei einem überwiegenden Teil der Fälle nur um eine zeitlich beschränkte Veränderung handelt.

Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran hatte die Nebenwirkungen einer Covid-19-Impfung auf den Menstruationszyklus in einem Radiointerview in dieser Woche als "vorübergehend und harmlos" eingestuft und erklärt, dass die "Störungen" wahrscheinlich durch die von der Impfung ausgelösten Entzündungsreaktion kommen.

Es sei unklar, ob die "offensichtlichen Veränderungen auf die COVID-19-Infektion/Krankheit selbst oder auf andere pandemiebedingte Faktoren wie erhöhten psychologischen Stress und verändertes Gesundheitsverhalten zurückzuführen sind", heißt es in einer Studie geleitet von der Wissenschaftlerin Gemma Sharp von der Universität in Bristol.

Nachdem immer mehr Frauen weltweit von einer veränderten Menstruation berichteten, widmen sich aber auch mehr Studien dem Thema. Das Team der Boston University (BU) School of Public Health unter der Leitung der Epidemiologin Lauren Wise will Daten von rund 1.800 Frauen auswerten während sechs Zyklen nach der Impfung beobachten. Ergebnisse soll es zwar erst im Frühjahr 2022 geben, Wise wird auf der Seite der BU aber schon vorab mit einer Hypothese zitiert: "Jeder Wirkstoff, der eine Immunreaktion auslöst, könnte zelluläre Prozesse in der Gebärmutter und den Eierstöcken beeinflussen".

Auch die Anthropologin Dr. Kathryn Clancy von der Universität in Illinois beschäftigt sich mit dem Thema. In einem Tweet vom Februar 2021 fragte die auf Menstruation spezialisierte Wissenschaftlerin, ob andere Frauen besonders starke Blutungen nach der Covid-Impfung erlebt haben. "Eine Kollegin hat mir erzählt, dass sie von anderen gehört hat, dass ihre Periode nach der Impfung stärker war. Ich bin neugierig, ob andere Menstruierende auch Veränderungen bemerkt haben? Ich befinde mich anderthalb Wochen nach Dosis 1 von Moderna, habe meine Periode vielleicht einen Tag oder so früher bekommen und es fließt, als wäre ich wieder in meinen 20ern."

Auf den Post gab es zahlreiche Reaktionen, in rund 1.100 Kommentaren berichten Frauen von Erfahrungen im Zusammenhang von Menstruation und Covid-Impfungen.

Mittlerweile haben die beiden Forscherinnen eine Studie zu dem Thema ins Leben gerufen.

"Ich dachte, ich werde VERRÜCKT", schreibt Whitney Ricketts als Antwort auf Clancys Tweet. Ihre Periode nach der ersten Impfung habe 16 Tage gedauert.

"Jedes Mal, wenn ein Entzündungsphänomen auftritt, selbst wenn es sich um eine Grippe oder einen anderen Virus handelt, kann der Entzündungsmechanismus den darauf folgenden Hormonzyklus ein wenig verschieben oder stören", erklärt auch Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran die wahrgenommenen Veränderungen. "Zum jetzigen Zeitpunkt liegen mir keine Informationen über die Schwere und keine Hypothese über die Folgen vor".

Hinweise über bleibende Beeinträchtigungen kann auch das in Deutschland für Nebenwirkungen von Arzneimitteln zuständige Paul Ehrlich Institut (PEI) nicht feststellen. In dem Sicherheitsbericht zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen bei den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen, ist von 310 Verdachtsfallmeldungen von Zyklusstörungen die Rede, fast 10 Prozent bezeichneten die sogenannten unerwünschten Ereignisse als "schwerwiegend".

"Unter Berücksichtigung der Anzahl geimpfter Frauen in den relevanten Altersgruppen und der Häufigkeit von Zyklusstörungen erscheint die Zahl der Meldungen nicht ungewöhnlich hoch zu sein, wenngleich davon auszugehen ist, dass viele, insbesondere vorübergehende Zyklusstörungen, nicht berichtet werden", heißt es in dem PEI-Bericht.

Weil es in anderen Ländern zu ähnlichen Meldungen kam, hat sich seit Ende August auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) mit dem Thema befasst. In einem Bericht von Mitte August teilte die Behörde mit, dass bisher kein "kausaler Zusammenhang" zwischen einer Covid-Impfung und Zyklusstörungen gebe, der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee PRAC) hat die Hersteller der Impfungen aber aufgefordert, Daten vorzulegen. Das Thema werde weiter beobachtet.