Der frühere ungarische Außen- und Außenhandelsminister Péter Szijjártó, heute Parlamentarier, hat an diesem Mittwoch auf Facebook mitgeteilt, er beende seine politische Laufbahn und wechsle als Topmanager zum chinesischen Autobauer BYD.
Der frühere Chef der ungarischen Diplomatie, Péter Szijjártó, legt sein Parlamentsmandat nieder und wechselt zum Konzern BYD. Das gab er an diesem Mittwoch auf seiner Facebook-Seite bekannt.
"Ich habe meinen Rücktritt von meinem Parlamentsmandat eingereicht. Der Grund ist, dass ich ein außerordentlich ehrenvolles Angebot von einem der prägenden Unternehmen der Weltwirtschaft erhalten habe, eine internationale Position zu übernehmen", schrieb der frühere ungarische Außen- und Außenwirtschaftsminister.
Er wird im chinesischen Konzern BYD für die externen Beziehungen und die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche verantwortlich sein. Szijjártó fügte hinzu, BYD sei eine der größten Erfolgsgeschichten der Automobilindustrie der vergangenen zwanzig Jahre und zugleich der weltweit führende Hersteller von Fahrzeugen mit neuer Antriebstechnologie.
BYD Ungarn teilte dazu der Nachrichtenagentur MTI mit, dass Péter Szijjártó eine "globale, internationale Position" übernehmen und nicht Teil der Unternehmensführung in Ungarn sein werde.
Wechsel vor anspannten wirtschaftlichen Verhältnis zwischen EU und China
Der ungarische Ex-Minister und Noch-Parlamentarier wechselt in einer Zeit angespannter Handelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und der Volkrepublik China, nicht nur auf dem Automarkt. Die Chinesen haben in der Branche meilenweit aufgeholt und überholt: In diesem Frühjahr kam die Meldung, dass die EU zum ersten Mal mehr Autos und Teile aus China importierte als dorthin exportierte. Im Bereich der Elektroautos, in dem BYD aktiv ist, hatte die EU seit 2024 mit Strafzöllen auf batteriebetriebene Autos versucht, den Wettbewerbsnachteilen der europäischen Hersteller gegenüber der staatlich subventionierten Konkurrenz aus dem Reich der Mitte etwas entgegenzusetzen. Vorausgegangen war eine Anti-Dumping-Untersuchung. Im Januar dieses Jahres einigten sich die EU und China auf den Umstieg auf Mindestpreise, die die EU mit chinesischen Herstellen vereinbart, statt Strafzöllen.
Die Zölle gelten allerdings auch nur für rein batteriebetriebene Autos, nicht für Hybridfahrzeuge. Einer aktuellen Studie des europäischen Verkehrsverbands Transport and Environment (T&E) zufolge dämmten sie die Einfuhr von E-Autos chinesischer Hersteller kaum ein, insbesondere BYD und Geely hätten ihre Importe nach Europa deutlich steigern können. Zudem setzten die Chinesen vermehrt auf den Export von Plug-in-Hybrid-Modellen, für die die Strafzölle nicht gelten, und verlagerten dem Verband zufolge auch einen größeren Teil ihrer E-Auto-Produktion nach Europa.
Auch in anderen Wirtschaftssektoren kämpft die EU mit einem wachsenden Handelsdefizit gegenüber China. Die Mitgliedstaaten gaben der EU-Kommission beim Gipfeltreffen Mitte Juni den Auftrag, im Dialog mit Peking konkrete Schritte zur Neujustierung des Handelsverhältnisses zu erarbeiten.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič traf Ende Juni den Chinas Handelsminister in Brüssel und kündigte eine Reise in die Volksrepublik im Herbst an. Er erklärte damals, die Europäische Union wolle bis Oktober im Dialog mit China "greifbare" Ergebnisse erzielen.
Szijjártó: Orbán-Getreuer und Lawrow-"Flüsterer"
Péter Szijjártó, 48 Jahre alt, sitzt seit 2002 für die Fidesz-Fraktion im Parlament. Im zweiten Kabinett Orbán war er ab 2010 zwei Jahre lang als Beauftragter des Ministerpräsidenten dessen Sprecher und leitete den Presse- und Organisationstab des Regierungschefs. Von 2012 bis 2014 arbeitete er in der Kanzlei des Regierungschefs als Staatssekretär für außen- und außenwirtschaftliche Beziehungen, ab Juni 2014 als parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Außenwirtschaft und Außenpolitik.
Er verantwortete die Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zur Russischen Föderation und die Koordinierung weiterer bilateraler Kontakte. Von September 2014 bis zur Parlamentswahl 2026 war er Außen- und Außenwirtschaftsminister Ungarns.
In der Europäischen Union geriet er in den letzten Monaten der Orbán-Regierung in Verruf, weil er während EU-Gipfeltreffen mit dem russischen Außenminister Lawrow telefonierte und diesem vertrauliche Informationen über die Verhandlungen mit der Ukraine weitergegeben haben soll.