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"Endlich habe ich den Gitarren-Wald erwischt"

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"Endlich habe ich den Gitarren-Wald erwischt"

Pampas und Gitarren-Wald
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Der Kosmonaut Sergei Nikolajewitsch Rjasanski ist stolz auf seinen Schnappschuss: Endlich gelang es ihm, von der ISS aus den Gitarrenwald in Argentinien zu knippsen. Kein leichtes Unterfangen bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern im All.

Ein Wald aus Gitarren

Er besteht aus 7.000 Bäumen: grüne Zypressen für den Gitarrenkörper und blauer Eukalyptus für die Saiten. Das Pflanzenkunstwerk gibt es wirklich, es erstreckt sich über einen Kilometer Länge in der Nähe von Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens.

Eine Liebeserklärung

Es ist das Lebenswerk von Pedro Martin Ureta, der heute über 75 Jahre alt ist. Der Bauer pflanzte seiner Frau Graciela Yraizoz ein grünes Denkmal, als diese 1977 überraschend an einer Gehirnblutung starb. Sie war mit ihrem fünften Kind schwanger. Ein Tod, von dem sich Ureta nicht so schnell erholte. Der Tochter Maria Julia zufolge war es diese Initiative, die ihm seine Frau wieder nahebrachte.

Vom Milcheimer zum Gitarrenwald

Denn Graciela war es, die ihn auf die ungewöhnliche Idee brachte. Nach einer stürmischen Liebesheirat bekam das junge Paar vier Kinder. Als die junge Mutter eines Tages die Pampa überflog, habe sie einen Bauernhof in Form eines Milcheimers entdeckt. Da sie Gitarrenmusik liebte, kam sie auf die Idee, einen Gitarrenwald anzulegen. Doch Pedro Martin hatte keine Zeit. Sein 36-jähriger Sohn Ezequiel erinnert sich, "mein Vater war jung und sehr beschäftigt mit seiner Arbeit. Er vertröstete meine Mutter auf später. Wir reden später darüber, sagte er ihr."

Doch dann starb Graciela mit 25 Jahren. Uretas Leben erfuhr eine tragische Wende, er blieb allein mit vier Kindern zurück. Der argentinische Bauer begann, sich für Philosophie und Buddhismus zu interessieren. Tochter Soledad sagt: "Er bedauerte, nicht auf meine Mutter und ihre Idee zum Gitarrenwald gehört zu haben."

Einige Jahre später krempelte Ureta seine Ärmel hoch. Er wollte seine Farm in den Gitarrenwald verwandeln. Auf die Hilfe von Landschaftsgärtnern verzichtete er. Der Argentinier stellte sich vor eine Gitarre und nahm Maß. 

Ein Familienunternehmen

Ganz allein war er jedoch nicht. Auch seine vier Kinder packten mit an. Soledad erinnert sich: "Wir stellten uns alle mit drei Meter Abstand in eine Reihe, jeder pflanzte einen Baum." Und so weiter. Doch mehrere Jahre mussten vergehen, bis der Wald Form annahm: Wilde Tiere kamen und fraßen die Setzlinge. Schließlich errichtete Ureta einen Zaun: "Ich musste wieder und wieder neu pflanzen, fast hätte ich aufgegeben," sagt der Familienvater.

Sein neues Leben

Heute hat Ureta neun Enkelkinder. Und seit 1990 ist er wieder verheiratet. Auch seine zweite Frau ist angetan vom Gitarrenwald.

Der romantische Bauer hat sein Kunstwerk jedoch nie von oben gesehen - denn er hat Flugangst. Aber er hofft, dass es Graciela im Himmel erfreut.