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Leidenschaft für utilitaristische Infrastruktur: Im Gespräch mit João Bernardino

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Leidenschaft für utilitaristische Infrastruktur: Im Gespräch mit João Bernardino

Leidenschaft für utilitaristische Infrastruktur: Im Gespräch mit João Bernardino
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© João Bernardino
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João Bernardino (@joao.bernardino) mit seiner Leidenschaft für alte Industriegebiete und Fahrzeuge der zweite Fotograf, den wir für European Lens vorstellen.

© João Bernardino

Er stammt aus Portugal und ist Designer, Illustrator, Fotograf und Professor, der sich für den Konflikt zwischen Mensch und Natur interessiert. Bernardinos Linse sucht nach Geschichten, die von der Transformation vom Industriezeitalter zur Gegenwart erzählen.

Bernardinos Interesse an utilitaristischer Landschaftsfotografie hat Euronews aus vielen Gründen in den Bann gezogen, vor allem wegen der starken Gefühle, die seine Fotos beim Betrachter auslösen.

Stille inmitten von Chaos: Eine brutale Ruhe, die jedes seiner Bilder ausstrahlt.

Bernardinos Fotos zu betrachten, ist wie das Gefühl, das einen nach dem Beenden eines guten Buches beschleicht. Sie stimmen nachdenklich und lassen den Betrachter über Sinn grübeln.

Euronews hat mit Bernadino gesprochen, um mehr über seine Arbeit zu erfahren. Hier ist unser Gespräch.

Wie begann Ihre fotografische Reise?

Alles begann in Lissabon, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich war auf einer sehr bekannten Kunstschule. Im Grunde genommen haben wir einer Kamera angefangen und danach Physik und Chemie auf die Fotografie angewendet.

Ich hatte schon vorher meine erste Kamera, es war eine Zenit-Spezialausgabe von 1980 für die Olympischen Spiele in Moskau, ein Geschenk von meinem Großvater, und ich benutzte sie fast 20 Jahre lang. Ich erinnere mich, dass ich sie 1999 auf einer Reise nach Marokko verwendet habe, in der ich die erste Filmserie gemacht habe, die mir viel Spaß machte. Danach experimentierte ich viel mit Fotografie an der Universität, aber immer als Teil eines viel größeren Plans: meine Designprojekte.

Also kann ich wirklich sagen, dass meine Verbindung zur Fotografie weit zurückreicht. Aber vor nicht allzu vielen Jahren habe ich dank der mobilen Fotografie und Instagram begonnen, meine Leidenschaft für Fotografie zu erweitern.

Was sind Ihre Reiseutensilien und welche Kamera verwenden Sie?

Ich habe eine Fujifilm X-T20 und verwende mehrere Fujinon-Objektive: 10-24mm, 18-55mm, 55-200mm und manchmal auch die 56mm. Auch auf Reisen bringe ich immer mein iPad zur Bearbeitung mit.

Was möchten Sie wissen, bevor Sie anfangen Fotos zu machen?

Dass ich in den Ländern, in die ich zuvor gereist bin, nicht mehr fotografiert habe. Besonders an Orten wie Japan, den es ist sehr weit weg und ich nicht weiß, wann ich dorthin zurückkehre. Ich bedaure auch, dass ich im Maghreb keine weiteren Aufnahmen gemacht habe, da hat sich in den letzten 10 Jahren so viel verändert.

Life as it is. Fishing dock scene. #porto

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Wie würden Sie Ihren fotografischen Stil beschreiben?

Vor nicht allzu langer Zeit hat jemand das literarische Konzept des Konflikts - also den Konflikt zwischen Mensch und Natur - mit meinem Fotostil verglichen. Ich identifiziere meine Arbeit mit diesem Konzept, besonders in den letzten zwei Jahren, seitdem sich meine Fotografie gänzlich von meinen frühen Arbeiten löste. Denn die früheren Werke waren mehr von Design- und Illustrationsideen und -konzepten geprägt.

Welcher ist Ihr Lieblingsort oder Ihre favorisierte Fotografie?

Ich fotografiere sehr gerne utilitaristische und industrielle Infrastruktur und Fahrzeuge, aber keine protzigen und zeitgenössischen. Sie müssen mit dem modernistischen Fortschrittsbegriff in Einklang gebracht werden und stehen vorzugsweise in widrigen Wetter- und Lichtverhältnissen. Ich gehe auch gerne in den frühen Morgenstunden durch die Stadt, bevor sie geschäftig und voll wird.

Haben Sie einen Lieblingsort in Europa und wenn ja, warum?

Mein Lieblingsort ist immer der nächste oder einen, den ich noch nicht besucht habe, aber plane eines Tages dorthin zu gehen. Ich muss zugeben, dass meine derzeitigen Lieblingsorte in der Peripherie Europas liegen, Apulien in Süditalien, wohin ich in ein paar Monaten fahren werde oder nach Svalbard in Norwegen - dorthin will ich auf jeden Fall.

Was ist das unvergesslichste Foto, das Sie je gemacht haben?

Early morning street life in Porto. #fujifilmxpt #xf56mm

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Es war früh am Morgen, ich war in der Stadt Porto und testete das 56mm f1.2 Ojektiv, eine ultrascharfe Linse mit einem hervorragenden Bokeh, und ich schaffte es, dieses alte Paar zu verewigen. Ich fühlte, dass ich für ein paar Sekunden in ihre Welt gekommen war, und dass ich es geschafft hatte, den Stil und den Geist einer ganzen portugiesischen Generation einzufangen. Diese Aufnahme ließ mich viel über meine Arbeit nachdenken und darüber, dass ich nicht so viel Straßenfotografie mache, wie ich gerne würde.

Gibt es Dinge, die Sie nie fotografieren möchten?

Nein!

Verfolgen Sie Bernardinos Arbeiten - und die anderer europäischer Lens-Fotografen - mit Euronews' Instagram-Account @euronews_englisch.

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