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Das Ziel der "Freiwilligen Piloten": Leben retten

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Das Ziel der "Freiwilligen Piloten": Leben retten

Das Ziel der "Freiwilligen Piloten": Leben retten
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Aus 600 Metern Höhe ist das Mittelmeer endlos und von einem strahlenden Blau. Aber das Gewässer, das Afrika und Europa trennt, ist zum Massengrab geworden. Migranten auf der Flucht vor Armut und Gewalt riskieren auf dieser Überfahrt ihr Leben. Mehr als 3000 Menschen sind im vergangenen Jahr im Mittelmeer ertrunken.

"Unser Hauptziel ist, dass diese Menschen nicht ertrinken."

Benoit Micolon Ehranamtlicher bei den "Freiwilligen Piloten"

Benoit Micolon gehört zu denen, die sich entschieden haben, etwas dagegen zu unternehmen. Mit seinem Freund Jose Benavente kaufte er ein einmotoriges Flugzeug. Damit fliegt er Aufklärungsflüge über internationalen Gewässern vor der Küste Libyens. Die Piloten suchen Migrantenboote, bevor es für die Menschen darauf zu spät ist:

"Unser Hauptziel ist, dass diese Menschen nicht ertrinken. Dann können wir nur hoffen, dass sie an einen sicheren Ort gebracht werden", sagt Benoit Micolon von der Hilfsorganisation "Pilotes Volontaires" zu deutsch "Freiwillige Piloten.

Heute fliegt Benoit mit Carola. Sie ist für die Navigation zuständig und hält den Kontakt mit den Bodenbehörden. Nach ein paar Stunden Flug lokalisieren sie ein Flüchtlingsboot:

"Es ist ein Gummiboot, wie fast alle, die wir finden. Aber es ist extrem selten, dass sie es so weit schaffen. Wir sind 150 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Ich habe keine Ahnung, wie sie hierher gekommen sind. Wir werden versuchen, den Zustand des Bootes zu überprüfen, ob es noch gut aufgeblasen ist. Ich glaube, sie haben uns gesehen", so Micolon.

Auf sich selbst gestellt

Über die Kommandozentrale der "Pilotes Volontaires" werden die Bodenbehörden informiert. Aber kein Küstenwachschiff kann in dieses Gebiet geschickt werden. Und kein Rettungsboot freiwilliger Helfer ist in der Nähe. Es liegt an Benoit und Carola, eine Lösung zu finden:

"Unsere Kommandozentrale riet uns, nach einem Boot zu suchen, das uns hilft. Das ist uns schon mal passiert. Wahrscheinlich, weil sie sich nicht mit den Libyern abstimmen können, wir sind sehr weit von der Küste entfernt. Also werden wir versuchen, einen Tanker, ein Fischerboot, was auch immer in der Nähe ist, zu finden. Das ist unsere einzige Möglichkeit", so der Pilot.

Benoit fliegt weg vom Migrantenboot. Er weiß, dass sie nicht viel Zeit haben - das Gummiboot ist seit mindestens 12 Stunden im Wasser und könnte jede Minute sinken. Nicht weit entfernt finden sie ein Frachtschiff aus Singapur. Carola setzt einen Notruf ab. Nach ein paar gescheiterten Versuchen bekommt der Kapitän die Nachricht und sagt Hilfe für das Schlauchboot zu. Aber unser Flugzeug kann nicht bleiben, um das zu überprüfen. Wir müssen zurück an Land:

"Nach viereinhalb Flugstunden geht es nun zurück nach Lampedusa. Die Sonne geht unter und wir können nicht riskieren, in der Dunkelheit zu fliegen. Wir wissen, dass ein weiteres Boot nicht weit von hier gesehen wurde, aber im Moment bleibt nicht genug Zeit, um das zu überprüfen. Aber eine Sache ist ganz klar, es wird so weitergehen. Alle, die an diesen Rettungsmissionen beteiligt sind, sagen dasselbe: Es werden weiter Boote kommen, die Menschen werden weiterhin versuchen, von Libyen nach Europa zu gelangen", sagt euronews-Reporterin Anelise Borges.

Stimmung gegen Migranten wächst

Freiwillige wie Benoit und Carola müssen gegen viele Widerstände kämpfen. Ihre Arbeit wird immer schwieriger, die Stimmung gegen Migranten in Europa wächst. Und ihre Mission hängt von Spenden ab, um den Betrieb fortzusetzen. Aber Benoit und Carola sagen, solange es Menschen gibt, die verzweifelt genug sind, auf diese Art das Mittelmeer zu überqueren, werden sie an Bord der "Colibri" nach ihnen Ausschau halten.