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Auf Militärbasis gestrandet: Flüchtlinge dürfen nach 20 Jahren nach Großbritannien

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Auf Militärbasis gestrandet: Flüchtlinge dürfen nach 20 Jahren nach Großbritannien

Auf Militärbasis gestrandet: Flüchtlinge dürfen nach 20 Jahren nach Großbritannien
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Emmanuel Araya
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Eine Gruppe von Flüchtlingsfamilien, die zwei Jahrzehnte lang auf einem britischen Militärstützpunkt in Zypern gestrandet war, hat eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Großbritannien erhalten.

Die sechs Familien gehörten zu einer Gruppe von 75 Menschen, die im Oktober 1998 aus Äthiopien, dem Irak, dem Sudan und Syrien geflohen waren und vom Libanon aus die gefährliche Reise über das Mittelmeer unternahmen – in der Hoffnung, Italien zu erreichen.

Ihr gewünschtes Ziel erreichte die Gruppe nie. Ihr Fischerboot nahm während der Reise Wasser auf und war vor der Küste der British Sovereign Base Areas (SBA) in Zypern gesunken.

"Ich würde nie jemandem empfehlen, sich auf diese Reise zu begeben", sagte Tag Bashir gegenüber Euronews. Er ist Vater einer der Familien, die vor dem sudanesischen Krieg geflohen waren. Aber "wenn ich diese Reise nicht angetreten hätte, wäre ich vielleicht schon im Krieg gestorben."

"Als das Boot kaputt ging wurden wir von der britischen Basis in Akrotiri gerettet. Wir hatten Glück," sagt Bashir. Nach ihrer Rettung wurden er und Oberhäupter der anderen fünf Familien festgehalten. Sie wurden erst freigelassen, nachdem sie legal als Flüchtlinge anerkannt wurden.

Dort mussten sie sich nun ein Leben aufbauen

In den fast zwei Jahrzehnten danach waren die Familien gezwungen, ihr Leben in einer rechtlichen Grauzone auf der Militärbasis wieder aufzubauen, während die britische Regierung wiederholt die Verantwortung für sie ablehnte. Ihre Rechte als Flüchtlinge wurden nicht beachtet. Großbritannien beharrte darauf, dass die aufgeführten Rechte in der Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen von 1951 nicht für die Basis in Zypern gelten.

Es war "nicht einfach, das Leben auf der Basis zu beginnen", sagte Bashir. "Es war eine Kampf, den wir überstehen mussten. Es war beängstigend, frustrierend und wir waren alle wütend.“

Die Lebensbedingungen waren schlecht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sagte in einem im Mai 2017 veröffentlichten Bericht, es sei "seit langem ernsthaft besorgt über die Not und die prekäre Situation dieser Flüchtlingsgruppe".

"SBAs sind Militärbasen und sind nicht für dauerhafte Behausungen geeignet, deshalb hatten die Flüchtlinge nur begrenzten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung...."

Unter Berufung auf eine psychologische Bewertung aus dem Jahr 2013 sagte das UNHCR, dass man auch "die negativen Folgen dokumentiert habe, die sich daraus ergeben, dass diese Flüchtlinge und Asylsuchende so lange in dieser Zwangslage bleiben".

Bashirs Sohn, der 18-jährige Emmanuel, der in Akrotiri geboren wurde und auf der Basis aufgewachsen ist, erzählte Euronews, dass es das Schlimmste am Leben auf der Basis sei, "in einem Zustand der Ungewissheit zu stecken".

Du bist "gefangen an einem Ort, an dem du nicht vorwärts oder rückwärts gehen kannst – nicht in der Lage, derjenige zu sein, der über die eigene Zukunft entscheidet. Der Gedanke daran ist Tag für Tag erschreckend."

Rechtsstreit und Wohnsitz in Großbritannien

Im Jahr 2014 weigerte sich die damalige britische Innenministerin Theresa May, die Familien in das Vereinigte Königreich aufzunehmen, was 2017 vor einem Berufungsgericht als rechtswidrige Entscheidung angefochten. Und etwas mehr als ein Jahr später erhielten die Familien schließlich unbefristeten Aufenthalt für die Einreise nach Großbritannien.

"Wir möchten nur allen danken, die so hart gearbeitet haben, um uns zu helfen, diesem 20-jährigen Albtraum zu entkommen", sagte Bashir in einer Erklärung seiner Anwälte. "Ich kann nicht ausdrücken, wie glücklich unsere Familien sind, dass sie die Möglichkeit haben, nach Großbritannien zu kommen und unser Leben neu zu beginnen."

Rechtsanwältin Tessa Gregory, die den Rechtsstreit der Familien übernommen hatte, sagte, sie sei "erfreut, dass der derzeitige Innenminister etwas so Humanes getan hat", indem er ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung erteilte. "Diese sechs Flüchtlingsfamilien, die 1998 auf einem britischen Militärstützpunkt angespült wurden, flohen vor schrecklichen Zuständen in ihren eigenen Ländern. Anstatt als Flüchtlinge in Großbritannien aufgenommen zu werden, befinden sie sich seit zwanzig Jahren in der Schwebe und ziehen ihre Familien in minderwertigen Wohnungen auf, die mit tödlichem Asbest durchsetzt sind."

Hoffnungen für die Zukunft

In seinem Gespräch mit Euronews sagte Tag Bashir, dass er das zypriotische Wetter vermissen würde, doch er freue sich, sein Leben nun auf die "richtige Weise" gestalten zu können. "Wir freuen uns sehr für unsere Kinder – sie haben eine bessere Zukunft, wenn sie nicht hier bleiben müssen", sagte er.

Emmanuel erzählte Euronews von seinem Interesse an Kunst und Musik und seinem langjährigen Wunsch, den er sich nun erfüllen könne: "Seit ich 13 bin ich will studieren, mehr lernen und Orte erkunden."

"Nicht dafür verurteilt zu werden, welche Papiere ich habe und welche nicht, ist eine Erleichterung. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen", fügte er hinzu.

Zur Zukunft der Familien sagte der Sprecher des UNHCR, Matthew Saltmarsh, dass derzeit entsprechende Schritte unternommen werden, um herauszufinden, "wie die Menschen am besten unterstützt werden können, um ihnen bei der Integration in Großbritannien und beim Wiederaufbau ihres Lebens zu helfen".