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Umfrage: Britische Industrie hortet „Brexit“-Vorräte

Umfrage: Britische Industrie hortet „Brexit“-Vorräte
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Die britische Industrie füllt vor dem nahenden EU-Austritt ihre Lager auf.

Dadurch stieg der Einkaufsmanagerindex im Dezember um 0,6 auf 54,2 Punkte und erreichte damit den besten Wert seit einem halben Jahr, so das Institut IHS Markit zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage. Keiner der von Reuters befragten Ökonomen hatten mit einem so kräftigen Anstieg gerechnet. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer Wachstum.

Experten rechnen aber mit einem baldigen Ende des Höhenflugs. “Der Ansturm, vor dem "Brexit" noch Waren zu horten, ist jetzt in vollem Gange”, so Ökonom Francesco Arangeli vom britischen Industrieverband EEF. “Die nahe Zukunft verspricht eine holprige Fahrt für britische Hersteller zu werden.”

Sollten nach dem EU-Austritt in drei Monaten Grenzkontrollen eingeführt werden, wird mit langen Staus auf beiden Seiten des Ärmelkanals gerechnet. Dem versuchen die Unternehmen vorzubeugen, indem sie Vorräte aufbauen. Der daraus resultierende positive Effekt für die Konjunktur dürfte nicht von Dauer sein, erwartet Markit-Experte Rob Dobson. 2019 werde sich das umkehren, wenn die Bestände wieder abgebaut werden oder veraltet seien.

Hamsterkäufe“ – so nennt es Ron van het Hof, CEO des Kreditversicherers Euler Hermes in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz ). „Um mögliche Zölle, Verzögerungen oder gar Unterbrechungen der Lieferkette zu vermeiden, horten britische Unternehmen immer mehr Importwaren, die sie für ihre Produktion zwingend benötigen. Sie wollen vorbereitet sein“, so van het Hof.

BMW, Ryanair oder Airbus – sie alle haben bereits öffentlich betont, dass sie sich auf einen harten Brexit ohne Abkommen vorbereiten. Der britische Medikamentenhersteller Astra Zeneca hatte bereits im Sommer angekündigt, seine Lager in Krankenhäusern und Apotheken um 20 Prozent aufzustocken, um im schlimmsten Falle eine Lieferunterbrechung für ein paar Wochen überbrücken zu können.

Vor allem für den Warenverkehr zwischen der EU und UK wird es durch den "Brexit" eine Reihe von Verschlechterungen geben. Zollkontrollen und Staus wären für die Lieferkette ein Desaster, nicht nur für Branchen, die wie die Automobilindustrie auf das „Just in Time“-Prinzip setzen.

Die Wahrscheinlichkeit eines „No Deal“-Szenarios beziffert Euler Hermes inzwischen mit 25 Prozent. In einer früheren Studie lag dieser Wert noch bei 5 Prozent. Experten rechnen in einem solchen Fall damit, dass die Regeln der Internationalen Handelsorganisation WTO greifen und etwa vier bis fünf Prozent Zölle auf beiden Seiten des Ärmelkanals anfallen würden. Das britische Pfund würde massiv abwerten. Exportverluste in Höhe von etwa 30 Milliarden Euro auf britischer Seite wären die Folge. Auch für deutsche Unternehmen wäre der Schaden eines ungeordneten Brexit enorm: Ausfuhren im Wert von etwa acht Milliarden Euro wären in Gefahr.

su