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Venezuela - das Land der übersprungenen Mahlzeiten

Venezuela - das Land der übersprungenen Mahlzeiten
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Caracas, Venezuela, in einem armen Viertel - es ist kurz nach 19 Uhr und Dilia kommt endlich nach Hause. Die 62-Jährige arbeitet als Putzfrau - für 3.000Bolivar - einen US-Dollar - pro Tag.

Sie hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Und ist sauer … weil sie uns keine ordentliche Mahlzeit anbieten kann.

Dilia: „Früher hatten wir mehr, aber das ist vorbei.

Anelise Borges, Euronews: "Warum?"

Dilia: "Weil alles so teuer ist. Alles ist so teuer. Unser Lohn reicht einfach nicht."

Hunger – den kennen inzwischen viele in Venezuela. Dilia, ihre Kinder und Enkel - mehr als die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land haben in den letzten Jahren Gewicht verloren, ohne das zu wollen.

Ein kurzer Rundgang durch die Nachbarschaft macht klar, wie sehr die eigene Ernährung - und die der Familie - zu einem täglichen Kampf geworden ist. Heute hat die Regierung zwei LKW-Ladungensubventionierte Nahrungsmittel geschickt. Aber Dilia und viele Nachbarn werden davon nichts abbekommen. Alle sind angespannt - deshalb verstecken wir unsere Kamera.

Ein junger Mann:

„Das war zu wenig. Sie können doch nicht mit unserem Hunger spielen. Wenn sie sagen, dass sie den Menschen etwas geben werden, sollten sie den Menschen etwas geben. Sie können die Lebensmittel nicht wieder zurücknehmen. Was sollen die Leute da denken? Sie werden wütend. Und in einem Projekt kannst du das nicht machen. Wer vernünftig ist, macht sowas nicht. Sehen Sie, es ist spät abends und es gibt viele Leute, die konnten bis jetzt noch nichts essen."

ERST FIELEN DIE ÖLRPEISE, DANN DIE STAATLICHEN HILFSGELDER

Jahrelang hatten großzügige staatliche Zuweisungen von subventionierten Lebensmitteln und Wohnungen dem Präsidenten Hugo Chávez und seinem Nachfolger Nicolas Maduro in armen Gegenden Unterstützung gesichert.

Aber als dann eine umstrittene Wirtschaftspolitik und fallende Preise für Öl zusammenkamen - Venezuelas einzige Devisen-Quelle - stürzte das Land in die Hyperinflation ab.

Jetzt schwindet die Unterstützung für die Regierung… selbst in ehemaligen „Chavista“-Hochburgen.

Einige in der Nachbarschaft wenden sich höheren Mächten zu.

Dilia:

“In diese Kirche gehe ich immer."

Der Pfarrer Joe Rivero zur Gemeinde:

„Gott wird diesem Land eine andere Regierung schicken."

Gemeinde: "Amen."

Der Pfarrer:

"Das ist keine Lüge. Das ist eine Realität. Diese Regierung regiert uns nicht mehr."

Gemeinde: "Amen."

Der Pfarrer: "Und so wird Gott ab diesem Jahr 2019 unser Venezuela regieren."

Gemeinde: "Amen."

Joe Rivero, Pfarrer:

„Ich liebe unseren Staatschef, weil die Bibel uns lehrt, unseren Nächsten zu lieben. Aber ich teile seine Ideale nicht. Seine Amtsführung ist gemein. Seine Amtsführung ist falsch. “

Maduros Amtsführung stand noch nie unter so starkem internationalem Druck. Aber während Tage und Wochen vergehen, bleibt unklar, ob dieser Druck Folgen haben wird und welche.

Im Moment sagen einige hier noch „im Zweifel für Nicolas Maduro“… und: "Vielleicht weiß er einfach nicht, wie schlimm es hier steht."

Dilia: „Ich kann mir vorstellen, dass Präsident Maduro meint, dass die Lieferungen alle 14 Tage kommen. Er könnte denken, dass alles in Ordnung ist. Aber das ist eine Lüge."

Eine Lüge, die Dilia nicht übergehen kann. Sie geht ohne Frühstück zur Arbeit.
Wieder mal eine Mahlzeit übersprungen. Eine weitere schmerzhafte Erinnerung daran, wie schwierig alles geworden ist.

su