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Er war gegen die Impfpflicht: Italienischer Politiker muss mit Windpocken ins Krankenhaus

Massimiliano Fedriga von der Lega-Partei
Massimiliano Fedriga von der Lega-Partei -
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So Mancher würde es Karma nennen: Ein italienischer Politiker, der sich öffentlich wiederholt gegen obligatorische Impfungen für Kinder ausgesprochen hat, hat sich mit Windpocken infiziert.

Massimiliano Fedriga, Mitglied der rechten Lega-Partei, wurde Anfang des Monats mit einer hoch ansteckenden Windpockeninfektion ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wurde er vier Tage lang unter Beobachtung gestellt, schrieb die italienische Nachrichtenseite La Repubblica.

Als oberster Politiker der nordöstlichen Region Friaul-Julisch Venetien lehnte Fedriga das damals geplante "Lorenzin-Gesetz" vehement ab. Darin waren verpflichtende Impfungen von Kindern im Schulalter gegen verschiedene Krankheiten wie Windpocken, Masern und Polio vorgesehen.

Das Gesetz trat vergangene Woche in Kraft und sieht vor, Eltern mit einer Strafe von bis zu 500 Euro zu belegen, wenn sie nicht geimpfte Kinder zur Schule schicken. Kinder unter sechs Jahren, die sich bei einer Krippe oder einem Kindergarten bewerben, können nach dem neuen Gesetz abgewiesen werden.

Die regierende Fünf-Sterne-Bewegung lehnte es lange Zeit ab, Impfungen vorzuschreiben. Im vergangenen Jahr drohte die Partei damit, die italienischen Impfgesetze aufzuheben, zog sich aber später in dieser Angelegenheit zurück. Fedriga bezeichnete das Gesetz als "stalinistisch" und wurde von italienischen Ärzten und Forschern wegen seiner Ansichten heftig kritisiert.

Kein Gegner von Impfstoffen

Nachdem seine Erkrankung öffentlich wurde, zog Fedriga viel Häme auf sich, besonders in den Sozialen Medien. Euronews sagte er, er sei "immer ein Unterstützer von Impfstoffen" gewesen und habe seine Kinder auch impfen lassen, auch wenn Impfungen nicht obligatorisch waren. „Ich bin nicht gegen Impfstoffe. Im Gegenteil, ich bin für eine stärkere Allianz mit den Familien", sagte er.

Fedriga ist jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass es nicht funktionieren wird, Eltern zu zwingen, ihre Kinder zu impfen: "Wenn Kinder 6 Jahre alt werden, müssen sie zwangsläufig zur Schule gehen, unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht, und die Schüler könnten in Klassen mit nicht geimpften Kindern landen [....] Sie zu zwingen, ihre Kinder zu impfen, scheint ein Weg zu sein, das Problem meiner Meinung nach zu verschieben."

Der bekannte italienische Mikrobiologe Roberto Burioni warnte vor den Gefahren, Kinder nicht gegen hochansteckende Krankheiten wie Windpocken zu impfen: "Leider ist Windpocken nicht nur sehr ansteckend und gefährlich. Sie werden sogar von Patienten vor Beginn der Symptome übertragen", sagte er auf Facebook. Dem Arzt zufolge, wäre Fedriga „vollkommen gesund“, wenn er als Erwachsener geimpft worden wäre.

"Der einzige Weg, wie wir diese Tragödien vermeiden können – denn es sind Tragödien –, ist, uns selbst zu impfen, um die Verbreitung dieses gefährlichen Virus zu verhindern.“ Denn es sei dann besonders gefährlich, wenn eine viel verletzlichere Person infiziert würde.

Eine Infektion mit Windpocken verursacht bei vielen Infizierten den typischen Hautausschlag, Fieber und einen Juckreiz. Bei schwerwiegenden Krankheitsverläufen kann sich die Infektion auf innere Organe ausbreiten – im schlimmsten Fall erkranken Patienten an einer Lungen- oder Hirnhautentzündung.