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Ist Erdogan schuld? Gespaltenes Istanbul nach der Wahl

Ist Erdogan schuld? Gespaltenes Istanbul nach der Wahl
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REUTERS/Kemal Aslan
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In der Türkei werden in Istanbul und in Ankara die Stimmen nachgezählt, weil die regierende AKP in allen Wahlkreisen Einspruch gegen das Ergebnis der Kommunalwahlen eingelegt hat. In Istanbul, wo einst Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister war, war das Ergebnis sehr knapp. Der Präsident hatte sich im Wahlkampf sehr engagiert - und den Urnengang zu einer Schicksalswahl für das Land erklärt.

Die Menschen sind vor allem wegen der Wirtschaftskrise enttäuscht.

"Es bleibt nichts übrig für Miete, Kinder, Enkel"

Taubenverkäuferin
Güler OguzTaubenverkäuferin

Güler Oguz, die Taubenfutter verkauft, meint:

"Der Präsident ist verantwortlich. Wer sonst? Er ist schuld, wenn ein Rentner 15 Lira für 1 Kilo Auberginen bezahlen muss und sich nichts anderes leisten kann. Es bleibt nichts übrig für die Miete, die Kinder, die Enkel."

Der Istanbuler Stadtteil Besiktas ist eine Hochburg der sozialdemokratischen Oppositionspartei CHP.

"Die Menschen sind nicht zufrieden"

PR-Beraterin bei der CHP
Tülay SamcıPR-Beraterin bei der CHP

Tülay Samcı arbeitet als PR-Beraterin für die CHP.

Sie sagt. "17 Jahrelang hat die AKP alles verändert: das System, die staatlichen Strukturen, die Werte, das, woran die Leute glauben. Sehr viele Leute sind nicht zufrieden mit diesen Veränderungen."

Angespannte Stimmung und Auseinandersetzungen

Nach der Wahl kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von AKP und CHP.

Euronews-Reporterin Emily Whiter berichtet: "Wir mussten wegrennen und uns in ein Café flüchten. Wir wollten gerade ein Interview mit einem CHP-Anhänger führen, als AKP-Anhänger vorbeikamen. Sie warfen uns vor, wir würden provozieren. Dann kam es zu Gewalt. Und hier sind wir in einem der liberalsten Stadtteile von Istanbul, das vermittelt einen Eindruck davon, wie angespannt die Stimmung hier jetzt ist."

"Wir haben Erdogan viel zu verdanken"

In anderen Stadtteilen haben die Menschen mehrheitlich für die AKP gestimmt. Dort sind viele religiös.

Café-Beraterin
Cevat FiratCafé-Beraterin

Cevat Firat, dem das Café Huzur Kahvehanesi gehört, meint, Istanbul habe Erdogan viel zu verdanken: Flughäfen, Tunnel und Straßenbahnen, aber auch für alle ist das Leben jetzt schwerer.

"Es liegt an der falschen Politik, deshalb hat die AKP Stimmen verloren. Alle Stimmen, die sie haben, sind zum Wohle des Präsidenten, nicht für die Mitglieder an der Basis."

"Frauen mit Kopftuch von Erdogan unterstützt"

Viele - wie Muhammet Ekinci, der im Café Huzur Kahvehanesi arbeitet - meinen, dass Erdogan noch immer sehr populär ist.

Kellner
Muhammet EkinciKellner

Muhammet Ekinci sagt: "Ich bin für die AK-Partei, weil es Erdogan ist, das sage ich schon immer. Und es geht auch um die Politik. Meine Schwestern und meine Mutter tragen Kopftuch, sie werden von der Politik unterstützt."

Muhammet ist 20, seit er denken kann, war die AKP in Istanbul an der Macht. Das wird jetzt wahrscheinlich anders.