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Umbruch in der Türkei nach Kommunalwahl?

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Reuters
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"Es ist so klar, dass wir Istanbul gewonnen haben", sagt Ekrem Imamoglu, Kandidat der oppositionnellen Mitte-Links-Partei CHP.

Dramatische Wahlnacht in Istanbul

Das Rennen um das Bürgermeisteramt in Istanbul war sehr eng. Laut Wahlbehörde liegt Imamoglu mit einer hauchdünnen Mehrheit vor dem Kandidaten der islamisch-konservativen AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Auch die Hauptstadt Ankara hat Erdogans AKP nach bisherigem Stand verloren.

Landesweit bleibt die seine Partei allerdings mit rund 45 Prozent der Stimmen die stärkste Partei. Die oppositionelle CHP kommt auf etwa 30 Prozent.

Rund 57 Millionen Türken waren am Sonntag aufgerufen, in 81 Provinzen Bürgermeister und Gemeinderäte zu wählen.

Aber der Verlust der beiden Metropolen Ankara und Istanbul zeigt, dass die Unterstützung für Erdogan wackelt.

Bevölkerung leidet unter Inflation

Für den Kellner Naci Ozel ist das eine Reaktion auf die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes. Trotz Gehaltserhöhung habe die Inflation seine Familie hart getroffen:

"Natürlich fühle ich mich schlecht. Jeder möchte ein gutes Leben führen, aber wir können das nicht wegen der wirtschaftlichen Probleme."

Seit 15 Jahren arbeitet er in einem Istanbuler Café. Nach seiner Schicht fährt Ozel zum Wahllokal und gibt der Opposition seine Stimme.

Die türkische Währung hat im vergangenen Jahr massiv an Wert verloren, die Inflationsrate liegt bei circa 20 Prozent. Besonders die Lebensmittel werden immer teurer.

Die Zahl der Arbeitslosen ist um rund eine Million gestiegen

Terrorismus-Vorwurf

Angesichts dieses Drucks hat Erdogan sich im Wahlkampf stark engagiert, obwohl er selbst gar nicht zur Wahl stand. Er machte "westliche Mächte" für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich und warf den Oppositionsparteien "Terrorismus" vor.

Für den Journalisten Kemal Can wurde damit eine neue Stufe erreicht:

"Das ist eine direkte Anschuldigung. Unfairness ist nichts Neues, aber in diesem Wahlkampf wurden Grenzen überschritten."

Lokale Journalisten haben ein Medienzentrum gegründet, um über eventuelle Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu berichten.Und die Opposition kritisiert die staatliche Nachrichtenagentur. Sie wirft ihr vor, falsche Ergebnisse zu veröffentlichen.

"Der Regierung eine Lektion erteilt"

Unabhängig vom Wahlausgang ist Kellner Naci Ozel froh, der Regierung mit seiner Wahl eine Lektion erteilt zu haben. "Als Bürger ist es unsere Pflicht zu wählen. Wir wählen, wer uns regieren wird", bekräftigt er.

Bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen Erdogan aus dem Wahlergebnis zieht.