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Spanien: Menschen mit geistiger Behinderung durften erstmals wählen

Spanien: Menschen mit geistiger Behinderung durften erstmals wählen
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Teller und Gläser wegräumen ist eine von Eduardos vielen Pflichten. Vor drei Jahren bekam er eine Stelle bei der Gil Gayarre-Stiftung. Hier bekommt er nicht nur Arbeit, sondern auch Fortbildung, die auf ihn zugeschnitten ist. Trotz seiner Fähigkeiten sprach ihm ein Richter Ende der 90er Jahre das Wahlrecht ab. Seine Familie hatte unmittelbar zuvor die Betreuung für ihn beantragt.

Doch dieses Mal ist das anders: Eduaro Sánchez ist einer von 100.000 betreuten Menschen mit geistigen Behinderungen in Spanien, die nach einer Änderung des Wahlrechts ihre Stimme abgeben dürfen. Eine ähnliche Entscheidung, die viele Menschen in Deutschland betrifft, hat vor gut einer Woche auch das Bundesverfassungsgericht für die Europawahl getroffen.

"Ich habe mich wie ein Aussätziger gefühlt", sagt er. "Im vergangenen Jahr war ich noch traurig, aber diese Jahr darf ich wählen. Endlich hat jemand diese Last von meinen Schultern genommen: ich darf wählen. Ich bin so erleichtert."

Antonio Hinojosa arbeitet für die Kampagne "Meine Stimme zählt", die sich jahrelang für die Rechte von Menschen mit geistiger Behinderung eingesetzt hatte. Die Aktivisten der Gruppe sehen sich noch nicht am Ende ihres Weges. "Wir dürfen nicht vergessen: Diese Wahl ist ein sehr wichtiger Moment in der Geschichte dieses Landes. Es gibt in der Europäischen Union nur acht Länder, die betreuten Menschen die Möglichkeit geben, zu wählen."

Heute konnte Eduardo seine Stimme endlich abgeben. Er tat dies mit einem Lächeln. Nach langem Kampf konnte er Teil der spanischen Demokratie werden - genau wie alle anderen Bürger.