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#EUroadtrip: Neue liberale Partei in Polen will Wandel für Europa

#EUroadtrip: Neue liberale Partei in Polen will Wandel für Europa
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Polen zählt zu den katholischsten Ländern der EU. Da ist es kein Wunder, dass es gleichzeitig ein sehr konservatives Land ist, von dem man annimmt, dass es unter der derzeitigen Regierung der Partei "Recht und Gerechtigkeit" weiter nach rechts driftet.

Wir treffen heute in Krakau Robert Biedroń. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Słupsk kandidiert für das EU-Parlament und ist Polens einziger offen schwuler Politiker. Ich habe ihn zusammen mit seinem Partner und Krzysztof Śmiszek getroffen, der ebenfalls kandidiert.

Biedron hat eine neue Frühlings-Partei gegründet, die in den Umfragen vor der Wahl in der kommenden Woche von Mal zu Mal besser abschneidet.

Vergleich mit Emmanuel Macron

Das Motto dieser im linken Spektrum angesiedelten Partei lautet "Endlich eine Veränderung". Der 42-jährige wird bereits mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron verglichen. Die Anhänger der Frühlings-Partei glauben, dass diese Partei helfen kann, den Rechtspopulismus im Land zu stoppen.

Eine Frau meint: "Für mich ist er der geborene Präsident, weil er charakterlich stark ist. Er hat keine Angst vor öffentlichen Reden, er sagt die Dinge, die sich andere nicht trauen, zum Beispiel das Problem mit der Kirche. Ich glaube, dass er in der Lage ist, dieses Land zu verändern, um es besser zu machen. Es geht in Polen nicht gerecht zu, viele Menschen bekommen nicht die Rechte, die sie eigentlich verdienen – ich denk da an Frauenrechte, Rechte für LGBT, Menschenrechte. Es scheint, als ob diese in Polen nicht existieren."

Eine andere Frau findet, die neue Partei sei fantastisch: "Sie wissen genau, wie man auf die Menschen zukommen muss, und sie haben Zeit, mit allen zu sprechen. Sie sind auf dem Boden geblieben. All das kann man von ´´´ Recht und Gerechtigkeit` nicht behaupten."

Als Bürgermeister von Słupsk war Biedroń dafür bekannt, auf einem roten Sofa mit den Einwohnern der Stadt zu sprechen. Da sein Terminkalender voll war, hatte er leider keine Zeit mit mir auf unserem roten Euronews-Sofa zu plaudern, also bin ich mit in den Wahlkampfbus eingestiegen.

Frische Luft für Europa

euronews: "Warum haben Sie Ihre neu gegründete Partei „Frühling“ genannt? Und warum treten Sie damit nicht auch in Polen an?"

Krzysztof Śmiszek, Frühlings-Partei: "Nun, sowohl Polen, als auch Europa brauchen etwas frische Luft, etwas frische Energie, und der "Frühling" bringt beides. Wir denken, dass Europa von Populisten angegriffen wird. Wir können das in Polen sehen, in Ungarn, Italien, Rumänien, in Griechenland. Das ist nun unsere Reaktion darauf, unsere Antwort auf die populistische Bewegung. Wir brauchen mehr Europa, wir brauchen ein geeintes Europa, wir brauchen ein Europa, das sich um jeden einzelnen kümmert, für das stehen wir mit unserem Programm."

Robert Biedroń, Parteichef Frühlings-Partei: "Sie bringen europäische Nachrichten, wir bringen den europäischen Frühling. Das ist die einfachere Antwort. Wir bringen Frische und Optimismus, etwas für die Zukunft, etwas Fortschrittliches für Europa und für Polen. Das ist der Zeitpunkt für einen Wandel, auch für Polen, denn noch vor unserer Gründung haben alle Meinungsumfragen vorhergesagt, dass die Rechtspopulisten in den nächsten Jahren auf dem Vormarsch sind. Jetzt haben wir Hoffnung, dass wir sie stoppen können."

euronews: "Sie waren ein kleiner Bürgermeister und haben jetzt eine neue Bewegung gegründet. Es gibt einen anderen offen schwulen Kandidaten in Amerika, Bürgermeister Pete Buttigieg, der versucht, als Präsident zu kandidieren. Könnten Sie nächstes Jahr als Präsident Polens kandidieren?"

Robert Biedroń: "Wir müssen sehen, jetzt kandidiere ich als Vorsitzender einer fortschrittlichen Partei für das Europäische Parlament, dann kandidiere ich für das polnische Parlament und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt. Wir sind nicht zu stoppen, die Zeit für einen Wandel ist gekommen. Wir können den Moment nutzen oder wir verlieren ihn, wir können uns Europa annähern, oder wir werden nach Russland oder Weißrussland, in die östliche Richtung abdriften. Das ist ein spezieller Moment für alle Bürger."

Einige Kritiker sagen, dass Biedrons Chancen in einem so konservativen Land eher gering sind, er präsentiere sich nur gut in den Medien. Laut dem Sozialpsychologen Professor Zbigniew Nęcki von der Jagiellonen-Universität in Krakau hat er aber das Zeug dazu:

"Meiner Meinung steht Robert Biedron für vieles. Er ist sehr wertvoll, seine Ansichten sind gut für ihn, für die Gemeinschaft, für uns alle. Deshalb sollten wir mit so einer einseitigen Verurteilung vorsichtig sein. Wenn jemand weise spricht, vernünftig handelt und für eine starke, sozial eingestellte Gemeinschaft steht, dann hat er meiner Meinung nach dafür auch einen Rückhalt in der Bevölkerung. Und das nicht nur heute und morgen – sondern auch übermorgen, in einem Monat oder sogar bei weiteren Wahlen."

Bis zur ersten Europawahl ist es noch eine Woche – Zeit für die „Frühlings“-Partei, wieder auf die Straße zu gehen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Euronews. Die anderen Geschichten finden Sie in unserer Übersicht:

#EUroadtrip | Euronews berichtet vor den Europawahlen aus der EU

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