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Dänemarks handwerkliche Fischerei behauptet sich

Dänemarks handwerkliche Fischerei behauptet sich
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In Dänemark unterliegt die Fischerei einem gewaltigen Wandel: Kleine Fischerboote ernähren die lokale Gemeinschaft, schaffen Arbeitsplätze und tragen zum Erhalt der Ökosysteme an den europäischen Küsten bei. Aber können sie mit der großen Fischindustrie konkurrieren, die über die Mittel verfügt, kleine Boote aus dem Geschäft zu drängen? Während einige aufgeben, finden andere Wege, um zu wachsen und zu gedeihen.

Vielen dänischen Fischern liegt ihr Beruf seit Generationen im Blut. Der Alltag ist schwer: Elf Stunden auf rauer See, Tag für Tag. An der Nordwestküste Dänemarks zieht die drei Mann starke Besatzung ihre Netze ein. Der heutige Fang - 1500 Kilo Scholle. Früher war es mehr, sagen sie, bevor große Baumkurrenkutter den Meeresboden beschädigten.

Eleven hours on a rough sea, day after day. The three-men crew hauls in their nets at the north-western coast of Denmark. Today’s catch — 1500 kilos of plaice. They say it used to be more before large beam trawlers damaged the seabed.

"Trawler zerstören den Meeresboden", schimpft Jan Olsen von der 'Association of Thorupstrand Fishermen'. "Wir benutzen Netze - sie bleiben nur ein oder zwei Tage auf dem Boden, und wir ziehen sie wieder hoch - sie zerstören nichts."

Ein kleines Fischerdorf trotzt der großen Industrie

Die Landung auf einem Sandstrand würde die meisten modernen Schiffe kaputtmachen - aber nicht diese kleinen Boote aus Eichenholz, die in diesem Gebiet schon vor der Wikingerzeit gebaut wurden. Mit seiner robusten Holzflotte hält das Fischerdorf Thorupstrand mehr als nur Naturgewalten stand.

Die handwerkliche Fischerei spielt in vielen EU-Regionen eine entscheidende Rolle. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer macht sie über 80 Prozent der gesamten Fischereiflotte aus, in diesem Bereich sind über 60 Prozent der gesamten Arbeitskräfte dieses Sektors beschäftigt. Die Europäische Union ist sich ihrer Bedeutung bewusst: In sieben Jahren erhielt die handwerkliche Fischerei rund 210 Millionen Euro öffentliche Mittel für ihre Marketing und Diversifizierungsprojekte

Dänemark hat vor einem Jahrzehnt viele seiner unabhängigen Fischfangbetriebe verloren. Damals entschied man sich dafür, den Bootseignern Fangquoten als Privateigentum zuzuweisen. Große Unternehmen zahlten viel Geld, um diese Quoten aufzukaufen. Die Marktpreise explodierten, viele unabhängige Fischer verkauften ihre Boote und gaben die Fischerei auf.

Thomas Højrup, Vorsitzender der 'Thorupstrand Coastal Fishing Guild' erinnert sich: "Im ersten Jahr verschwanden 25 Prozent der Kleinbootflotte. Im ersten Jahr! Und in den ersten zwei Jahren stieg der Preis für diese Art von Booten um 1000 Prozent."

Zu diesen Preisen konnten es sich die jungen Fischer nicht leisten, in den Handel einzusteigen, der zunehmend von der Großindustrie dominiert wurde. Küstenorte verloren ihre Boote und verwandelten sich in Geisterstädte. Aus Angst um ihre Zukunft beschlossen die Thorupstrand-Fischer, Maßnahmen zu ergreifen.

"Es gab viele Treffen und Diskussionen, die Mehrheit beschloss dann, eine Genossenschaft zu gründen, Quoten aufzukaufen und diese gemeinsam zu nutzen", erzählt die Anthropolgin Mathilde Højrup Autzen "sowie allen jungen Fischern die Teilnahme an der Genossenschaft zu ermöglichen. Und das haben sie dann auch getan."

Durch die Zusammenarbeit bewahrte die lokale Gemeinschaft ihre Fischereirechte und ihre traditionellen Methoden - einschließlich der Holzbootherstellung, die in Dänemark und im Ausland berühmt ist.

Europäische Mittel halfen bei der Eröffnung der Werft, die neue Fischerboote baut und Handwerker ausbildet, was die lokale Wirtschaft unterstützt. Pipsen Monrad Hansen weiß, "es sind nicht nur Fischer - es sind Bootsbauer, Elektriker, Ingenieure und so weiter - es werden Arbeitsplätze geschaffen. Diese Werft und die Dinge, die wir hier tun, ziehen Touristen an, - die Leute kommen her, um sich das anzusehen."

Nachhaltige Lebensmittel liegen im Trend, und das hilft auch dem Unternehmen. Dieses von der Gilde geführte Geschäft und Restaurant, das ebenfalls Teil der neuen EU-finanzierten Infrastruktur ist, verkauft fangfrischen Fisch. Im Gegensatz zu großen Schiffen verbringen kleine Boote keine Wochen auf See und ihre Netze schädigen den Fang nicht, so dass der gefangene Fisch hochwertiger ist. "Der Preisunterschied zwischen Fisch, der mit Schleppnetzen gefangen wird, konventionellem Fischen und dem Fisch, den wir verkaufen, beträgt vielleicht 10-20 Kronen (2€) pro Kilo", erzählt Unternehmerin Janni Olesen. _"Ich denke nicht, dass es teuer ist - meiner Meinung nach ist das ein fairer Preis, wenn man bedenkt wie viel Arbeit dahintersteckt und wie großartig das Produkt ist."
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Steigender Umsatz, steigende Gewinne

Dem Dorf gelang es sogar, seinen Umsatz in die dänische Hauptstadt auszudehnen und frischen Fisch auf einem umgebauten Boot zu verkaufen, das in einem malerischen Hotspot von Kopenhagen liegt.

Mit steigenden Verkaufszahlen erhalten die Thorupstrand-Fischer eine bessere Rendite für ihren Fang - und schärfen dabei das Bewusstsein für ihre Bemühungen zum Schutz des Meeres und zur Erhaltung ihrer Gemeinschaft so wie bei Simon Biggas Møller, Chef and Fischhändeler bei HM800 Jammerbugt: "Das ist Nachhaltigkeit für die Umwelt, aber auch Nachhaltigkeit für die kleinen Fischerdörfer, die an der dänischen Küste fast vollständig ausgestorben sind. Ich hoffe, dass sie überleben - ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das werden, und im besten Fall können sie vielleicht andere Städte inspirieren, um die gute Arbeit fortzusetzen."