Feierlichkeiten in Hongkong: Demonstranten stürmen Regierungsgebäude

Feierlichkeiten in Hongkong: Demonstranten stürmen Regierungsgebäude
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Proteste zum 22.Jahrestag der Rückgabe an China: In Hongkong sind abermals Tausende auf die Straße gegangen. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Demonstranten versuchten im Regierungsviertel gewaltsam in das Parlament Hongkongs einzudringen. Mit Eisenstangen schlugen sie immer wieder auf die Glasfront des Gebäudes ein, bis diese splitterte. An anderer Stelle versuchten sie, die Metallteile des Schutzzauns zu demontieren.

Die Sicherheitskräfte gingen mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben der Hongkonger Behörden wurden 25 Menschen verletzt. Die aufgebrachte Menge trug auch dieses Mal Regenschirme - die schon bei den Protesten 2014 eingesetzt worden waren. Um sich vor der Polizei zu schützen, trugen viele Schutzbrillen, Masken und Bauhelme.

Auslieferungsgesetz sorgt weiter für Unruhen

Zum traditionellen Fahnenhissen zeigte sich die umstrittene Regierungschefin Hongkongs, Carrie Lam, erstmals nach mehr als zehn Tagen wieder in der Öffentlichkeit. Die Behörden erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Veranstaltungsort. Die eigentliche Zeremonie, die normalerweise im Freien stattfindet, verfolgte Lam über einen Bildschirm. Begründet wurde dies mit dem schlechten Wetter.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam

Bereits in den vergangenen Wochen war es in Hongkong zu Ausschreitungen gekommen - die Stimmung ist aufgeheizt. Hintergrund ist ein Gesetz, dass es Hongkongs Behörden bei Einführung erlauben würde, Verdächtige nach China auszuliefern. Für viele ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit. Bis zu zwei Millionen Menschen waren an den Massenprotesten beteiligt - die schlimmsten seit drei Jahrzehnten.

Demonstranten fordern mehr

Lam hatte das Auslieferungsgesetz nach dem Aufschrei in der Bevölkerung zwar auf Eis gelegt, die Demonstranten wollen aber weiter protestieren. Ihnen geht es darum, dass das Gesetz offiziell zurückgenommen wird, inhaftierte Mitglieder der Protestbewegung freikommen und Polizisten bestraft werden, die gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen sind.

Am 1. Juli 1997 hatte Großbritannien seine Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben. Eigentlich stehen den Hongkonger laut Rückgabevertrag bis 2047 mehr Freiheiten zu, als Chinesen in der Volksrepublik. Doch immer mehr Hongkonger fühlen, dass Peking schon jetzt ihre Rechte beschneidet.