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Deutsche Polizei konnte möglicherweise Selbstmordanschlag vereiteln

Deutsche Polizei konnte möglicherweise Selbstmordanschlag vereiteln
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Die deutsche Polizei hat am Donnerstag sechs Islamisten festgenommen, die möglicherweise einen Terroranschlag planten. Der Inlandsgeheimdienst hatte Telefone radikalisierter Konvertiten abgehört und dabei Hinweise auf ein Attentat erhalten.

"Wir hatten verdeckte Erkenntnisse erlangt, aus denen wir schließen mussten, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte", erklärte der Leitende Kölner Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker auf einer Pressekonferenz nach dem Großeinsatz in Nordrhein-Westfalen.

Großeinsatz mit Sprengstoffhunden

Polizeibeamte hatten im Morgengrauen sieben Gebäude in Köln und Düren durchsucht. Dabei kamen auch Sprengstoffhunde zum Einsatz. Zwar beschlagnahmte die Polizei etwa 20 Handys und mehrere Laptops, Explosivstoffe oder Bombengürtel wurden jedoch keine gefunden.

Im Zentrum der mutmaßlichen Terrorzelle steht ein 30-jähriger deutsch-libanesischer Konvertit aus Berlin, der erst kürzlich nach Düren gezogen war. Seit 2013 stuft der Verfassungsschutz den Mann als "Gefährder" ein. Die langjährige Observierung mit geheimdienstlichen Methoden hatte nun offenbar Erfolg.

Geplante Reise ins Dschihadisten-Paradies

In einem abgehörten Telefonat hatte der mit der Berliner Dschihadisten-Szene bestens vernetzte Mann davon gesprochen, den "Aufstieg in die höchste Stufe des Paradieses" zu planen, berichtete Kriminaldirektor Becker. Dies könne als Umschreibung eines angekündigten Selbstmordanschlags interpretiert werden.

Auf der Kölner Pressekonferenz betonte Becker zwar, dass es keine konkreten, technischen Hinweise auf ein Anschlagsziel gegeben habe, doch sei der Einsatz absolut notwendig gewesen, da der mutmaßliche Selbstmordattentäter "Mitglied einer sehr konspirativ agierenden multinationalen Gruppe" gewesen sei und in der Vergangenheit bereits mehrmals versucht habe, mit gefälschten Papieren in das Gebiet des sogenannten Islamistischen Staates IS auszureisen. Dort, im Raum Syrien/Irak, habe er mit der Waffe in der Hand kämpfen wollen.

Mögliche Verbindung zu Weihnachtsmarkt-Attentäter Amri

Es existiert offenbar eine mögliche Verbindung zwischen dem nun festgenommenen Kopf der Dürener Islamistenzelle und dem Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri. "Herr C.", wie die Kölner Polizei den mutmaßlichen Selbstmordattentäter nennt, sei 2016 Vertretungs-Imam in der Berliner Fussilet-Moschee gewesen, die auch Attentäter Amri besuchte.

Weiteres erschreckendes Detail: Viele der nun in Köln und Düren festgenommenen Personen waren radikalisierte Konvertiten. So war "Herr C." in Düren bei einem 21-Jährigen Mann eingezogen, der dem IS im vergangenen Jahr einen "Treueeid" geleistet habe, war aus Polizeikreisen in Erfahrung zu bringen.

Chemiestudium für Bombenbau geplant

Zwei weitere Verdächtige sind ebenfalls deutsche Konvertiten im Alter von 20 und 21 Jahren. Einer von ihnen habe ein Chemie-Studium geplant, "weil seine Glaubensbrüder das für eine gute Idee hielten", sagte Becker im Verlauf der Pressekonferenz in Köln. Möglicherweise hätte das im Studium erworbene Wissen für den Bombenbau eingesetzt werden sollen.