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Ebola im Kongo: Darum ruft die WHO erst jetzt einen internationalen Gesundheitsnotstand aus

Ebola im Kongo: Darum ruft die WHO erst jetzt einen internationalen Gesundheitsnotstand aus
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REUTERS/Olivia Acland TPX IMAGES OF THE DAY
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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach dem Ebola-Ausbruch vor einem Jahr in der Demokratischen Republik Kongo erst jetzt einen "Gesundheitsnotstand von internationaler Bedeutung" ausgerufen. Es war der vierte Anlauf des unabhängigen Expertenausschusses der WHO.

Ebola ist ein hoch ansteckendes hämorrhagisches Fieber, das sich schnell ausbreitet und meist tödlich endet. Das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo hatte den Ebola-Ausbruch bereits am 1. Augst 2018 zur Epidemie erklärt. Seitdem haben sich mindestens 2.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 1.600 Menschen starben an den Folgen der Infektion im Land.

Die Entscheidung der WHO ist selten - in ihrer Geschichte wurde bisher nur vier Mal ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen: 2009 war es die Schweinegrippe, 2014 das Polio-Virus, ein Notstand der bis heute andauert, der Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 und 2016 die Zika-Infektionen in Brasilien.

Beim letzten Ebola-Ausbruch in Westafrika starben rund 11.000 Menschen.

Warum hat die WHO ausgerechnet jetzt den internationalen Notstand ausgerufen?

Die Entscheidung fiel, nachdem ein Geistlicher mit einem öffentlichen Bus in die Millionenstadt Goma reiste, die sich an der Grenze zu Ruanda befindet. Er starb später an den Folgen seiner Ebola-Infektion.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation überqueren täglich rund 15.000 Menschen die Grenze zum Nachbarland. Erst in der vergangenen Woche war eine Frau, die Ebola-typische Symptome zeigte, von Uganda in den Kongo gereist.

"Auch wenn es derzeit keinen Nachweis über eine örtliche Übertragung in Goma oder Uganda gibt, zeigen diese beiden Fälle eine bedenkliche geografische Ausbreitung des Virus dar", erklärte Dr Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO nach der Bekanntgabe des Notstands.

Die Zahl der Infektionen steigt - ein Jahr nach dem Ausbruch im Kongo - noch immer. Seit der letzten Sitzung des WHO-Notfallausschusses im Juni 2019 gab es fast 300 Todesfälle.

"Die Intensität der epidemiologischen Situation schwankt, wöchentlich werden etwa 80 neue Fällen gemeldet", schrieb die WHO in einer Erklärung zur ihrer Entscheidung. Noch vor einem Monat hatte die WHO sich dagegen entschieden, in der Demokratischen Republik Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen.

"Es handelt sich nicht um einen globalen Notfall, sondern um einen 'schweren Notfall' in der Demokratischen Republik Kongo", erklärte Dr. Preben Aavitsland, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des WHO-Notfallkomitees im vergangenen Monat, eine Einschätzung, die der Notfallausschuss diese Woche bekräftigte. Es bestehe keine Gefahr, dass sich die Seuche global ausweiten könnte. Wichtig sei zudem, dass die betroffenen Länder keine Handelsrestriktionen oder Flugunterbrechungen auferlegt bekommen. Bei dem "internationalen Notstand" handelt es sich also um eine Eskalationsstufe bei Ausbrüchen gefährlicher Krankheiten, die robustere Anstrengungen der Weltgemeinschaft zu Beendigung der Krise auslösen soll.

Wie steht die Demokratische Republik Kongo zu dieser Entscheidung?

Der Gesundheitsminister der Demokratischen Republik Kongo, Dr. Oly Ilunga, äußerte sich besorgt über die Entscheidung und erklärte, dass sie negative Auswirkungen auf die Gemeinschaft haben könnte.

Dr. Ilunga sagte, er hoffe, dass "die Entscheidung nicht das Ergebnis des Drucks verschiedener Interessengruppen ist, die diese Entscheidung dazu nutzen, Mittel für Hilfsorganisationen aufzutreiben, trotz der potenziell negativen Folgen für die betroffenen Gemeinschaften, die in hohem Maße vom grenzüberschreitenden Handel abhängen."

Die WHO erklärte, dass ein "internationaler Notstand" kein "Fundraising" vorsehe, sondern dass damit der "internationalen Ausbreitung von Krankheiten" vorgebeugt werden solle. Zudem riet die WHO davon ab, Grenzen zu schließen und Reise- oder Handelsbeschränkungen für das Land zu erlassen. Denn derartige Einschränkungen bewirkten in der Regel das Gegenteil. Sie trieben den Personen- und Warenverkehr in die Illegalität, zu informellen Grenzübergängen, die nicht überwacht würden. Damit erhöhten sich die Chancen für die Ausbreitung von Krankheiten.

Eine komplexe Krise

Ein wesentlicher Unterschied im Vergleich zur letzten Ebola-Krise in Westafrika 2014 ist das Vorhandensein eines Impfstoffes, wenn auch mit beschränktem Zugang. Nach Angaben der WHO seien die Impfstoff-Vorräte völlig unzureichend, auch wenn der kongolesische Gesundheitsminister das Gegenteil erklärt hatte. Allerdings weigert er sich, einen anderen Ebola-Impfstoff zu verwenden als den derzeit getesteten Impfstoff von Merck:

"Der Impfstoff der Firma Merck, der zur Bekämpfung dieser Epidemie verwendet wird, ist der einzige, der seine Wirksamkeit bewiesen hat", sagte Dr. Illunga Anfang dieser Woche.

Ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation hatte im Mai empfohlen, Bevölkerungsgruppen mit geringerem Risiko mit anderen Impfstoffen, wie einem neuen Johnson & Johnson-Impfstoff zu versorgen.

Im vergangenen Monat hat Euronews mit einer Koordinatorin von "Ärzte ohne Grenzen" in Beni, dem derzeitigen Zentrum der Krise gesprochen. Ihr zufolge besteht das Hauptproblem darin, dass Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit und Gewalt verhindern, dass Menschen richtig behandelt würden.

"In der Stadt, in der ich arbeite, finden noch immer Massaker statt. Wir sind uns dessen wohl bewusst", so Claire Manera, Koordinatorin bei "Ärzte ohne Grenzen".

Der Generaldirektor der WHO betonte die Bereitschaft der Demokratischen Republik Kongo zur Zusammenarbeit:

"Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo zeigt eine außergewöhnliche Transparenz beim täglichen Informationsaustausch. Es war die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, die Uganda über die Familie mit Ebola informierte, die vor einem Monat die Grenze nach Uganda überquerte. Es war die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, die die internationale Gemeinschaft unmittelbar letzte Woche darüber informierte, dass es einen Fall in Goma gab", sagte Dr. Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch.

Das sagen die Experten

Experten begrüßten die Entscheidung der WHO - sie sei längst überfällig gewesen.

"Fast alle internationalen Rechts- und Politikexperten sind sich einig, dass die Bedingungen für die Erklärung eines internationalen Gesundheitsnotfalls schon vor geraumer Zeit erfüllt wurden. Wir begrüßen die Entscheidung des Notfallsausschusses", erklärte Rebecca Katz, Direktorin des "Center for Global Health Science and Security" von der Georgetown University.

Alexandra Phelan, eine Expertin für globales Gesundheitsrecht von der Georgetown University, findet die Entscheidung ebenfalls richtig.

"Es muss in die Gesundheitssysteme investiert werden, anstatt auf diese Notfälle zu warten", sagte Phelan zu Euronews, und fügte hinzu: "idealerweise ist eines der Ergebnisse, dass wir diese internationale Reaktion erhalten".

"Es ist nun unerlässlich, dass sich Welt mit dem Ernst dieses Ausbruchs und seinen potenziell destabilisierenden Auswirkungen auf die östliche Demokratische Republik Kongo und die umliegenden Länder auseinandersetzt und versteht", sagte Stephen Roberts, Stipendiat der "London School of Economics" für "Global Health Policy".