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"Preis für besonders absurde Transporte": Diese Unternehmen schaden der Umwelt

"Preis für besonders absurde Transporte": Diese Unternehmen schaden der Umwelt
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Alpine Initiative, F. Brand
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Der Verein Alpen-Initiative hat die Unternehmen für ihren diesjährigen "Teufelsstein", ein Preis für besonders absurde Transporte, nominiert.

Seit 2002 wird der Preis schon vergeben. "Wir haben mit diesem Preis begonnen, um das Bewusstsein für den immer stärker werdenden Frachttransport zu schärfen", sagt Isabelle Pasquier, Projektleiterin bei der Alpen-Initiative, gegenüber Euronews.

"Unser Verein arbeitet seit 30 Jahren im Bereich des Frachttransports durch die Schweiz, um die Alpen vor der Umweltbeeinträchtigung zu schützen." Und setzt sich so für einen umweltfreundlicheren Güterverkehr ein.

Die diesjährigen Nominierten

"Es ist absurd, Waren über Tausende von Kilometern hin- und herzutransportieren! Das ist nur möglich, weil diese Transporte nicht alle Kosten decken, die sie verursachen – den Preis dafür bezahlt die Umwelt", sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative.

In diesem Jahr sind folgende Unternehmen für den "Teufelsstein" nominiert:

  • Swiss Air Deluxe: In Dosen verpackt schickt das Unternehmen Schweizer Luft ins fast 20.000 Kilometer entfernte Asien. Der Schweizer Verein Alpen-Initiative sieht das als Umweltverschmutzung an.
  • Migros: Die Supermarktkette verkauft ein Wasser aus Norwegen, dass fast 1500 Kilometer zurücklegt, bevor es in den Regalen landet.
  • Aldi: Der Discounter verkauft einen Schinken, der von Schweinen aus den Niederlanden hergestellt wird. Verarbeitet wird das Fleisch jedoch in Italien und Österreich, bevor er dann in der Schweiz verkauft wird.

Das sagen die Unternehmen

"Um die verkehrsbedingten Treibhausgase zu reduzieren, müssen wir weniger und besser transportieren. Der Verzicht auf weitgereiste Produkte, die unsere Lebensqualität gar nicht verbessern, erfordert grosse Aufmerksamkeit. Aber jeder kann dazu beitragen, solche Transporte zu vermeiden", erklärt Pasquier.

Die Unternehmen nehmen die Nominierung zur Kenntnis. Markus Klinkmüller, Gründer von Swiss Air Deluxe, sagte der dpa, das Unternehmen mache mit seinem Produkt die Marke Schweiz und deren Werte, etwa saubere Luft, bekannt. "Auf dem Transport nach Asien werden Überkapazitäten der Schiffe auf dem Rückweg genutzt." Die Luft aus der Dose wird über den Deckel wie mit einer Atemmaske eingeatmet und soll gegen Müdigkeit helfen.

Migros gab an, dass mehr als 60 Prozent des angebotenen Wassers aus heimischen Quellen stamme. "Die Migros ist ein Vollsortimentsanbieter, insofern führen wir auch Produkte, die nicht allen Ansprüchen gerecht werden."

Aldi argumentierte, die Transportzeiten und Beladung der Transportfahrzeuge seien optimiert, um die Zahl und Dauer der Transporte so gering wie möglich zu halten.

Vergangenes Jahr wurde der Teufelsstein an die Schweizerischen Bundesbahnen, weil sie in China ein Gebäude mit deutschem Stein umgebaut haben. Die Verleihung des Negativ-Preises zeigte Wirkung. "Sie sagten damals, dass es die Regeln des öffentlichen Marktes waren, die sie dazu brachten, sich für diese Option zu entscheiden. Sie räumten aber ein, dass sie es jetzt anders machen würden", erzählt Pasquier.

Allerdings blieben an anderen Stelle die Resultate aus. "Wir haben eine kleine Anfrage an vorherige Gewinner gestellt und müssen zugeben, dass nur wenige ihre Praxis geändert haben", so Pasquier. "Aber mit steigendem öffentlichen Bewusstsein hoffen wir, dass der Druck sie dazu bringt, sich ihrer Praxis bewusst zu werden."

Als Kontrast zum Teufelsstein: Der Bergkristall

Aber nicht nur besonders schlechte Unternehmen werden an den Pranger gestellt. Als Kontrast gibt es seit 2017 einen zweiten Preis - den "Bergkristall". Er geht an Unternehmen, die sinnvolle Initiativen haben, welche die Transportwege verkürzen oder überflüssig machen, so Pasquier.

In diesem Jahr sind nominiert: Das "Repair Café", das auf reparieren statt importieren setzt, die "Mälzerei von Satigny", eine vom Genfer Bauernkreis initiierte Wiederansiedlung von Mälzereien in der Schweiz zur Herstellung von regionalem Bier, sowie "Basis 57", eine Fischzucht, welche Bergwasser der Tunnelröhren als Ressource für die Fischzucht nutzt.

2017 ging der Bergkristall an die Stadt Lausanne. "Damit wurde ihr Projekt gewürdigt, hauptsächlich lokale landwirtschaftliche Produkte in ihrer Kantine anzubieten", erzählt Pasquier. "Im Jahr 2018 war der Sieger das Projekt 'Wasser für Wasser' - eine kleine Organisation, die Leitungswasserkaraffen anbietet, um Kunden und Eigentümer davon zu überzeugen, Flaschenwasser zu vermeiden."

Bis zum 15. September kann man noch online darüber abstimmen, wer die beiden Preise erhalten soll. Am 2. Oktober werden sie dann verliehen.