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Dank Cocktails und Longdrinks: Whisky erlebt eine zweite Renaissance

Dank Cocktails und Longdrinks: Whisky erlebt eine zweite Renaissance
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Irischer Whisky hat eine lange Durststrecke hinter sich. Jahrezehntelang ging die Nachfrage nach der Spirituose zurück. Doch in den letzten zehn Jahren hat sich das Blatt gewendet.

Laut Irischem Whiskyverband werden im kommenden Jahr 12 Millionen Kisten verkauft werden, im Jahr 2010 waren es noch 6 Millionen Kisten. Verkauft wird das Getränk in 140 Ländern rund um den Globus, der wichtigste Markt sind die Vereinigten Staaten, die 43 Prozent der weltweiten Absatzes stemmen.

Ein Grund für die wachsende Nachfrage ist die steigende Beliebheit von Cocktails und Longdrinks, für die sich der irische Whisky besonders gut eignet, wie Ciaran Keane von der Jameson Distillerie in Dublin erklärt:

"Irischer Whisky eignet sich hervorragend für Cocktails. Er schmeckt einfach so vielseitig, verglichen mit einem Scotch oder Bourbon. Beim Scotch hat man eine Art von natürlichem Raucharoma durch den Torf, der das Mixgetränk dominiert. Oder wenn Sie einen Bourbon haben, haben Sie diese Art von zusätzlicher Süße von den Fässern, die sie verwenden", erklärt Keane.

Der Irish Whisky eigne durch seine natürliche, trockende und rauchfreien Geschmack perfekt zum Mischen. Scotch-Fans würden Keanes Behauptung wohl widersprechen, dass alle Whiskeys aus Schottland torfhaltig sind. Nichtsdestotrotz hat die Qualität des irischen Whiskys den Boom vorangetrieben. Besonders die Generation der Millenials habe den irischen Whisky für sich entdeckt, so William Lavelle, Leiter des Irischen Whiskyverbands.

Lavelle sagt: "Kunden wählen den irischen Whisky vor allem wegen seiner Zugänglichkeit. Wegen des irischen Klimas, wegen der Art und Weise, wie wir unseren Whisky doppelt und dreifach destillieren, ist er sehr zugänglich und kann auf vielfältige Weise getrunken werden. Als Shot, auf Eis, als Longdrink und in Cocktails. Und tatsächlich trägt seine Eignung für Cocktails dazu bei, den Umsatz zu steigern, insbesondere bei Millennials, die sich für Cocktailkultur interessieren. "

Aufstieg und Fall

Während des 19. Jahrhunderts hatte irischer Whisky seine Blütezeit. Im Land gab es Hunderte von Brennereien, die schätzungsweise 10 Millionen Gallonen pro Jahr produzierten, aber seitdem ging es kontinuierlich bergab mit der Industrie.

Die Auswirkungen der amerikanischen Prohibition verbunden mit einem Handelskrieg mit dem Vereinigten Königreich in den 1930er Jahren drückten auf den Absatz. Hinzu kam die Abneigung der irischen Whiskyhersteller, ihre Produktion zu modernisieren.

Und so waren Mitte der 1980er Jahre nur noch zwei Brennereien übrig geblieben, aber seitdem hat der irische Whisky ein starkes Comeback hingelegt, sagt Kevin Martin, Autor von „Have Ye No Homes To Go To?: Die Geschichte des Irish Pubs."

"Bis zum letzten Jahrzehnt war Whisky-Trinken nahezu aus der Öffentlichkeit verschwunden, aber es ist mittlerweile wieder äußerst beliebt, mit dieser Renaissance der Brennereien. Und vor allem gibt es jetzt eigenständige Whiskybars in den Städten, was vor vierzig Jahren unvorstellbar gewesen wäre", sagt Martin. "Cocktail-Bars kennt man ja, aber Sie hätten nie gedacht, dass es Whisky-Bars geben würde. Es zeigt Ihnen also, wie stark die Renaissance des Whisky-Trinkens in Irland ist."

Wer hat den ersten Whiskey gebrannt?

Es gibt unterschiedliche Meinungen, wo der erste Whiskey oder Whisky (wie es in Schottland geschrieben wird) gebrannt wurde. Sowohl Schottland als auch Irland haben die Herkunft des "Aquavitae" beansprucht, wie er in der frühen Renaissance genannt wurde.

Laut Irish Whiskey Association gibt es Hinweise darauf, dass Whisky 1324 erstmals in Irland hergestellt wurde. Dies liege daran, dass Rezepte und Destillationstechniken von Mönchen im Roten Buch von Ossery erwähnt werden, einem mittelalterlichen Text, der in Kilkenny verfasst wurde. Es gibt auch Hinweise darauf, dass in Irland zu Beginn des 15. Jahrhunderts Whisky auf Inseln in einem See am Fluss Shannon produziert wurde.

Die neue Renaissance

Die Renaissance des irischen Whiskys hat der Tourismusindustrie des Landes Auftrieb verliehen. Inzwischen gibt es 26 Whiskybrennereien, von denen viele für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Laut der Irish Whiskey Association waren im letzten Jahr mehr als 1 Million Besucher in irischen Brennereien zu Gast. Die meisten kamen aus Großbritannien, den USA, Kanada, Deutschland und Frankreich, aber auch Einheimische kamen zur Besichtigung.

Es wird erwartet, dass der Umsatz mit Irish Whisky weiter wächst, aber es gibt auch Herausforderungen für die Branche. Die USA haben in einem langjährigen Streit um Flugzeugsubventionen Zölle auf EU-Waren angedroht, einschließlich irischem Whisky.

Aber William Lavelle vom Irischen Whiskyverband sagt, dass der Schaden durch das Wachstum in anderen Märkten ausgeglichen werden kann.

"In den letzten Jahren hat sich in Mittel- und Osteuropa ein wirklich starkes Gegengewicht zu Nordamerika herausgebildet. Deutschland und Russland und alle dazwischen liegenden Länder stürzen sich auf irischen Whisky. Wir sehen dieses Wachstum und glauben, dass es sich weltweit fortsetzen wird. Und dies zunehmend auch in nicht-traditionellen Märkten in Asien, Afrika südlich der Sahara und Lateinamerika. "

Der irische Whisky könnte aus seinen ländlichen und bescheidenen Anfängen heraus seinen Platz als einer der beliebtesten Tropfen der Welt wiedererlangen.

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