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Eilmeldung

Kann er die CDU retten? Michael Kretschmer (44) gegen die "Miesmacher"

Angela Merkel mit Michael Kretschmer in Sachsen
Angela Merkel mit Michael Kretschmer in Sachsen -
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REUTERS/Hannibal Hanschke
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Alle, die Sachsens CDU-Ministerpräsidenten im Wahlkampf beobachtet haben, sprechen von einem volksnahen Politiker, der mit allen - auch mit den politischen Gegnern - redet oder zu reden versucht und der Würste brät. Michael Kretschmer tourt seit Wochen durchs Land - vor dem entscheidenden Sonntag.

In den letzten Umfragen liegt die CDU in Sachsen mit etwa 29 Prozent wieder deutlich vor der AfD mit etwa 25 Prozent. Aber die CDU liegt auch deutlich unter den Ergebnissen der vergangenen Jahre. Bei der Landtagswahl 2014 kam die sächsische CDU auf 39,4 Prozent - die AfD zog damals mit 9,7 Prozent in den Landtag in Dresden ein.

Wegen des schlechten CDU-Ergebnisses bei der Bundestagswahl 2017, bei der die AfD mehr Zweitstimmen bekam, trat Ministerpräsident Stanislaw Tillich zurück. Michael Kretschmer - der eigentlich in Berlin für einen Ministerposten im Gespräch war - kehrte als Regierungschef in seine Heimat Sachsen zurück. Um die CDU zu retten?

Sein Wahlkreis ist AfD-Hochburg Görlitz

Am Sonntag geht es für Michael Kretschmer auch darum, das Direktmandat in seinem Geburtsort Görlitz - an der Grenze zu Polen - zu gewinnen. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte der CDU-Politiker sein Mandat dort verloren, den Wahlkreis gewann Tino Chrupalla von der AfD. Bei der Landtagswahl am Sonntag tritt in Görlitz der Polizist Sebastian Wippel gegen Kretschmer an. Wippel ist der AfD-Kandidat, der beinah Bürgermeister von Görlitz geworden wäre, wenn sich nicht in der zweiten Runde alle anderen Parteien hinter den CDU-Kandidaten gestellt hätten.

Michael Kretschmer hat auch dafür gesorgt, dass das Siemens-Werk in Görlitz nicht geschlossen wurde.

Der 44-Jährige lebt mit seiner Frau und zwei Kindern selbst in der Nähe seiner Heimatstadt. Kretschmer hatte zunächst die Mittlere Reife gemacht, er war erst Mechaniker für Büromaschinen, studierte dann aber nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und wurde Wirtschaftsingenieur.

Ende der Braunkohle in der Lausitz

Der Ministerpräsident plädiert gegenüber skeptischen Wählerinnen und Wählern aus der Lausitz für das gerade von der Bundesregierung in Berlin beschlossene 40-Millarden-Programm für den Strukturwandel.

Viele Lausitzer machen sich aber Sorgen, weil vor allem die Grünen immer wieder davon sprechen, dass der für 2038 geplante Kohleausstieg wegen des Klimawandels vorverlegt werden könne.

Aktuell regiert Ministerpräsident Michael Kretschmer in einer Koalition mit der SPD, aber wenn die Sozialdemokraten in Sachsen - wie anderswo zuvor - viele Stimmen verlieren, dann ist eine schwarz-rot-grüne Koalition vorstellbar.

"Sie sind der größte Miesmacher, der im Land herumrennt"

In der MDR-Wahlarena bei der Diskussion mit den anderen Spitzenkandidaten verlor der ansonsten so geduldige Ministerpräsident bei der Kritik des AfD-Bewerbers Jörg Urban. "Wir haben in den letzten 30 Jahren viel erreicht, was wir uns hart erarbeitet haben", sagte Kretschmer. Und an Urban gerichtet: "Sie sind der größte Miesmacher, der im Land herumrennt!"

Der AfD wirft Kretschmer vor, sie wolle aus der Wahl in Sachsen eine Bundestagswahl machen. Immer wieder sagt er, der Rechtsextremismus sei eines der größten Probleme im Land. Allerdings hatte der Ministerpräsident nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz auch erklärt, es habe keinen Mob und keine Hetzjagden gegeben.

Eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Landesebene hat Kretschmer immer wieder ausgeschlossen. Im Wahlkampf redet der Landesvater von der Spaltung der Gesellschaft, gegen die er sich wendet.

Bei der #unteilbar-Demo in Dresden gegen den Rechtsruck und für mehr Solidarität hat der Ministerpräsident nicht mitgemacht. Einige sagen, dass sei auch politisch ungünstig für jemanden, der AfD-Wähler für die CDU zurückgewinnen will.

Im taz-Gespräch klingt auch Frust durch, wenn Kretschmer sagt: "In Bayern ist es so: ländlicher Raum, blauer Himmel, plätschelndes Wasser, eine Kuh, die muht. Wir sind glücklich. Paradies. Und in Sachsen ist es so: Ich bin im ländlichen Raum. Hier ist nix los. Das blöde Wasser macht Krach. Der Himmel, da sind Wolken. Und diese blöden Schafe."

Der SPIEGEL zweifelt am wirklichen Rückhalt für den Sachsen in der CDU und nicht nur das Magazin meint, Kretschmer kämpfe bei dieser Wahl ums politische Überleben.