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Kurden: Massenflucht in Syrien und Proteste in Europa

Kurden: Massenflucht in Syrien und Proteste in Europa
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Die seit vier Tagen andauernde türkische Militäroffensive im Nordosten Syriens hat eine Massenflucht der kurdischen Bevölkerung ausgelöst. Das UN-Welternährungsprogramm spricht von 100.000 Menschen.

Aufnahmen des kurdischen Fernsehsenders "Kurdistan 24" zeigen Flüchtende, die in der Stadt Tell Tamer im Nordwesten Syriens Hilfe erhalten, Das UN-Welternährungsprogramm und seine Partner wollen ihre Hilfe für die rund 580.000 in dem Gebiet lebenden Menschen trotz sich verschlechternder Sicherheitslage aufrecht erhalten.

Eine geflüchtete Frau in Tell Tamer sagte: "Was soll ich der Welt sagen, warum tut Erdogan uns das an? Sie verschießen die Augen vor dem, was hier mit uns geschieht. Seit gestern sind wir und unsere Kinder ohne Essen, wir haben Hunger."

Weitere Sorgen bereiten die von Kurden bewachten Gefangenenlager, in denen ehemalige IS-Kämpfer und ihre Familien untergebracht sind. Aus dem größten Lager in al-Hol konnten nach einem Aufstand bereits Gefangene entkommen.

Es sei bald nicht mehr genug kurdisches Personal zur Bewachung da, warnt Hikmat Habib vom Syrischen Demokratischen Rat (SDC), der politische Arm der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), gegenüber Euronews via Skype aus Kamischli: "Trotz der Angriffe sichern unsere Streitkräfte immer noch die Gefängnisse und Lager, in denen Tausende von IS-Kämpfern inhaftiert sind. Irgendwann werden unsere Streitkräfte jedoch gezwungen sein, die Gefängnisse zu verlassen, um ihre eigenen Familien und andere Familien zu schützen, die von der türkischen Regierung beschossen und getötet werden. Wir wollen die internationale Gemeinschaft nicht gefährden und IS-Kämpfer freilassen, aber wir haben letztlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir lassen unsere Kinder sterben und schützen die Welt vor dem IS oder wir übernehmen die Verantwortung für den Schutz unserer Kinder".

Aus Protest gegen die türkische Militäroffensive sind überwiegend kurdischen Demonstranten am Samstag in ganz Europa auf die Straßen gegangen. Allein in Köln schlossen sich Schätzungen zufolge mehr als 10.000 Menschen einem Protestmarsch an. Auch in Zürich, Wien und Paris fanden Proteste statt. Dabei forderten die überwiegend kurdischen Demonstranten ein Ende der türkischen Offensive in Nordsyrien und verurteilten das Vorgehen von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Seit Beginn der Offensive seien 415 feindliche Kämpfer getötet worden, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte sprach von insgesamt 123 Toten auf beiden Seiten und 30 toten Zivilisten.

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