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Enorme Verwechslung: Festgenommener ist nicht 5-facher Mörder

Enorme Verwechslung: Festgenommener ist nicht 5-facher Mörder
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Diese Kriminalgeschichte hat Frankreich monatelang in Atem gehalten - und jetzt zu einer enormen Verwechslung geführt. An diesem Samstag gibt es Sondersendungen in den französischen Medien - und nach der überraschenden Nachricht von der Festnahme in Glasgow am Freitagabend gab es ab Samstagmorgen auch Zweifel daran, dass der Festgenommene wirklich Xavier Dupont de Ligonnès ist.

Enorme Verwechslung

Jetzt steht fest: der Festgenommene ist NICHT der in Frankreich meistgesuchte Mörder. Zur Überprüfung der Identität waren französische Ermittler nach Schottland gereist.

FRANCE INFO hatte schon vor dem DNA-Test die Nachbarn des Mannes in Limay, einem Vorort von Paris, befragt, mit dessen Pass der in Glasgow Festgenommene unterwegs war. Sie sagten, es handle sich um einen Rentner, der zu seiner Frau in Schottland reisen wollte. Zudem habe der Rentner an einer Hand nur vier Finger.

Der Festgenommene sei ein fast 70 Jahre alter Mann, der auch ein Haus bei Glasgow besitze.

Familiendrama hält Frankreich in Atem

Xavier Dupont de Ligonnès dagegen ist ein Familienvater, der 2011 in Nantes seine Frau und seine vier Kinder getötet haben. Der inzwischen 58-Jährige wird seit acht Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Beim Haus der Familie in Nantes waren die Mutter Agnès Dupont de Ligonnès (48) und die Kinder Arthur (20), Thomas (18 ), Anne (16) und Benoît (13) im April 2011 erschossen und unter der Veranda verscharrt aufgefunden worden. Doch vom Vater fehlte jede Spur. Er wurde dann an mehreren Stellen in Frankreich auf Bilden von Überwachungskameras an Geldautomaten und in Hotels in Südfrankreich - hunderte Kilometer von Nantes entfernt - beobachtet.

Laut LE PARISIEN vom Freitagabend hatte die schottische Polizei nach einem anonymen Hinweis die französischen Behörden darüber informiert, dass Xavier de Ligonnès am Leben sei und von Frankreich nach Glasgow reisen wollte. Doch am Flughafen Charles-de-Gaulle in Paris konnte die französische Polizei den Verdächtigen auf Überwachungsbildern nicht identifizieren und nicht rechtzeitig eingreifen.

Nach der Festnahme in Glasgow wurden die Fingerabdrücke genommen. Diese stimmten "teilweise" mit denen von Xavier de Ligonnès überein. Französische Ermittler weisen jetztdarauf hin, dass die Normen bei der Überprüfung von Fingerabdrücken in Frankreich und Schottland nicht dieselben seien.

Zum Zeitpunkt seines Verschwindens war Xavier Dupont de Ligonnès - der in Versailles geboren ist und aus einer alten französischen Adelsfamilien stammte - hoch verschuldet. Seine Mutter hatte in den 60er Jahren eine "apokalyptische Sekte" gegründet, die in der Bretagne das Ende der Welt erwartete.

Zuletzt die Hunde getötet

Gegenüber Familienmitgliedern gab sich der Geschäftsmann Xavier de Ligonnès 2011 als "eine Art Geheimagent" aus, der bald in die USA reisen müsse. Bei der katholischen Schule, in der seine streng gläubige Frau arbeitete, erklärte de Ligonnès, Agnès sei krank und werde nach Australien auswandern. Das Haus der Familie war ausgeräumt, alle Bankkonten waren geschlossen worden. Nachbarn hatten berichtet, die Hunde der Familie de Ligonnès hätten zwei Tage und Nächte lang gebellt, dann sei es still gewesen. Auch die Leichen der Labradore wurden später gefunden.

Jean-Marc Bloch, ein ehemaliger Ermittler im Fall de Ligonnès, gab an, dass er all die Jahre überzeugt war, dass der Verdächtige noch am Leben sei. Am Samstag forderte er aber auch eine Verbesserung der Normen für Identitätstests.

Die Journalistin Anne-Sophie Martin, die ein Buch über den Verschwundenen ("Le disparu") geschrieben hat, erklärte auf FRANCE INFO, alle warteten gespannt auf ein Geständnis und eine Erklärung für die Morde.

Doch jetzt bleibt Xavier de Ligonnès der meistgesuchte Mann Frankreichs.