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Ayse B.: “Die türkische Regierung hat mein Baby getötet”

Ayse B. (li.) mit anderen Asylbewerbern in ihrer neuen Heimat.
Ayse B. (li.) mit anderen Asylbewerbern in ihrer neuen Heimat.
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In Thessaloniki im Norden Griechenlands hat euronews Ayse B. getroffen. Sie ist eine der vielen Türken, die dort Schutz und Hilfe fanden. Die junge Frau erzählt Hans von der Brelie ihre Geschichte.

In der Haft verlor Ayse B. ihr Baby

Ayse ist eine entlassene Englischlehrerin. Bevor sie die Türkei verließ, arbeitete sie für eine Schule, die der Gülen-Bewegung angehörte. Ihr Mann, ein Grundschullehrer, versteckte sich zwei Jahre lang in der Türkei, nachdem ihre Wohnung in Istanbul eine Woche nach dem Putschversuch von der Polizei durchsucht wurde.

Ayse, eine zweifache Mutter, wurde am 30. August 2018 inhaftiert, während sie in ihrem Elternhaus in Ankara lebte. Der Vorwurf lautete, "Mitglied einer terroristischen Vereinigung" zu sein. Während 32 Stunden Haft verlor sie ihr drittes Kind in der 8. Schwangerschaftswoche.

Neue Farbe im Leben

Heute ist sie in Sicherheit. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Thessaloniki. Sie gibt ehrenamtlich Kunstkurse, um Serap, Ferida und anderen Kindern aus türkischen Exilfamilien, die jetzt in Nordgriechenland leben, etwas Farbe in das Leben zu bringen:

"Nach dem Putschversuch wurden mein Mann und ich von unserer Arbeit ausgeschlossen", erzählt Ayse. "Einer der Kollegen meines Mannes hatte die Polizei gerufen und behauptet, dass mein Mann ein Terrorist sei. Mein Mann entschied sich zu fliehen, denn wir alle kannten die schlechten Nachrichten, besonders aus Istanbul und Ankara. Mein Mann lebte zwei Jahre lang als Flüchtling. Ich war allein mit den Kindern. Während dieser zwei Jahre lebte ich bei meiner und der Familie meines Mannes. Am Ende dieser zwei Jahre wurde ich verhaftet Die Gründe waren die Schule, für die ich arbeitete, 50 türkische Lira, die ich für eine Gülen-Organisation gespendet hatte und wegen der Zeitungen, die ich abonniert hatte. Wir haben zwei Kinder. Mein Mann und ich glaubten nicht mehr daran, dass wir in der Türkei zusammenleben könnte - wegen der Haftbefehle. Also beschlossen wir, unser Land zu verlassen."

"Diktatoren mögen keine Bücher."
Ayse B.
türkische Asylbewerberin in Griechenland

Ayse erinnert sich noch an den Tag, an dem Polizisten sie in Gewahrsam nahmen: "Diktatoren mögen keine Bücher. Um 5 Uhr morgens kam die türkische Polizei zu uns nach Hause. Sie suchten nach Büchern, geschrieben von Fethullah Gülen. Nach dem Putschversuch hatten wir unsere Bücher bereits im Brotofen verbrannt, weil sie von den türkischen Behörden als Beweis dafür angesehen werden, dass man ein Terrorist ist. Aber ich bin kein Terrorist. Ich kann diese Anschuldigung nicht akzeptieren."

Die Zeit in Polizeigewahrsam war für Ayþe ein Albtraum

Ayse erzählte den Polizisten von ihrer Schwangerschaft, aber die Polizisten schenkten ihr keine Beachtung. "Ich war in der achten Woche schwanger, als ich im Gefängnis war. Nach meiner Entlassung ging ich ins Krankenhaus. Dort erfuhr ich, dass mein Baby tot ist. Die türkische Regierung ist für den Tod meines Babys verantwortlich. Ich glaube, dass mein Baby nicht gestorben ist. Es wurde getötet."

Da sie nicht genug Geld hatten, um den Schmuggler für die ganze Familie zu bezahlen, versuchte nur Ayses Mann, nach Großbritannien zu reisen. In der Hoffnung, dort Asyl zu erhalten. Danach sollte die Familie mittels Familienzusammenführung nachkommen. Aber ihr Plan scheiterte. Während der Reise wurde ihr Mann in Deutschland verhaftet - ohne gültige Papiere. Ayse fürchtet, dass er noch im Gefängnis sitzt, deshalb appelliert sie an die Bundesregierung: "Bitte lasst meinen Mann frei und gewährt ihm Asylschutz in Deutschland."

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