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Immer schneller auf den Gipfel: Streit um Bahn aufs Jungfraujoch

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Immer schneller auf den Gipfel: Streit um Bahn aufs Jungfraujoch
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Jungfraubahnen 2019
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Es ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen der Schweiz: Das Jungfraujoch in den Berner Alpen. Über eine Million Menschen kommen jährlich zum höchsten Bahnhof Europas herauf. Anderthalb Stunden dauert die Auffahrt von der Talstation derzeit, in Zukunft soll es in 45 Minuten gehen.

Seit 2018 arbeiten die Jungfraubahnen, die das Bahnnetz betreiben, an der sogenannten zweigliedrigen V-Bahn. Eine neue Gondelbahn ins Skigebiet auf dem anliegenden Gipfel Männlichen wurde im Dezember eingeweiht. Ende des Jahres soll auch die schnellere Seilbahn zum Jungfraujoch in Betrieb gehen.

Vor allem die vielen BesucherInnen aus Asien bescheren den Jungfraubahnen seit Jahren Rekordgewinne - sie sind auch ein Grund für die Bauarbeiten, so die Sprecherin der Jungfraubahnen, Kathrin Naegeli: "Wir berücksichtigen den Faktor Zeit, der für viele Touristinnen und Touristen wichtiger wird. Für Asiaten, die vier Tage Europa machen, also Paris und dann eben auch noch das Jungfraujoch, für die spielt der Faktor Zeit eine Rolle."

Schnellere Anfahrt vor allem für Asiaten wichtig

470 Millionen Franken, rund 440 Millionen Euro, kostet das schnellere Bahnsystem. Die Jungfraubahnen argumentieren, dass eine Aufwertung nötig sei, um im internationalen Wettbewerb zu überleben. Laut Alpenforscher Werner Bätzing geht es lediglich darum, mehr Gewinne zu machen. "Die Nachfrage aus Europa stagniert derzeit." Der europäische Markt wachse nicht mehr, da die Bevölkerung schrumpfe und älter werde. Zudem gebe es mehr MigrantInnen, die sich eher weniger für die Alpen interessieren, so der Geograph. "Das bedeutet, dass allein der asiatische Markt ein großes Wachstumpotenzial in sich hat." Er kritisiert Bauprojekte wie die V-Bahn, die aus einem "typisch wirtschaftswissenschaftlichen Denken" geboren seien, das davon ausgehe, "es muss permanent ein Wachstum her, sonst droht der Konkurs".

Es geht auch um die Arbeitsplätze

Das Projekt hatte viele GegnerInnen, die eine Verschandelung der Landschaft und Massentourismus fürchten. Aber die Investition sei für die Bevölkerung wichtig, argumentieren die Jungfraubahnen. "Viele Leute leben hier vom Tourismus und sehen ein, dass solche innovativen Projekte nötig sind, um die Arbeitsplätze in den Tälern zu sichern", so Naegeli. Auch die Jungfrauregion habe Probleme mit Abwanderung. "Mit solchen Projekten tragen wir dazu bei, dass das soziale Gefüge hier bleibt, dass die Leute hier bleiben und hier eine Stelle finden."

Kritiker: Millionenprojekt ist "Sackgasse" für Alpentourismus

Um die Bergwelt zu schonen wird die Zahl der BesucherInnen auf dem Jungfraujoch bereits heute auf 5500 pro Tag begrenzt. Bätzing und andere KritikerInnen führen an, dass der Gipfel trotzdem überfüllt sei - und immer schnellere Anfahrtswege das falsche Zukunftssignal: "Das ist die Sackgasse, das ist Alpentourismus, der die Umwelt kaputtmacht und zwar nicht nur im Alpenraum, sondern global. Immer mehr Asiaten kommen im Flugzeug nach Europa und haken dann in kurzer Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ab. Das ist für mich ein extrem umweltunverträglicher Tourismus", so der Alpenforscher.

"Es ist heute ja schon so, dass man an vielen Tagen im Jahr auf dem Jungfraujoch kaum noch einen Stehplatz findet. Und wenn die Leute nur ganz kurz oben bleiben, erleben sie von der Bergwelt eigentlich überhaupt nichts. Sie sind da oben, um Selfies zu machen, die sie nach Hause schicken, um sagen zu können, ,ich war auch da'. Aber ein Erlebnis der Alpen, ein Erlebnis der Bergwelt ist auf diese Weise völlig unmöglich."

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