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Mit Kettensägen, Feuer und Ziegen gegen Waldbrände in Portugal

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Mit Kettensägen, Feuer und Ziegen gegen Waldbrände in Portugal
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In dieser Folge von Climate Now präsentieren wir Ihnen aktuelle Klimadaten vom Copernicus Climate Change Service und wir zeigen, wie Portugal Wissenschaft, kontrollierte Brände und Ziegenherden zur Bekämpfung von Waldbränden nutzt.

Fakten & Zahlen

Die globale Temperatur war wärmer als jeder vorherige Januar in den Wetteraufzeichnungen, aber nur um 0,03 Grad Celsius höher als im Januar 2016. Für Europa war der vergangene Monat der wärmste Januar, und mit etwa 0,2 Grad Celsius wärmer als der vorhergehende wärmste Januar 2007. Er war 3,1 Grad Celsius wärmer als der durchschnittliche Januar im Zeitraum 1981-2010, wobei einige Gebiete mehr als 6 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1981-2010 lagen. Europa war im Allgemeinen trockener als der Durchschnitt, mit bemerkenswerten Ausnahmen in Norwegen und der Region vom Nordosten Spaniens bis nach Südfrankreich. In der außertropischen südlichen Hemisphäre gab es in einer Reihe von Ländern weit überdurchschnittliche Niederschläge, darunter Westaustralien, Madagaskar und Mosambik. Sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis lag die Meereisbedeckung unter dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010.

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Für die Jahreszeit ist es sehr warm gewesen. Wir haben gerade den wärmsten Januar in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt: Die Temperaturen lagen 3,1 Grad Celsius über dem Bezugszeitraum von 1981 bis 2010.

Quelle: Copernicus Climate Change Service implemented by ECMWF

Schauen wir uns das in einem größeren Zusammenhang an: Das ist eine Anomalie der gemäßigten Oberflächenluft für Januar von Europa über Russland bis nach Japan. Man kann sehen, hier in Europa war es wärmer, in Moskau lagen die Temperaturen im Januar sogar 9,4 Grad über dem Durchschnitt, - und es gibt hier Gebiete, in denen die Temperaturen im vergangenen Monat 12 Grad über dem Durchschnitt lagen.

Man sollte aber im Kopf behalten, dass die Winter in Europa jahreszeitlich sehr unterschiedlich sind und in einigen Gebieten der Nordhalbkugel, zum Beispiel in Alaska, die Temperaturen im Januar um 4,7 Grad unter dem Durchschnitt lagen.

Quelle: Europäische Union, Copernicus Sentinel2 data

Themenschwerpunkt Waldbrände: Vorsorgemaßnahmen in Portugal

Kommen wir nun zum Thema Waldbrände, dem Schwerpunkt unseres Berichts: In Australien gab es im Januar heftige Buschbrände, die durch eine ungewöhnliche Dürre und Hitzewelle noch verschlimmert wurden. Der Klimawandel wird voraussichtlich das Risiko von Waldbränden erhöhen, auch wenn der Zusammenhang zwischen beiden Phänomen komplex ist.

Was tut Europa, um sich vor Waldbränden zu schützen: Unsere Reporterin Lindsay Rempell ist dieser Frage in Portugal nachgegangen.

Auch zwei Jahre nach den Bränden, die 2017 in diesem Gebiet wüteten, ist die Landschaft immer noch gezeichnet. Und im vergangenen Sommer erlebte Portugal eine der schlimmsten Waldbrandperioden seit Menschengedenken.

Mehr als hundert Menschen wurden Opfer der Flammen - dreißig von ihnen entlang dieser Straße, in der Nähe des Dorfes Pedrogao Grande.

"Wir waren fünf Stunden lang vom Feuer umgeben und versuchten, unsere Häuser und unser Dorf zu schützen", erzählt Gemeinde-Mitarbeiter Pedro Pedrosa. Er lebt in der Nähe des Dorfes. Er sagt, die Brände von 2017 hätten den Menschen die Augen geöffnet - für die Auswirkungen des Klimawandels und für die Notwendigkeit, zu handeln:

"Wir glauben, dass das alles mit dem Klimawandel zu tun hat. Denn Katastrophen wie diese treten immer häufiger und mit Sicherheit auch in Zukunft auf. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir etwas tun. Denn wenn wir weiterhin an einem Ort wie diesem leben wollen, müssen wir vorbereitet sein."

An die neue Normalität anpassen

Vorbereitet zu sein ist eine große Aufgabe: Die Erde wird immer wärmer und die Brandperioden in Portugal dauern immer länger. Es gibt jetzt die Vorschrift, Bäume 10 Meter beiderseits der Straße zurückzuschneiden, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern. Problematisch sind die Eigentumsverhältnisse: Portugal hat den höchsten Anteil an privatem Land in der Europäischen Union - 97 Prozent, und oft bleibt es dem Wildwuchs überlassen. Wenn Eigentümer ihr Land nicht verwalten und entsprechend pflegen, greift die neu geschaffene Land-Feuerwehr ein. Und es gibt weitere Vorsorge-Methoden.

Am Fuße des Hügels wird Joao Pedro dafür bezahlt, eine Ziegenherde zu versorgen. Sie halten das Gras kurz, es verbrennt dann schwerer. Noch ist diese Methode ein Pilotprogramm.

Und wo Ziegen und Kettensägen nicht ausreichen, bekämpft Portugal jetzt Feuer mit Feuer:

"Feuer ist ein guter Mitarbeiter und im Sommer mit Sicherheit ein schlechter Chef. Deshalb müssen wir es im Winter klug einsetzen", so Tiago Oliveira, Chef der portugiesischen Land-Feuerwehr. "Wir müssen während des Winters, im Frühjahr und im Herbst, alle Möglichkeiten für Präventionsmaßnahmen nutzen: Schafe weiden lassen, Abholzung oder kontrollierte Brände. Wenn wir nicht nur vor dem Feuer herlaufen, sondern vor ihm wegrennen, sind wir auf der sicheren Seite."

In der Nähe des Dorfes legt die Land-Feuerwehr kontrollierte Feuer. Auch eine Vorsorgemaßnahme, um einen unkontrollierten Flächenbrand im Sommer zu verhindern. Sicher sei, dass es wieder Brände geben werde, die Frage ist nur wann. Wenn Portugal es schafft, sich an die neue Normalität anzupassen, könnten vielleicht Häuser und Leben gerettet werden.